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Es wird heute viel vom agilen Management, Design Thinking, User Orientation und anderen iterativen lösungsorientierten Prozessen gesprochen, aber wirklich "neu" sind diese Ansätze nicht. 1811 bezog sich Heinrich von Kleist in seinem Traktat Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden auf die Kraft des zwischenmenschlichen Austausches und den daraus resultierenden kreativen "Fabrikationen". Das war vor 200 Jahren, dennoch beschreibt er treffend das, was der fruchttragende Gestaltungsprozess im Rahmen des GND4C-Forums, das am 6. Juni 2019 an der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig stattfand, hervorbrachte. Gut sechzig Expertinnen und Experten aus Forschung, Museum, Archiv und Bibliothek waren der Einladung der sechs Partner des DFG geförderten Projektes “GND für Kulturdaten” (GND4C) gefolgt, erste Arbeitsergebnisse zu diskutieren. Das Forum bot viel Gelegenheit zum “gemütvollen Sprechdenken” und zur Bewegung, damit die Junisonne keine Chance hatte, einen schläfrig werden zu lassen.

Das Projekt GND4C erarbeitet seit Mai 2018 die konzeptionellen Grundlagen zur Öffnung der Gemeinsamen Normdatei (GND) über den Bibliotheksbereich hinaus und adressiert hierzu folgende Ziele:

  • Nachhaltiger Aufbau einer sparten- und fächerübergreifenden Organisation

  • Weiterentwicklung des Datenmodells und der Regeln im Hinblick auf nicht-bibliothekarische Anwendungskontexte

  • Bereitstellung von Schnittstellen und Werkzeugen zur Unterstützung nicht-bibliothekarischer Anwendungen

  • Stärkung der Kommunikation mit den verschiedenen Interessengruppen über diverse Kommunikationskanäle und Sichtbarmachen des GND-Netzwerks

Nach einem Jahr wollten wir unsere Gedanken, wie die oben genannten Ziele zu erreichen seien, im Reden mit den Expertinnen und Experten schärfen und prüfen. Ein Forum ist ein guter Rahmen, um sich Zeit zum Nachdenken im Reden zu nehmen. Wir haben uns entschieden, unsere Ideen in Form von Postern zu veranschaulichen und in vier Weltcafés intensiv zu reflektieren. Wir wollten wissen:

  1. Was überzeugt?

  2. Was fehlt?

  3. Was wird kritisch gesehen?

Gäste und Projektpartner, zusammen circa 70 Menschen, haben sich für das Nachdenken im Reden einen ganzen Tag Zeit genommen. Unterstützt wurden sie dabei engagiert von Mitarbeitenden und Auszubildenden der Deutschen Nationalbibliothek sowie den Bundesfreiwilligendienstleistenden des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.

 

Einsichten

Die erste Erkenntnis des Forums war mehr eine Forderung: Die Anwesenden im Forum hoben hervor, dass die digitale Transformation im Kulturbereich eine strukturelle Aufgabe sei. Um Aufgaben wie die Beschreibung der Digitalisate mit Metadaten und deren Verknüpfung über Normdaten mit anderen personell leisten zu können, bedarf es einer dauerhaften und stetigen Finanzierung dieser Aufgabe. Ohne den politischen Willen der fördernden Ministerien in Bund und Ländern ist die spartenübergreifende und tief gehende Vernetzung der Kulturdaten im deutschsprachigen Raum nicht möglich. Weder kann die Bereitstellung und Pflege der Normdaten zentral in den Nationalbibliotheken erfolgen, noch zusätzlich und wie nebenbei von den kulturbewahrenden Einrichtungen oder Forschungsinstitutionen geleistet werden. Die Anstrengungen für eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) müssen zwingend das digitalisierte Kulturerbe mit seinen Metadaten ebenso erfassen, wie den Ausbau und die Pflege der sie vernetzenden Normdaten. Die Gemeinsame Normdatei bietet hierfür die besten Voraussetzungen. So gesehen hatte das GND4C-Forum einen fast schon politischen Charakter. 

Konzentrierte Debatte im Weltcafé zum so genannten "Agenturbaum" über die möglichen Aufgaben einer GND-Agentur mit Jürgen Kett (DNB).

image credit: DNB, CC BY SA

Partizipation ist zeitaufwändig

Die zweite übergreifende Einsicht war für viele ernüchternd: Der Öffnungsprozess der GND ist nicht von heute auf morgen umzusetzen. Gerade weil allen Beteiligten daran gelegen ist, die GND tatsächlich gemeinsam zu gestalten, braucht es mehr Zeit als manch ein von Projektfinanzierung Getriebener zur Verfügung hat, um Entscheidungsprozesse zu definieren, zu etablieren und diese dann durchzuführen. Daniel Fähle (LABW), Jürgen Kett (DNB) und Jens Lill (BSZ) stellten die Ideen für die Organisationsstruktur der offenen GND vor.

Die bestehenden Organisationsstrukturen der Gemeinsamen Normdatei müssen für die Partizipation weiterer Kultursparten erweitert werden. Geplant ist der Aufbau von neuen GND-Agenturen, welche die Rolle einer Koordinierungsschnittstelle u. a. zwischen GND und den verschiedenen Kultursparten übernehmen sowie eine Mitwirkung der Kultureinrichtungen auf allen erforderlichen Ebenen ermöglichen. Die Agenturen gibt es bereits heute in den Zentralen der Bibliotheksverbünde. Sie haben ein breites Aufgabenportfolio. Doch neue Bedarfe aus anderen Sparten bringen auch neue Aufgaben mit sich. In der Grafik "Mögliche Dienstleistungen der GND-Agenturen" zeigen wir die Vielfalt der denkbaren Aufgaben in einem starken Baum mit vielen bunten Blättern (siehe Dokumentation). Außerdem diskutieren wir die Abstimmungsprozesse und Beteiligungswege anhand von zwei fiktiven Beispielen. Die künftige Organisationsstruktur sieht für Änderungsbedarfe im Datenmodell, bei den Regeln oder der Infrastruktur die Einbindung von Arbeitsgruppen vor, sollten die Bedarfe nicht im Dreieck von der GND-Zentrale, der bereits bestehenden zuständigen Agentur und der jeweiligen Interessengruppe zu klären sein. Für den Fall, dass die vorhandenen Strukturen zur Klärung von Änderungsbedarfen der GND nicht ausreichend sein sollten, diskutierten die Gäste im Forum den vom Projekt GND4C vorgestellten Prozess für eine Agenturgründung. Zu mehr Information zum Thema Öffnung der Organisationsstruktur der GND, den GND-Agenturen, ihrer Gründung und ihren Aufgaben führt dieser Link: GND4C-Forum Dokumentation: Thema "Organisationsstruktur". Lesenswert ist dort auch die Zusammenfassung der Weltcafé-Diskussionen. 

Die GND in ihrer Setzung als Normdatei. 

image credit: Martha Rosenkötter (DDK), CC BY SA 

Die offene GND ist immer eine Normdatei

Eine Frage aus dem Plenum, eingefangen in einem Tweet, pointierte den Zweifel Vieler um die Öffnung der GND in Bezug auf das Datenmodell so: Welchen Sinn hätten Relevanzkriterien, wenn die Normdatei so offen sei? Wie aus Daten Normdaten werden, welche Eigenschaften, Klassen und Beziehungen für alle gelten und wo in Plus-Bereichen spartenspezifisch ausdifferenziert werden sollte, diskutierten Martha Rosenkötter (DDK), Mathias Manecke (DNB) und Jens Lill (BSZ) im Weltcafé zum Datenmodell und zeigten die Sicht des Projektteams auf die Relevanzfrage.

Ausgehend von den Aufgaben, die ein Normdatensatz zu leisten hat, lassen sich wichtige Eigenschaften und daraus wiederum Relevanzkriterien ableiten. Gibt es eine Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige Qualitätssicherung des Datensatzes verantwortlich fühlt, gibt es einen Bedarf zur Referenzierung auf die durch den Normsatz repräsentierte Entität im Netz und sind für die eindeutige Identifizierung der Entität hinreichend viele Eigenschaften bekannt und durch hinreichend vertrauenswürdige Quellen nachgewiesen, so kann dieser Datensatz als relevant für die GND gelten. Eine für unterschiedliche Anwendergemeinschaften offene Normdatei kann nur funktionieren, wenn es einen Core-Bereich an Eigenschaften und Regeln gibt, der für jede Anwendergemeinschaft verbindlich ist. Im Zentrum steht das Basismodell, welches die grundsätzlichen Eigenschaften der GND auf abstrakter Modell-Ebene beschreibt. Die Eigenschaften, Relationen und Klassen gruppieren sich mit zunehmender Differenziertheit (Vererbungsprinzip) um diesen Kern. So ist es möglich, die GND-Regeln dergestalt weiterzuentwickeln, dass sehr allgemein gehaltene Grundregeln je nach Sachverhalt in mehr oder weniger komplexe Spezialregeln ausdifferenziert werden können. Eine Anwendergemeinschaft kann für sich einen Plus-Bereich an Eigenschaften, Relationen, Klassen und Regeln definieren. Die Analyse der Fallbeispiele im Projekt GND4C bestätigt die These, dass in den meisten Fällen der zusätzliche Bedarf lediglich darin besteht, präzisierende Regeln zur Anwendung der allgemein zur Verfügung stehenden Klassen, Relationen und Eigenschaften zu formulieren. Mehr Information zum Thema in der GND4C-Forum Dokumentation: Thema "Datenmodell"

Axel Vitzthum (digiCULT) stellt das Projectlab vor.

image credit: DNB, CC BY SA 

Fortschritte im automatisierten Import

Großer Bedarf besteht unter den Interessenten an der Öffnung der GND jenseits des Anlegens einzelner neuer Datensätze, an der Ergänzung des bisherigen GND-Datenbestandes durch möglicherweise erforderliche neue Normdatensätze, dem Massenimport. Denn in den weiteren Kultursparten ist am Anfang der Öffnung der GND mit einem erhöhten Bedarf für neue Normdaten zu rechnen, der über die bibliothekarischen Bedarfe hinausgeht. Die Datensätze liegen oft schon strukturiert als Quelldaten vor, allein der Import steht aus. Vor einem gewünschten Massenimport muss aber sicher gestellt werden, dass dieser nicht unnötige Dubletten in die GND spült. Die Quelldaten sollen sortiert werden in Datensätze, die bestehende GND-Datensätze sinnvoll ergänzen, in neue GND-Datensätze und solche, die bereits in der GND enthalten sind, eben die Dubletten. Hierzu stellten Axel Vitzthum und Carsten Resch (beide digiCULT) auf dem GND4C-Forum die Werkzeuge vor. Die technische Infrastruktur von GND4C, das Projectlab,  besteht aus mehreren Teilmodulen. Der Matching-Service durchsucht unterschiedliche Quell- und Zieldaten auf übereinstimmende oder ähnliche Zeichenketten. Die im Matching-Service erstellten Matches sind Kandidaten für den Mapping-Prozess. Dabei werden im Mapping-Service semantisch übereinstimmende Begriffe/Entitäten unter Verwendung der Mapping-Properties von SKOS festgelegt. Bei Übereinstimmungen werden GND-Datensätze mit zusätzlichen Informationen aus den Quelldaten angereichert oder korrigiert. Am Endes des Prozesses teilt sich der Quelldatenbestand in die drei oben genannten Kategorien auf: neue GND-Datensätze, Ergänzungen zu bestehenden und nicht zu importierende Dubletten. Erst ab der Projektphase 2 ist geplant, dass neue, GND-relevante Datensätze in die GND eingespielt werden. Detaillierter wird das Projectlab auf den Dokumentationsseiten zum GND4C-Forum vorgestellt.

Heitere Stimmung bei der Diskussion des Schaubildes zur Evolution der GND-Datenbank.

image credit: DNB, CC BY SA 

Eine starke Community

Oft gehört wurden zwei auf dem Forum in Variationen vorkommende Kommentare. Zum einen spiegelten die Expertinnen und Experten, dass sie für die Gewährleistung der Verlässlichkeit großes Vertrauen in die GND-Gemeinschaft insgesamt setzen und weniger explizite Institutionen für die dauerhafte Gewährleistung der Qualität einzelner Datensätze in der Pflicht sähen. Zum anderen ein starker Wunsch vorgetragen nach der einen, alles umfassenden Normdatenbank, die alles, auch die feinen Verästelungen diverser Thesauri, in sich aufnimmt. Zum Thema Community und Kommunikation luden Werner Schweibenz (BSZ) und Barbara K. Fischer (DNB) in das Weltcafé ein.

Auf dem Forum stellten sie die Rollen im Organigramm der offenen GND vor und zeigten in der Beteiligungsmatrix, wer sich wann, wo und wie beteiligen kann. Die Poster und Fragen im Einzelnen finden sich auf der hier verlinkten Dokumentationseite. Im Fokus der Diskussion stand überraschend das Verhältnis von Verlässlichkeit der Normdaten zur Community. Eine wesentliche Erwartung an die GND ist ihre Verlässlichkeit. Diese wird im Selbstverständnis der Bibliotheken durch die institutionelle Anbindung der GND-Redakteure und Redakteurinnen und ihrer profunden Schulung im Regelwerk gewährleistet. Die Expertinnen und Experten hielten dagegen: Dokumentierte Herkunft, einsehbare Versionsgeschichte, verbindliche und dabei einfache Regeln und Referenzierung der Aussagen garantieren hinreichend die Verlässlichkeit der Datensätze in der offenen GND. Eine dauerhafte Gewährleistung der Qualität und Pflege durch die verantwortliche GND-Redaktion träte hinter diesen Kriterien zurück. Diese Sicht stärkt die GND-Gemeinschaft als Community gegenüber einer eher auf Gremienarbeit basierenden Struktur. Daher sollte der Fokus in der Kommunikationsarbeit sein, das Vertrauen in die qualitativen Kräfte einer fluiden Community auch in der Auseinandersetzung mit allen Beteiligten zu fördern. Allerdings wurde in der Diskussion auch deutlich, dass die Bereitstellung von Ressourcen für die zuverlässige Pflege und das nachhaltige Anlegen von Normdatensätzen institutionell gefördert werden müsse. Die Frage nach den Vorzügen der einen, alles umfassenden Normdatei gegenüber einem Ökosystem von Thesauri und Normdatenbanken wird vielleicht in kommenden Symposien abschließend zu beantworten sein. Starke Befürwortende fanden auf dem Forum beide Ansätze.

Besorgt hingegen zeigten sich etliche Gäste, als klar wurde, dass der Öffnungsprozess im Ganzen als auch die Umsetzung ihrer jeweiligen konkreten Datenwünsche in der GND zwischen unterschiedlichen Gremien abzustimmende Entscheidungsprozesse vorsieht. Die Öffnung der GND werde nicht gelingen, wenn dadurch mehr Bürokratie geschaffen werde, lautete die Warnung aus dem Plenum. Entscheidungsprozesse sollten so schlank und transparent wie möglich gestaltet werden. Wichtig sei die rasche digitale Veröffentlichung von allgemein verständlicher Information zu den Gremien und Arbeitsebenen, deren zügige und systematische Öffnung für weitere Sparten, die Bereitstellung von einfach zu bearbeitenden Webformularen für die Beantragung einzelner Datensätze und ein bekanntes Netzwerk von Beratungsstellen für Fragen rund um die GND. Klare Arbeitsaufträge für das Projektteam, danke dafür!

image credit: DNB, CC BY SA 

Noch zwei gute Nachrichten zum Schluss

Das GND-Datenmodell muss nicht neu erfunden werden. Wir können nach den Fallanalysen der Personendaten der Künstlerinnen und Künstler aus dem MusIS-Netzwerk des BSZ, der Geografika des LABW, der Sachbegriffe des Deutschen Historischen Museums über digiCULT und DDB und der Bauwerke in der Sammlung des DDK feststellen, dass die GND im Wesentlichen von ihrer Struktur her – den Eigenschaften und Gestaltungsmöglichkeiten für Beziehungen zu anderen Normsätzen – für die Modellierung nicht-bibliothekarischer Normdaten bereits geeignet ist, trotz aller Mängel im Einzelnen und der Unzugänglichkeit des derzeitigen Betriebssystems. Die GND hat das Zeug für eine spartenübergreifende Normdatei!

Zum anderen ist das Engagement der GND-Gemeinschaft, hier vertreten durch die Gäste des GND4C-Forums, überwältigend. Die Dichotomie der bibliothekarischen und nicht-bibliothekarischen Interessen löst sich in der gemeinsamen Rede spürbar auf. Auch nach einem langen Tag so intensiver wie inspirierender Arbeit, war der Wunsch groß, das gemeinsame Entwickeln fortzusetzen. In den kommenden Symposien möchte man sich tageweise auf ein Thema konzentrieren: je einen ganzen Tag zum Thema GND-Agentur, Datenmodell und technische Infrastruktur. Die Idee einer aktiven und sich konstruktiv-kritisch einbringenden GND-Gemeinschaft ist damit schon Realität geworden. Wie gut, dass wir für die Lösungen noch ein gutes Jahr Zeit zur allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden haben!

 

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P.S.: Die Vorträge mit den Postern zu den vier Themen sind in den jeweiligen Abschnitten oben verlinkt. Die Startseite zur Dokumentation ist hier zu finden. Unter dem Hashtag #GND4C|Forum finden Sie weitere Kommentare und Fotos im Netz. Wir freuen uns über Ihre Antworten dort und Ihre Kommentare hier!

 

Die Projektpartner des DFG-geförderten Projekts "GND für Kulturdaten" (GND4C):

    • Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ)
    • Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK)
    • Deutsche Nationalbibliothek (DNB)
    • Deutsche Digitale Bibliothek (DDB)
    • Landesarchiv Baden-Württemberg (LABW)
    • Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (SHLB) / digiCULT-Verbund eG

Vor einem halben Jahr haben wir in Frankfurt an der Deutschen Nationalbibliothek in großer Runde die erste GNDCon mit vielen von Ihnen celebriert. Zusammen haben wir über die Öffnung der Gemeinsamen Normdatei, der GND, aus ganz unterschiedlichen Perspektiven diskutiert und uns für die weitere Zusammenarbeit verabredet. Die GND ist ein sehr praktisches Werkzeug des Bibliothekswesens, um allgemein die eindeutige Identifizierbarkeit, Kontextualisierung, Vernetzung und Auffindbarkeit von der wachsenden Zahl von Kulturdaten im Netz zu erhöhen. Ein thematischer Schwerpunkt der GNDCon war das DFG geförderte Projekt GND für Kulturdaten (GND4C).

In Projekt GND4C geht es darum, strukturelle Voraussetzungen für die Anwendung der GND über den bibliothekarischen Bedarf hinaus auch für Museen, Archive und die Forschung zu entwickeln. Das betrifft natürlich zuerst die technische Infrastruktur, wie Werkzeuge zum Datenformatmatching, dem Datenmapping und der Datenqualitätsprüfung vor dem eigentlich "Match and Merge"-Prozess, mit dem Datenimporte in die GND selbst durchgeführt werden. Aber, um den Bedarfen der anderen Kulturbereiche mit Blick auf Normdaten gerecht zu werden, untersuchen wir auch das Basisdatenmodell, klären die Kerneigenschaften des Normdatensatzes der GND und machen uns Gedanken darüber, wie und ob weitere communityspezifische Eigenschaften und Verknüpfungen in die GND integriert werden können. Zudem brauchen wir klare Relevanzkriterien, die regeln, wann ein Datensatz ein Normdatensatz sein kann. Beide Arbeitsbereiche bedingen letztlich zwei weitere. Die bisherige Organisationsstruktur der GND-Kooperative, das sind neben den Bibliotheksverbünden, im Wesentlichen die Staatsbibliotheken und die Nationalbibliotheken des D-A-CH-Raums, muss erweiterbar gestaltet werden. Weitere Interessensgruppen sollen die Möglichkeit bekommen, einen konstitutiven Platz in der Kooperative einnehmen zu können. Die Arbeitslast der Redaktion, Schulung und Qualitätssicherung soll durch ein Netz von Agenturen besser auf mehr Schultern verteilt werden. Schließlich braucht es viertens ein Kommunikationsnetzwerk, um sicherzustellen, dass möglichst viele an der offenen GND konstruktiv mitwirken können. Im Projekt GND4C arbeiten wir seit Mai 2018 in einer sechsköpfigen Partnerschaft an dieser neuen Struktur. 

 

 

Die Steintrommel des DBSM in der GND-Wolke

© B K Fischer (DNB) CC BY SA

Jetzt möchten wir nach einem Jahr Arbeit unsere ersten Arbeitsergebnisse kritisch und konstruktiv hinterfragen. Wir haben daher gezielt ca. 60 Expertinnen und Experten zum GND4C-Forum an die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig eingeladen. Es kommen sowohl Kolleginnen und Kollegen aus den Arbeitsgruppen des Standardisierungsausschusses, als auch Menschen aus den Bereichen Forschung, Bibliothek, Museum, Archiv und der Denkmalpflege, die sich intensiv in ihrem Arbeitsalltag mit denselben Themen, die uns im Projekt GND4C beschäftigen, befassen. Einen ganzen Tag lang arbeiten wir in vier Weltcafés gemeinsam zu den Vorschlägen des Projektteams. Rund um folgende Themen werden wir debattieren:

  • Wie organisieren wir die GND in einer institutionellen Struktur?
  • Wie schaffen wir ein spartenübergreifendes offenes Datenmodell?
  • Welche technische Infrastruktur sollen wir zur Datenintegration bereitstellen? 
  • Wie können die unterschiedlichen Rollen in der GND-Gemeinschaft miteinander interagieren?

 

 

 

Die Partner im Projekt GND4C

Schnappschuss, wie die Ergebnisse der Arbeit mit der Icon-Bibliothek aussehen könnten. © B K Fischer (DNB) CC BY SA

 

Dazu haben wir einerseits unsere Vorschläge in Poster (siehe Auswahl in der Galerie unten) gestaltet, aber wir wollen auch gemeinsam mit den Teilnehmenden Beteiligungsprozesse und Organigramme vor Ort erarbeiten und stellen dafür eine kleine Icon-Bibliothek und Operatoren bereit.

Wir verstehen die Öffnung der GND unbedingt als einen iterativen Prozess. Wir haben keine fertigen Rezepte in der Schublade, sondern suchen im Dialog mit möglichst vielen, die an der Mitwirkung in der GND als Normdatei, als intellektuellem Konzept, als digitalem System und als Kooperative interessiert sind, gemeinsam nach Ideen und Konzepten für Lösungen. Um einen solchen Dialog konstruktiv zu führen, braucht es immer wieder auch das kleine intensive Format eines internen Arbeitstreffen. Wir möchten vertrauensvoll und offen miteinander die Ideen weiterentwickeln. Daher ist das GND4C-Forum auch keine öffentliche Veranstaltung.

Doch natürlich werden wir alle Ergebnisse intensiv dokumentieren und mit Ihnen teilen. Wir möchten auch Ihre Meinung kennenlernen und Ihren Rat hören. Lassen Sie uns wissen, welche Beteiligungsformate Sie sich vorstellen und wünschen. Wir werden Sie über diesen Blog weiterhin informieren und sind auf Ihre Kommentare gespannt.

Eine Vorschau in die Galerie der Weltcafés des GND4C-Forum

Die offene GND eingebettet in ihr Umfeld 

© Jürgen Kett (DNB) CC BY SA

Was ein Normdatensatz können und leisten sollte

 

 

Ein Normdatensatz, was er sein und leisten sollte. 

© Martha Rosenkötter (DDK) CC BY SA

Poster zu den möglichen Aufgaben einer GND-Agentur

© Jürgen Kett (DNB) CC BY SA

Eine Bundesbehörde geht auf Expedition im Wikiversum

Ein neues Testfeld für Wikibase

Ein Gemeinschaftswerk von Ohlig, Jens (WMDE) und Fischer, Barbara (DNB)

A federal agency goes on an expedition in the Wikiverse

A new testing ground for Wikibase

Co-authors: Jens Ohlig (WMDE) and Barbara K. Fischer (DNB)

Die Deutsche Nationalbibliothek und Wikimedia Deutschland e.V. gehen zusammen neue Wege. Jahrelang haben Freiwillige der Wikipedia geholfen, Einträge der deutschen Nationalbibliographie mit Wikipedia-Einträgen zu verknüpfen und dabei auch Fehler korrigiert. Jetzt haben die beiden Einrichtungen vereinbart, gemeinsam die Potenziale von Wikibase, der Software mit der die freie Datenbank Wikidata betrieben wird, für den Einsatz in der größten Normdatenbank für Kulturdaten im deutschsprachigen Raum, der Gemeinsamen Normdatei (GND), intensiv zu testen. Die Bedeutung des Evaluationsvorhabens für die Welt der offenen Daten, den GLAM-Bereich und Bibliotheken insbesondere wollen wir hier beschreiben.

The German National Library and Wikimedia Deutschland are breaking new ground together. For years, Wikipedia volunteers have helped to link entries of the German national bibliography with Wikipedia entries and to correct mistakes. The two institutions have now agreed to jointly test the potential of Wikibase, the software used to run the free database Wikidata, for use in the largest authority file for cultural data in German-speaking countries, the Integrated Authority File (Gemeinsame Normdatei, GND). The significance of the evaluation project for the world of open data, the GLAM area and libraries, in particular, is described here.

Laut Statistik verbringt der Mensch in Deutschland 196 Minuten täglich im Netz. Tendenz steigend. Die meisten von uns sind dort auf der Suche. Wir suchen Konsumangebote, Medien, Informationen oder schlichtweg Daten. Immer mehr Daten sind im Netz. Im Alltag verlassen wir uns auf die Algorithmen von Suchmaschinen. Doch für tiefergehende Recherchen in der Wissenschaft oder für solche von den Kundenwünschen der Suchmaschinenbetreiber unabhängigere braucht es alternative Angebote. Hier kommen kodifizierte Daten in den Fokus. Der Bedarf an der sicheren Identifikation von Objekten, Personen, Ereignissen und Orten im Netz steigt mit der Anzahl der Suchanfragen und der Menge der im Netz befindlichen Daten. Wikidata ist eine Antwort auf diesen Bedarf. Eine andere Antwort liegt in dem über die Fachgrenzen der deutschsprachigen Bibliotheken hinausgehenden Interesse an den Normdaten der Deutschen Nationalbibliothek, der GND. Normdaten, wie die von Wikidata und der GND, unterstützen den Prozess von Linked Data und den Aufbau eines semantischen Webs, das Dinge nach ihrer Bedeutung sinnvoll miteinander verknüpft.

According to statistics, people in Germany spend 196 minutes a day on the Internet. And rising. Most of us search the internet; we are looking for consumer offers, media, information or simply data. More and more data is on the net. In everyday life, we rely on the algorithms of search engines. But for more in-depth research in science or for those more independent of the customer wishes of search engine operators, alternative offers are needed. This is where codified data comes into focus. The need for the precise identification of objects, persons, events and locations online increases with the number of search queries and the amount of data. Wikidata is an answer to this need. Another answer lies in the interest in the standards of the German authority file, the GND, which goes beyond the subject boundaries of German-language libraries. Authority Control, as practised by Wikidata and GND, support the process of linked data and the construction of a semantic web that links items according to their meaning.


Was sind Normdaten und wozu braucht man sie?

What is Authority Control and why do you need it?

Normdaten belegen eine Benennung, einen Namen für ein Objekt zweifelsfrei mit einer Codenummer und bieten mittels einem dauerhaften Internetlink einen verlässlichen Knotenpunkt im Netz an. In der Regel wird zur Herstellung der Unverwechselbarkeit noch mindestens eine Eigenschaft des Objektes verknüpft. Im Fall einer Person treten zu ihrem Namen meist die Lebensdaten hinzu. Bei Orten die Geo-Koordinaten. Bei Ereignissen deren zeitliche Dauer. Ob noch weitere Eigenschaften und Beziehungen dieser zu anderen Normdatensätzen erfasst werden, hängt letztlich von dem zugrundeliegenden Datenmodell ab. Im Fall von Wikidata, des Freiwilligenprojekts zur strukturierten und maschinenlesbaren Beschreibung der Welt, ist die Liste der Eigenschaften und Relationen eines Datenobjektes im Prinzip unendlich. Die Gemeinschaft der Beitragenden der GND pflegt ein deutlich engeres Regelwerk und Verständnis von Normdaten.

Authority files dedicate a name or label for an object to an identifying code number and offer a reliable node in the network by means of a permanent Internet link. As a rule, at least one property of the object is linked in order to achieve disambiguation. In the case of a person, biographic dates are usually added to their name. For locations, the geo-coordinates. In the case of events, their duration. Whether other properties and relationships of these to other authority files are recorded depends ultimately on the underlying data model. In the case of Wikidata, the volunteer project for the structured and machine-readable description of the world, the list of properties and relations of a data object is basically infinite. The community of GND contributors maintains a much tighter set of rules and understanding of authority control.


Normdatensysteme unterliegen wie alle Artefakte, die über einen längeren Zeitraum von einer Gruppe von Menschen erstellt werden, den Gesetzmäßigkeiten von sozialen Systemen. Zur Sicherung der Qualität, zur Vereinfachung von Entscheidungs- und Arbeitsprozessen und zur Abgrenzung gegenüber anderen Systemen bilden sie oft mit der Zeit komplexer werdende Konventionen und Regelwerke aus. Dies passiert in Wikidata genauso wie in der GND trotz der grundverschiedenen Rahmenbedingungen. Zusätzlich zu den Regeln treten Bedingungen, die durch die jeweilige technischen Voraussetzungen gesetzt werden. Datenbanken werden in ihrer Funktionsweise durch die ihnen zugrunde liegende Software definiert. Die Kommunikation zwischen zwei verschiedenen Datenbanken, die zudem unterschiedliche Software verwenden, ist schwierig. Der Datenaustausch, ob im Kleinen oder im Großen kann nicht automatisch erfolgen. Die Verknüpfung und Föderation von Daten, die gemeinschaftliche Pflege von Daten über die Systemgrenzen hinaus ist zwar nicht gänzlich unmöglich, aber doch schwerfällig und mühselig.

Like all artefacts created over a longer period of time by a group of people, authority controls are subject to the laws of social systems. In order to ensure quality, to simplify decision-making and work processes and to set them apart from other systems, they often develop increasingly complex conventions and rules over time. This happens in Wikidata as well as in the GND despite the fundamentally different framework conditions. In addition to the rules, there are conditions that are set by the respective technical prerequisites. Databases are defined in their functionality by the underlying software. Communication between two different databases, which also use different software, is difficult. Data exchange, whether small or large, cannot take place automatically. The linking and federation of data, the joint maintenance of data across system boundaries is not entirely impossible, but it is cumbersome.


Die Deutsche Nationalbibliothek und Wikimedia Deutschland e. V. möchten beide auch unabhängig voneinander das Semantic Web mittels Linked-Data-Angeboten fördern. Daher versuchen sie bereits seit geraumer Zeit ihre jeweiligen Rahmenbedingungen dergestalt zu verändern, dass die Öffnung des jeweiligen Systems für weitere Beitragende attraktiver wird. Und unabhängig voneinander haben sie die Erfahrung gemacht, dass es nicht reicht, eine Tür zu öffnen. Jetzt schlagen sie eine Brücke, um gemeinsam ihre Ziele zu erreichen.

The German National Library and Wikimedia Deutschland e. V. each want to promote the Semantic Web by means of Linked Data projects. Therefore, we have been trying for some time to change our respective frameworks in such a way that the opening of the respective system becomes more attractive for further contributors. And independently of each other, we have experienced that it is not enough to open a door. Now we are building a bridge to achieve our goals together.

Was wir wollen und wie wir vorgehen

What we want and how we will proceed

Zusammen bauen wir eine Testlandschaft von mehreren Normdatenbanken als Wikibase-Instanzen auf. Das heißt, das Team der Deutschen Nationalbibliothek legt in der Software Wikibase Strukturen an, um möglichst vollumfänglich die GND aus unterschiedlichen Perspektiven dort abbilden zu können. Die erste Datenbank bildet die GND ab, wie sie heute von Bibliotheken eingesetzt und bearbeitet wird. Ein zweite Datenbank modelliert die GND erweitert um die zusätzlichen Bedarfe aus den kulturbewahrenden Institutionen, wie Museen und Archiven. Und schließlich die dritte Datenbank, Factgrid, legt auf der Grundlage von GND-Datensätzen eine Forschungsdatenbank für historische Personen und Körperschaften an, die keine eigentliche Normdatenbank mehr sein wird. Sie alle benutzen die Software Wikibase und die GND-Entitäten. In dieser Testlandschaft werden wir die Leistungsfähigkeit und Nutzerfreundlichkeit von Wikibase testen und evaluieren. Wir wollen wissen, wie leicht sich Daten zwischen den Instanzen synchronisieren lassen. Welche Möglichkeiten der Föderation aus Wikidata lassen sich auf die GND-Wikibase Instanzen übertragen? Vereinfacht Wikibase technisch die Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg? Kann Wikibase über die Rollenmodelle von Wikidata, die Verlässlichkeit von bibliothekarischen Normdaten durch ein komplexes Rechtehandling gewährleisten? Wie steht es mit dem Nachnutzungspotenzial vieler praktischer Anwendertools, die für Wikidata entwickelt wurden, für andere Wikibase Instanzen? Wikidata wird zum Beispiel benutzt, um mit Histropedia Zeitleisten zu visualisieren — von ABBA-Alben bis zu Zulu-Königen. Oder Wikidata liefert die Technik hinter Crotos, einem Visualisierungs- und Entdeckungswerkzeug für Kunstwerke. Wenn Wikidata diese Möglichkeiten zum Bau von Anwendertools bietet, weil es die enzyklopädischen Daten zum menschlichen Wissen sammelt, was ist dann erst an spannenden Anwendungen denkbar, die auf spezialisierten Daten eigener Wikibase-Instanzen basieren?

Together we are building a testing ground of several authority files databases as Wikibase instances. This means that the team of the German National Library creates structures in the Wikibase software in order to be able to map the GND as fully as possible from different perspectives. The first database represents the GND as used and processed by libraries today. A second database models the GND extended by the additional needs of cultural institutions such as museums and archives. And finally, the third database, Factgrid, creates a research database for historical persons and corporations on the basis of GND data records, which will no longer be an actual authority file. They all use the Wikibase software and the GND entities. In this testing landscape, we will test and evaluate the performance and usability of Wikibase. We want to know how easy it is to synchronize data between instances. Which possibilities of the federation from Wikidata can be transferred to the GND Wikibase instances? Does Wikibase technically simplify cooperation across institutional boundaries? Can Wikibase guarantee the reliability of library authority control via the role models of Wikidata through complex rights handling? What about the post-use potential of many practical user tools developed for Wikidata for other Wikibase instances? Wikidata is used, for example, to visualize timelines with Histropedia - from ABBA albums to Zulu kings. Or Wikidata provides the technology behind Crotos, a visualization and discovery tool for artworks. If Wikidata offers these possibilities for building user tools because it collects the encyclopedic data on human knowledge, what exciting applications are conceivable based on specialized data from own Wikibase instances?


Im ersten Schritt haben wir jetzt gemeinsam drei Wikibase-Instanzen, also Datenbanken, angelegt und modellieren hier die Eigenschaften und Beziehungen, die in den jeweiligen Instanzen gelten sollen. Gerade hatten wir ein gemeinsames Projekttreffen in Frankfurt, zu dem die Kolleginnen und Kollegen von Wikimedia Deutschland e. V. und der Deutschen Nationalbibliothek gemeinsam Arbeitsprozesse für den Datenimport aus der bestehenden GND in die neuen Strukturen abstimmten. In den kommenden Wochen werden wir sukzessive aus der bestehenden GND ausgewählte Entitätstypen, wie zum Beispiel alle Daten zu Personen und Geografika, in die neuen Instanzen importieren. Dies sollte bis zum Sommer einen Stand erreicht haben, der es uns erlaubt, dann mit weiteren Tests zur Benutzerfreundlichkeit (Usability) und der Synchronisierung zu beginnen.

In the first step, we have now created three Wikibase instances, i.e. databases, and model the properties and relationships that are to apply in the respective instances. We just had a joint project meeting in Frankfurt, where the colleagues from Wikimedia Deutschland e. V. and the German National Library jointly coordinated work processes for importing data from the existing GND into the new structures. In the coming weeks, we will successively import entity types selected from the existing GND, such as all data on persons and geography, into the new instances. This should have reached a level by summer that will allow us to begin further usability and synchronization testing.


Da die GND als Normdatenbank unbedingt verlässlich sein muss, muss sichergestellt sein, dass die Anwender- oder Editorinnen und Editoren die Verantwortung für die Korrektheit der von ihnen eingegebenen Daten dauerhaft übernehmen. Zwar ist es in Wikibase um einiges leichter als in der starren Softwarestruktur des bestehenden Systems, in der die jetzige GND geführt wird,  jeder Aussage einen Beleg zuzuordnen, auch die Provenienz der Daten lässt sich in Wikibase leichter dokumentieren, dennoch muss in der GND dauerhaft sichergestellt sein, dass die Pflege, die Aktualisierung, die Rechtssicherheit der Daten und möglicherweise erforderliche Korrekturen zügig erfolgen. Daher wird die GND auch in Zukunft stets nur für einen geschlossenen unter Vertrag stehenden Anwenderkreis für die Mitwirkung offen sein, auch wenn dieser durch neue Gruppen von Mitwirkenden erweitert wird. Dies ist einer der wesentlichen Unterschiede zu Wikidata, wo alle eingeladen sind mitzumachen und man einerseits erfolgreich auf die Eigenverantwortung der Beitragenden setzt und andererseits die Autorengemeinschaft die Kontrolle über die Qualität der Daten gemeinschaftlich übernimmt.

Since the GND as an authority control must be absolutely reliable, it must be ensured that the users or editors assume permanent responsibility for the correctness of the data they enter. Although it is much easier in Wikibase than in the rigid software structure of the existing system, in which the current GND is maintained, to assign a document to each statement, and the provenance of the data can also be more easily documented in Wikibase, it must nevertheless be ensured in the GND that the maintenance, updating, legal security of the data and any necessary corrections are carried out quickly. For this reason, GND will continue to be open to participation only by a closed group of users under contract, even if this group is expanded by new groups of participants. This is one of the main differences to Wikidata, where everyone is invited to participate and where on the one hand contributors must take on responsibility for the data entered and on the other hand the community of authors takes on overarching control over the quality of the data.


Auch Wikidata kennt unterschiedliche Rollen innerhalb der Community. Jede dieser Rollen ist mit unterschiedlichen Rechten und Verantwortlichkeiten ausgestattet. Von den Benutzerinnen und Benutzern, die Daten eingeben, über die Admins mit erweiterteten Befugnissen bis hin zu speziellen Rechtegruppen wie denjenigen, die neue Eigenschaften anlegen können, entspricht das oft auch den Spezialisierungen und Hierarchien in Bibliotheken — und ist doch an einigen Stellen ganz anders und eher dem Wiki-Prinzip als der Bibliothekswissenschaft verbunden. Eine unserer kommenden Aufgaben wird es sein, zu prüfen, ob die bestehenden Möglichkeiten zur Rollendefinition in Wikibase ausreichen, um den Ansprüchen des Rechtemanagements der GND gerecht zu werden, oder ob und wenn ja, welche Anpassungen der Software erforderlich wären.

Wikidata also knows different roles within the community. Each of these roles has different rights and responsibilities. From the users who enter data to the admins with extended permissions to special permission groups such as those who can create new properties, this often corresponds to the specializations and hierarchies in libraries – and yet in some places, it is quite different and more linked to the wiki principle than to library science. One of our upcoming tasks will be to check whether the existing possibilities for role definition in Wikibase are sufficient to meet the requirements of GND's rights management, or whether and if so, which adaptations of the software would be necessary.


Bis zur WikidataCon Ende Oktober planen wir, einen ersten Evaluationsbericht vorlegen zu können, der für alle die Chancen, Probleme und erste Ideen für Lösungen im Einsatz von Wikibase für die GND aufzeigen wird. Schließlich möchten wir alle die GND leichter für einen größeren Anwenderkreis zugänglich machen und die Nachnutzung der Normdaten für Wikidata sowie die Einbindung der GND in neue Anwendungen so attraktiv wie möglich machen. Wir sind gespannt, in welchem Umfang Wikibase diesen Erwartungen gerecht wird.


Until WikidataCon at the end of October, we plan to present a first evaluation report, which will show the opportunities, challenges and first ideas for solutions in the use of Wikibase for the GND. After all, we all want to make GND more accessible to a larger group of users and make the subsequent use of authority control for Wikidata and the integration of GND into new applications as attractive as possible. We are curious to see to what extent Wikibase will meet these expectations. Follow our updates if you are curious about the results.


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Beitrag von Jens Lill am BSZ, Partnerinstitution von "GND4C - GND für Kulturdaten".

Während der Betrieb in der Staatsgalerie Stuttgart seinen alltäglichen Gang fand und sich Schlangen vor dem Banksy-Bild „Love is in the Bin“ bildeten, haben sich am 2. und 3. April 2019 im Metzler-Saal etwa 50 Fachleute zusammengefunden, um sich über Dinge auszutauschen, die für die Museumsbesucher vielleicht nicht sichtbar, aber für die Arbeit eines Museums essenziell sind…

Anlass war das 20. MusIS-Nutzertreffen, zu dem Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Museen und Dokumentationseinrichtungen in ganz Deutschland und der Schweiz angereist sind. Sie alle hat letztlich die Frage hergeführt, wie sie ihre Sammlungen wissenschaftlich dokumentieren und verwalten können oder wie sie ihre Daten qualitativ aufbereiten müssen, damit diese in Kultur-Portalen wie der Deutschen Digitalen Bibliothek bestmöglich aufgefunden werden können. Im Fokus steht dabei die Qualität der mitgelieferten Metadaten, die durch die umfängliche Verwendung von kontrolliertem Vokabular und Normdaten, wie der Gemeinsamen Normdatei (GND), zusätzlich verbessert werden kann.

Seit dem Jahr 2000 ist das Museums-Informations-System (MusIS) als fest institutionalisierter Kooperationsverbund der Staatlichen Museen in Baden-Württemberg beim Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ)angesiedelt und soll genau bei solchen Fragestellungen Unterstützung leisten. Das BSZ ist ein Dienstleister für Bibliotheken, Archive und Museen und fungiert als Koordinationsstelle für technische und dokumentarische Fragen, die sich in Zusammenhang mit der Museumsdokumentation sowie der Präsentation ihrer Ergebnisse im Internet stellen. Darüber hinaus hostet es für die Mehrheit der staatlichen und weiteren Museen deren Datenbanken und betreut diese im First-Level-Support. Weitere Informationen zum Portfolio der Dienstleistungen beim Sammlungsmanagement finden sich unter www.musis-service.de.

Museen und andere Einrichtungen des Kulturerbes sehen sich angesichts der digitalen Transformation vor große Herausforderungen gestellt, wenngleich sie schon seit Jahr(zehnt)en mit ihrem digitalen Sammlungsmanagement Basis und Ausgangspunkt von digitalen Angeboten unterhalten. Gleichwohl setzen Erschließungs- und Metadaten einen hohen Qualitätsgrad voraus, um erfolgreich in digitalen Angeboten verwendet und – ggf. zusammen mit Daten anderer Einrichtungen – recherchiert, vernetzt, assoziiert und visualisiert werden zu können. Hier spielen einmal mehr Normdaten und Standards eine wichtige Rolle, die das Rückgrat eines maschinenlesbaren, semantischen Netzes der Kultur und Wissenschaft bilden und inhaltliche Verbindungen aufzeigen können, die sonst im Verborgenen bleiben würden.

Stuttgart - Alte Staatsgalerie.

credit: Fred Romero, CC BY 2.0, via Flickr

GND für Kulturdaten stellt sich der Diskussion

In diesem Spannungsfeld waren dann auch die Präsentationen der Referentinnen und Referenten des zweitägigen Treffens angesiedelt. Im Einführungsvortrag erläuterte Dr. Elke Allgaier von der Staatsgalerie Stuttgart, wie aus den im Rahmen der Museumsdokumentation ermittelten Erschließungsdaten neues Wissen entstehen kann und welche Rolle dabei offene Lizenzen und offene Datenformate spielen. Herdis Kley und Chiara Marchini von der Fachstelle Museum der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) stellten Neuerungen bei der DDB vor und zeigten am Beispiel der Personenseiten einige der Vorteile bei der Benutzung von Normdaten auf. Daran an schloss sich eine Einführung in das DFG-Projekt „GND für Kulturdaten“ (GND4C) von Barbara K. Fischer von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB). Ziel des Projekts ist es, die spartenübergreifende Öffnung und Weiterentwicklung der GND für die Bedarfe nicht-bibliothekarischer Einrichtungen wie Archive, Mediatheken, Museen, Denkmalbehörden oder wissenschaftliche Institutionen voranzubringen. Museen und Archive sollen in Zukunft als gleichberechtigte Partner in der GND-Kooperative agieren. Abgerundet wurde der erste Veranstaltungstag mit einem GND4C-Workshop zu Personennormdaten: in Gruppenarbeit wurden anhand konkreter Fragestellungen Anforderungen und Wünsche aus der Museums-Community an Personennormdaten und deren Modellierung in der GND ermittelt. Als GND4C-Projektpartner kümmert sich das BSZ um die Belange von Museen insbesondere hinsichtlich der Personennormdaten.

Am zweiten Tag widmete sich das MusIS-Nutzertreffen vielfältigen Themen: der Weiterentwicklung einer verlässlichen Infrastruktur für die digitale Transformation von Museumsdaten in Form der am BSZ prototypisch aufgebauten ExpoDB, den Chancen und Herausforderungen von #LinkedOpenData, der dafür erforderlichen Datenqualität oder der Vorstellung von Neuerungen in der im MusIS-Verbund genutzten Objektdokumentationssoftware imdas pro seitens des Herstellers Joanneum Research aus Graz.

Diese und weitere Vorträge (auch zu früheren MusIS-Nutzertreffen) finden sich frei zugänglich im BSZ-Wiki, ergänzt um weiterführende Links.

Kontakt am BSZ zu GND4C und MusIS: Jens M. Lill

Eine der erarbeiteten Folien aus dem GND4C-Workshop mit Anforderungen und Wünschen aus der Museums-Community an Personennormdaten

Credit: BSZ/MusIS 2019, CC BY-SA 4.0

 

 

 

 

 

 

 

Es ist vollbracht. Nach der GND-Ausschusssitzung am 06. November ging tagsdrauf der Twitterhandle "@gndnet" online. Momentan twittern hier Kollegen der Arbeitsstelle für Standardisierung (vornehmlich Fischer, Barbara).  Wir wollen das Twitterhandle nutzen, um auch auf diesem Kanal mit Institutionen und Menschen in Kontakt zu kommen, die sich für die Öffnung der GND und für das Projekt "GND für Kulturdaten" interessieren. 

Kleine Einführung in Twitter

Das erste Anliegen für einen neuen Twitter-User ist es, Follower für die Verbesserung der Reichweite zu gewinnen. Dies geschieht einmal, indem andere Twitteruser wie @ddbkultur; @DNB_Aktuelles; @LandesarchivBW  et al. ihrerseits auf diesen neuen User hinweisen. Das geht natürlich gut, wenn man einander schon über andere Kanäle kennt. -  Danke an alle für die positive Aufnahme. -  Zudem nutzt man Hashtags (#), um sich in den mit diesem Hashtag gekennzeichneten Debatten als neuer Diskutant einzubringen. Dem naheliegenden hashtag #GND fehlt leider die eindeutige Setzung auf die Gemeinsame Normdatei, zumal im internationalen Kontext, indem man sich immer auch bewegt. Dasselbe gilt auch für #LOD für Linked Open Data. In der Anfangsphase werde ich daher vor allem die hashtags #GNDCon und #GND4C nutzen, wie es auch schon die Kollegen tun. Zur #GNDCon selbst werden wir dann verstärkt auch den #GND als Ausdruck für "Gemeinsame Normdatei" vermitteln können.

In den ersten Tagen hat @gndnet bereits über 300 Follower gewonnen. Twitter ist eine Publikationsplattform für kurze Nachrichten, Kommentare und Ansichten. Follower sind in diesem Umfeld Abonnenten für die Nachrichten / Tweets eines bestimmten Twitter-Users. Twitter ist zugleich eine Dialog-Plattform. Daher wird Interaktion mit den anderen Usern auf Twitter durch "Likes"; "Retweets" und neue Follower "belohnt". Aufmerksamkeit ist DIE Währung auch bei Twitter. Aufmerksamkeit wecken durch Witz, Visuals vor allem aber durch relevante Beiträge, wie Hinweise zu nützlichen Informationen im Netz (links), Bereitstellen von Hintergrundinformation und schließlich Offenheit sowie die Bereitschaft zum Dialog entsprechen der Twitter-Etikette.

Fehler sind möglich

Seule ceux qui ne font rien, ne font aucune erreur, sagt man in Frankreich. Twitter ist ein schnelles Medium. Twitter gewinnt durch den spontanen Austausch der Twitteruser untereinander. Ein Twitter-Account einer Institution oder im Fall der GND von Partnern, das zudem nicht nur von einer Person "bespielt" wird, ist immer ein Akt des gegenseitigen Vertrauens und die Bereitschaft füreinander einzustehen, selbst wenn man persönlich vielleicht etwas anders gemacht hätte. Das heißt, natürlich werden wir über den einen oder anderen Tweet im Team diskutieren, oder von anderen für eine Aussage kritisiert werden. Ich bin zuversichtlich, dass es uns stets gelingt, dabei nicht aus dem Blick zu verlieren, was unser Anliegen ist: Mit Menschen und Institutionen in den Austausch über eine offenere Gemeinsame Normdatei zu kommen. Solange @gndnet diese Botschaft authentisch vermittelt, wird man uns auch Fehler nachsehen.