Blog-Eintrag

Die Archivwelt macht mit
Die Dokumentation zum 6. GND-Forum Archiv 
ein Beitrag von Renz, Johannes für die IG Archiv


Unter dem Motto „Mitmachen“ fand am Montag, den 16. März 2026 das nunmehr 6. GND-Forum statt. Mit bis zu 101 zugeschalteten Personen blieb die Anzahl der Teilnehmenden weitgehend stabil. Im Organisationsteam waren Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsstelle für Standardisierung an der DNB, dem Bundesarchiv, dem Hessischen Landesarchiv, der Staatlichen Archive Bayerns, dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, dem Bundesarchiv, dem Landesarchiv Baden-Württemberg mit der dort angesiedelten GND-Agentur LEO-BW-Regional, dem Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt, der Universität Hohenheim und der Technischen Universität Dortmund vertreten.

Dr. Patrick Leiske (Landesarchiv Baden-Württemberg) und Dr. des. Johannes Haslauer (Staatsarchiv Bamberg) begrüßten die Teilnehmenden, stellten den Programmablauf kurz vor und gaben organisatorische Hinweise.

Das Programm. Zum Vergrößern bitte draufklicken



1. Neuigkeiten aus dem GND Kontext 

Barbara Fischer von der Deutschen Nationalbibliothek berichtete über die seit April 2025 erfolgten Neuerungen. Eine Momentaufnahme am Tag der Veranstaltung ergab eine Anzahl von inzwischen 10.239.824 Datensätzen in der GND. Auch auf der GND-Webseite gibt es einige neue Inhalte. So wurde etwa die Startseite aktualisiert, neue Partner gewonnen, die Infothek nach der Anregung des 5. GND Forum Archiv nach thematischen Zugängen neu geordnet und mit neuen Inhalten ergänzt. Auch die GND Dokumentation  mit ihren Regeln zur Erfassung von GND Entitäten ist jetzt über die GND Website erreichbar. 14 neue Blogbeiträge zu diversen Aktivitäten rund um die GND wurden verfasst. Der GND-Explorer befindet sich inzwischen mit Version 2.1 im Produktivsystem. Die Vernetzung zu anderen Datenportalen wie Wikidata wurde verstärkt. Neu hinzu kam auch eine DDC-Klassifizierung. Ab April 2026 soll Version 2.2 mit einem Verzeichnis der Nutzung von GND IDs durch externe Partner (z. B. Beacon Dateien) bereitstehen. Über den GND-SPARQL-Endpoint sind die Ergebnisse der Suche auch maschinell auslesbar und nutzbar.
Für den Veranstaltungsbereich haben sich die GND-Foren als Dialogräume für Communities etabliert. Seit dem 5. GND-Forum im April 2025 haben ein Workshop der IG Archiv zum Thema Schulung (Dokumentation) sowie ein projektübergreifendes Treffen der neuen Agenturen (Dokumentation) stattgefunden. Die IG Museen hat zwei Workshops zur GND-Dokumentation ausgerichtet. Für Juni 2026 ist ein GND-Forum Humanities @NFDI geplant. Die bereits lange geplante Onlinestellung der GND-Dokumentation mit den Regeln für Akteure (Personen, Familien, Körperschaften, Konferenzen und Gebietskörperschaften) und Geografika konnte realisiert werden. Im Zuge der Verstetigungsmaßnahmen konnte die neue und überregional tätige GND-Agentur „Bauwerke“ (Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte, Bildarchiv Foto Marburg) in den Dauerbetrieb übergehen. Die regionale Agentur für Archive in Berlin und Brandenburg am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Fokus auf Personen, Körperschaften und Geografika) nahm den Pilotbetrieb auf. Etliche Fachinformationsdienste bieten Beratung und Normdaten on demand an und bilden seit kurzem eine eigene Interessengruppe. Im Ausblick wurde abschließend der neue partizipative Datenraum GNDplus vorgestellt. Es soll ein Inkubator (neue Entitäten anlegen, diskutieren und zur Aufnahme in die GND vorschlagen), ein Feedback-Dienst (Änderungsvorschläge für bestehende GND-Entitäten anlegen) und ein Anreicherungsdienst (Zusatzinformationen zu Entitäten anlegen) entstehen. In Zukunft soll auch das Thema "GND und KI" vermehrt in den Fokus genommen werden. Durch den Abgleich mit der GND soll es in generativen KI-Anwendungen weniger Gefährdung durch das "Halluzinieren" von Information geben. Ein Überblick über die wachsende GND-Community machte deutlich: Die GND wird vielfältiger, umfassender, diverser, vernetzter und damit attraktiver und resilienter für Archive, Bibliotheken, Museen, Verwaltungen und die „Künstliche Intelligenz“.

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2. Bericht aus den AGs 

Andrea Langner, Hessischen Landesarchiv, berichtete über die Aktivitäten der einzelnen Arbeitsgruppen. Die Arbeit sowohl der AG Tools und Technik als auch der AG Wissensvermittlung ruhen derzeit. Bisherige Arbeitsergebnisse sind eine Handreichung zu Tools und Technik, den Umgang mit den einzelnen AFISsen und zu Einsatzmöglichkeiten der GND im Archiv. Geplant ist hierfür auch eine englische Version. Im Rahmen einer möglichen Reaktivierung der AG Tools und Technik wäre z. B. die Einrichtung eines Gesprächsforums denkbar.

Die AG Archivische Erschließung mit der GND befindet sich weiterhin im Austausch rund um die Erschließung mit Normdaten. Veröffentlicht wurde bisher ein Positionspapier zum Einsatz von GND-Normdaten im Archiv (archivische Relevanzkriterien). Die offenen Sitzungen finden 1-2 Mal jährlich statt. Zuletzt wurde die Arbeit mit Normdaten in verschiedenen AFISsen thematisiert (ActaPro, Augias, Arcinsys, ausstehend u. a. ScopeArchiv) thematisiert. Die nächste Sitzung findet am 22. Mai 2026 statt.

Im zweiten Teil gab Dr. Mirjam Sprau, Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt, einen Überblick über die künftige Strategie der IG Archiv. Es gibt bereits mehrere Ideen für neue Formate und Inhalte. So plant die AG Erschließung ein neues Stammtischformat und die Einrichtung einer Unterarbeitsgruppe Standardisierung, die AG Information und Wissensvermittlung eine neue Handreichung zur Kommunikation („Wie überzeuge ich meine(n) Chef(in)?“).

Abschließend wurde eine Umfrage über die weitere Beteiligung an der IG Archiv durchgeführt. Für eine Beteiligung an der UAG Standardisierung meldeten sich 28 Personen, für die Beteiligung an der neuen Handreichung 15 Personen. Für letztere wird noch ein(e) Koordinator(in) gesucht.

3. Vom Mitmachen (Vortragsblock)

Der Hauptteil des 6. GND-Forums bot insgesamt vier Impulsvorträge. Sie alle vereinte die Perspektive des Mitmachens, also selbst GND-Datensätze anlegen, mit unterschiedlichen Mitteln.


Einsteigen in die Normdatenarbeit in Kooperation mit einer Bibliothek

Im ersten Vortrag berichtete Michael Franke-Maier von der Freien Universität Berlin über ein Einstiegsprojekt in die Erschließung mit Normdaten in Kooperation mit einer großen Bibliothek. Unter dem Motto „Together We Create“ entstand eine Kooperation der FU mit der Bayerischen Staatsbibliothek bzw. dem Bibliotheksverbund Bayern (KOBV). Das Projekt konnte damit auf das Know-how einer GND-Agentur und mehrerer dezentraler GND-Redaktionen zurückgreifen. Wichtig für den Gesamtworkflow ist die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Formalerschließung. Während die Formalerschließung auch durch Lokalredaktionen erfolgen konnte, wurde die Inhaltserschließung von den größeren beteiligten Einrichtungen durchgeführt. Die FU Berlin übernahm hierbei einen Teilbestand, während die Bayerische Staatsbibliothek als GND-Redaktion für die Entitäten Personen, Körperschaften und Geografika zuständig war. Die Redaktion für Sachbegriffe und anonyme Werke übernahm wiederum die Universität Augsburg. Neben der Neuerfassung von GND-Entitäten auf Level 1 sah das Projekt auch die Mitarbeit in GND-Gremien, Regelwerksschulungen und Beratung vor. Es gab eine umfangreiche Zusammenarbeit mit den KOBV-Bibliotheken, die mit der GND arbeiten, mit verschiedenen Fachinformationsdiensten (Sozial- und Kulturanthropologie an der HU Berlin, Anglo-American Culture & History an der FU Berlin und Gender an der HU Berlin) und weiteren Forschungseinrichtungen, z. B. der Baltisch Historischen Kommission, die sich durch eine große Expertise über Adelsfamilien auszeichnet. Insgesamt kann das Projekt für die Jahre 2024 und 2025 über 700 Neuansetzungen oder Uprades in der GND in den Entitäten Personen, Konferenzen, Geografika, Werke, Körperschaften und Sachbegriffe aufweisen. Für die Zusammenarbeit mit der Lokalredaktion Sacherschließung, den Fachinformationsdiensten und dem Projekt „Critical Library Perspectives“ wurden feste Workflows vereinbart. Eine länger andauernde Diskussion ging z. B. der Ansetzung des Sachbegriffs „Gender“ in der GND voraus, der im Februar 2024 realisiert wurde. Weitere GND-Einträge mit Genderbezug für in diesem Zusammenhang werden überarbeitet.

In seinem Fazit stellte der Referent fest, dass Bibliotheken - abhängig von Personalkapazitäten – immer für eine Kooperation offen waren und auch unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit möglich waren. Metadaten (und Normdaten) erweisen sich letztlich als Schlüssel für den Zugang zu Wissen (DBV-Positionspapier vom Dezember 2025). Die GND lebt von der Kooperation und entwickelt sich täglich weiter. 

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Notizen aus der Breakout Session

In der ersten Breakoutsession zum Vortrag von Michael Franke-Meier wurde deutlich, dass die Unterschiedlichkeit der erfassten Entitäten, aber auch die Workflows in den Partnereinrichtungen die Arbeit der GND-Agentur abwechslungsreich gestalten. Eine Herausforderung ist etwa auch die Anlage fiktiver - etwa literarischer – Personen als Entität, weil Personendatensätze etwas keinen „Creator“ vorsehen. Auch lasse sich die Realität nicht immer normieren – beispielsweise werden nordamerikanische Reservate als Geografika angelegt, müssten aber ggf. eine Gebietskörperschaft sein. In der Community der Critical Libraries werden auch diskriminierende Begriffe diskutiert. Die Ansetzung von Normdaten muss auch insgesamt durch Diskussionen mit anderen (Fach-) Communities, etwa Archiven, weiterentwickelt werden. So gibt es etwa eine von Bibliotheken und Archiven gemeinsam geführte Diskussion zur Weiterentwicklung der Ansetzung von Ghettos zur Zeit des Nationalsozialismus, jedoch ohne Blaupause oder Erfahrung der Zusammenarbeit mit den bisher unterschiedlichen Erschließungskulturen. Es stellte sich auch die Frage nach Möglichkeiten der Normierung und Standardisierung in der archivischen Erschließung, der besonders nachdrücklich von der technischen Seite gefordert wird.

Kultur.Gut.Normieren mit den GND-Webformularen

Im zweiten Vortrag stellte Jens M. Lill vom Bibliotheksservicezentrum Konstanz die von der DNB bereitgestellten GND-Webformulare zur Eingabe von Personen und Körperschaften vor. Durch ihre einfache, bequeme und direkte Nutzbarkeit bieten sie einen niederschwelligen Zugang zur produktiven Neuansetzung von GND-Datensätzen. Sie zeichnen sich durch ein einfaches Design und intuitive Bedienbarkeit ohne Regelwerkskenntnisse aus, was sie für nicht-bibliothekarische Anwender*innen leicht nutzbar macht. Die abgespeicherten Eingaben landen unmittelbar in der GND und können sofort nachgenutzt werden. Gleichzeitig findet ein einfacher Dublettencheck statt. Möglich sind sowohl eine Neueingabe als auch eine Ergänzung von bereits vorhandenen Datensätzen. Nicht möglich ist allerdings die Zusammenführung von Dubletten, die dann in der redaktionellen Bearbeitung jeweils miteinander verlinkt werden. Hinweise oder Korrekturwünsche können über eine Korrekturanfrage bei der DNB hinterlegt oder bei der zuständigen GND-Agentur eingebracht werden. Voraussetzung für die Nutzung der GND-Webformulare ist die Registrierung bei der DNB fürs Log-in, ein sog. ISIL (International Standard Identifier for Libraries and Related Organizations) und die redaktionelle Betreuung durch eine GND-Agentur oder Bibliothek. Die GND-Agentur LEO-BW-Regional bietet außerdem regelmäßig Schulungen an. Inzwischen ist auch eine Agenturhandreichung für das Webformular vorhanden. Wichtig für die Eingabe neuer Datensätze sind auch die Beachtung der Eignungskriterien, ein berechtigter Bedarf, eine freie CC0-Lizenz, verlässliche Quellenangaben und Regelkonformität.

In seinem Fazit betonte der Referent die durchweg positiven Erfahrungswerte mit den bislang ca. 5500 neu eingebrachten Datensätzen. Zu den bisher vorhandenen Webformularen für Personen und Körperschaften/Organisationen soll noch 2026 ein Webformular für Gebietskörperschaften in dem Entitätstyp Geografika hinzukommen.

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Zusammenfassung der Breakout Session

In der zweiten Breakoutsession führte Jens M. Lill die Webformulare für Personen und Körperschaften anhand von Produktivdatensätzen vor (bzw. wurden auch neue Personendatensätze angelegt) und beantwortete Rückfragen aus dem Kreis der Teilnehmenden. Seitens der GND-Agentur LEO-BW-Regional besteht ein Angebot von 2 Schulungen im Jahr für Kultureinrichtungen aus Baden-Württemberg. Die nächste wird voraussichtlich im November/Dezember 2026 stattfinden.

Außerdem wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken beleuchtet und folgende Erfahrungen geäußert: Die gemeinsame Arbeit der GND-Agentur wird durch die Zusammenarbeit besonders abwechslungsreich, Neuerungen und Weiterentwicklungen in der Normdaten-Arbeit werden angestoßen, die eigene Arbeitsweise bereichert. Als aktuelles Beispiel dafür kann die Arbeit an der Ansetzung von Normdaten für NS-Ghettos dienen. Der Druck zur Standardisierung, der durch die technische Bedingtheit entsteht, wird auf archivischer Seite mitunter als Herausforderung wahrgenommen und zeigt unterschiedliche Erschließungstraditionen auf.

Data Literacy und GND-Referenzierung – praktische Erfahrungen aus dem Staatsarchiv Bamberg

Der dritte Vortrag "Data-Literacy und GND-Referenzierung am Staatsarchiv Bamberg " von Maximilian Stimpert war ein Fortsetzungsbericht basierend auf dem Projekt „Hands-on Normdaten!“, vom dem bereits beim 4. GND-Forum im September 2024 berichtet wurde. Data Literacy, d. h. Datenkompetenz (Daten lesen, erheben und verstehen) stellt ein zentrales Gebiet für Archivar*innen dar. Einzelne Themenfelder sind die Erschließung, die Bereitstellung von Informationen in Findmitteln und die Normdatenarbeit als Tool zur Sicherung der Datenqualität. Als Praxisbeispiel wurde die Einbindung von Personennormdaten ins AFIS aufgezeigt. Dabei kamen die Entitäten Ortsnamen, Personennamen und Sachbegriffe zum Einsatz. Im Zuge des Projekts gab hatte es eine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek und der GND-Agentur Bayerische Staatsbibliothek/Bibliotheksverbund Bayern gegeben.  Die in den Erschließungsdaten vorhandenen Metadaten über Personen – beispielweise Angaben über Geschlecht, Beruf, Wirkungsort und Wirkungsdatum – stellen in der Regel eine gute Grundlage dar, um neue GND-Datensätze anzulegen. Als Beispiel führte der Referent den Wirkungskreis eines Bamberger Domkanonikers und der mit ihm verbundenen Personen, Orte und Körperschaften aus. Bei einer Bearbeitungsdauer von vier Wochen konnten insgesamt zwei Archivbestände, 685 Verzeichnungseinheiten und 761 Entitäten bearbeitet sowie 324 GND-Datensätze eingebunden werden. In seinem Fazit stellte er kurz und knapp fest: Mitmachen lohnt sich!

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Angeregte Diskussion in der Breakout Session

Die dritte Breakoutsession widmete sich dem Impulsvortrag von Maximilian Stimpert. Es wurde über die Frage gesprochen, wie man am besten die Metadaten vorhält, die zur Anlage neuer benötigter Datensätze in der GND dienen können. Herr Stimpert berichtete, dass dies beim Staatsarchiv Bamberg bislang parallel in einer Excel-Tabelle in entsprechend strukturierter Form erfolge. Herr Haslauer wies auf den Beispielworkflow für den Import von Personendatensätzen in die GND hin, den das Staatsarchiv Bamberg zusammen mit den GND-Agenturen BSB/BVB und Text+ (SUB Göttingen) zur Nachnutzung entwickelt hat (siehe Beschreibung und Links in der IG-Handreichung "Tipps & Tricks für die erfolgreiche Nutzung von Tools zum Einsatz der GND im Archiv", Abschnitt IV 3).
Der Erfahrungsaustausch über den GND-Abgleich anhand der lobid-gnd-Schnittstelle in OpenRefine sowie über die ins AFIS implementierte SRU-Schnittstelle zeigte, dass die automatisierte Vorgehensweise zwar bei bestimmten Szenarien vorteilhaft genutzt werden kann (v.a. bei vielen gleichen Entitäten in den Datensätzen), darüber hinaus aber an Grenzen stoße, sodass immer noch in größerem Maß intellektuelle, händische Arbeiten erforderlich sind. Daher gingen mit dieser Qualitätssicherung nicht unerhebliche Aufwände einher. Je eindeutiger bzw. besser strukturiert die Daten jedoch vorliegen, desto besser funktioniere der Abgleich. Betont wurde die Bedeutsamkeit, auch Körperschaften mit der GND zu verknüpfen, da sich hiermit Bestands- bzw. Provenienzbildner abbilden lassen. Ob die empfehlenswerte Verknüpfung von GND-IDs auf Bestandsebene möglich ist, ist jedoch vom eingesetzten AFIS abhängig. Grundsätzlich ist beispielsweise die Möglichkeit zur Einbindung von Körperschafts-GND-Datensätzen in die VZEs bei den Staatlichen Archiven Bayerns in Planung.
Festgehalten wurde auch, dass eine Weiterentwicklung der AFIS-Systeme vor allem in zwei Richtungen wünschenswert wäre. Dies beziehe sich einerseits auf möglichst flexible und zielführende Abgleichfunktionen (Abgleich über mehrere Felder), so dass ein aufwändiger Ex- und Import der Daten zur Bearbeitung mit Tools außerhalb des AFIS überflüssig werde. Zum anderen gehe es um die Bereitstellung von Export-Workflows, mit denen Metadaten über die Entitäten beispielsweise in einem Thesaurus strukturiert erfasst und anschließend automatisiert im MARC-Format der GND zugeführt werden können.
Unstrittig waren die Aufwände, die mit der Aufnahme von Entitäten einhergehen, etwa mit der Erfassung mehrerer Personen (z.B. Korrespondenzpartnern) je Verzeichnungseinheit. Betont wurde aber auch, dass die GND-Referenzierung gerade im Archivportal-d die Aufmerksamkeit und die Reichweite steigere. Im Hinblick auf die strategische Ausrichtung von Archiven trage die GND-Nutzung bei der Erschließung zu erhöhter Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und Interoperabilität der Daten bei sowie auch zu deren Qualität und zur automatisierten Nachnutzbarkeit etwa durch die Digital Humanities, die auf qualitativ hochwertige Daten angewiesen seien. Datenbereinigung und Homogenisierung seien daher wichtige Arbeitsziele für die Archive. Inwiefern eine KI-gestützte Entitätenerkennung und Verlinkung mit der GND in der Zukunft zuverlässig möglich sein wird, bleibt abzuwarten.

GNDplus 

Den Abschluss des Blocks bildete der Vortrag von Sarah Hartmann, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle für Standardisierung, über das neue Angebot GNDplus, welches aus dem Arbeitstitel „GND Community Space“ hervorging. Grundidee war es einen Datenraum zur Verfügung zu stellen, in welchem die „offizielle“ GND um weitere Funktionen ergänzt werden kann. Die Abspeicherung der von Nutzer*innen generierten Daten soll (zunächst) in einer separaten Datenbank erfolgen. Dadurch kann eine größere Community aktiv zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Datenbestands beitragen. Mögliche Schwellen für den Einstieg in die GND sollen dabei gesenkt, eine aktive Mitarbeit vereinfacht werden. Der Datenraum wird mit einer Durchlässigkeit zur GND ausgestaltet, was eine spätere Übernahme von GND Plus-Daten in die „offizielle“ GND ermöglichen soll. Grundfunktionen sind ein Anreicherungsdienst für zusätzliche Informationen, ein Inkubator zur Erfassung/Diskussion neuer Entitäten und ein Feedback-Dienst für Änderungsvorschläge. Zielgruppe sind alle Gedächtnisinstitutionen, eine aktive Einbindung der Community das Ziel. Weitere Entwicklungsschritte sind abhängig vom Bedarf der Communities und der Finanzierungsmöglichkeiten geplant. Der Service wird schrittweise durch Teilprojekte weiterentwickelt. In einem Testrelease, der noch für das 1. Halbjahr 2026 geplant ist, soll die Anreicherung mit dem Schwerpunkt Geokoordinaten erprobt werden. Mögliche Use Cases sind die Anreicherung mit zusätzlichen Identifikatoren, Bilddateien oder Provenienzmerkmalen.

Auch in GNDplus muss darauf geachtet werden, dass keine Dubletten in der GND entstehen. Es können vorhandene Daten der offiziellen GND über den Identifier (ID-Nummer) geladen und danach können in GNDplus Ergänzungen wie z. B. Anreicherung mit Geokoordinaten, vorgenommen werden. In der ersten Phase von GNDplus geht es um Anreicherungen von vorhandenen Entitäten der GND. In einer weiteren Phase sollen dann auch Ergänzungen zu GND-Datensätzen und das Anlegen von neuen Entitäten möglich sein. Ebenso können Vorschläge auch wieder zurückgezogen werden. Der Identifikator bleibt in diesem Fall aber bestehen und erhält einen Hinweis, dass die Daten gelöscht wurden. Die Anzeige der Metadaten soll im GND-Explorer, gekennzeichnet als Community-Daten, erfolgen. Geplant ist auch eine API-Abfrage über das JSON-Format.

 


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Notizen aus der Breakout Session

Die vierte Breakoutsession nutzten viele der Teilnehmenden um sich über den künftigen Dienst GNDplus tiefergehend zu informieren. Die Referentin Sarah Hartmann betonte nochmals, dass Ergänzungen und neu vorgeschlagene Entitäten in GNDplus zwar in einer eigenen Datenbank liegen, aber über den GND Explorer angezeigt werden. Es wurde angeregt, dass die Daten aus GNDPlus auch in LOBID eingebunden werden sollten. Vorgeschlagene Entitäten oder Korrekturen können, wenn sie den Regeln entsprechen und die technischen Möglichkeiten vorliegen, später in die GND übernommen werden. Nicht in allen Fällen wird dies allerdings möglich sein, z. B. weil das Format der GND dies nicht zulässt. Die Übernahme in die GND soll über ein redaktionelles Verfahren gesteuert werden. Beim Anlegen eines neuen Datensatzes in GNDplus wird sofort ein Persistent Identifier vergeben, der auch direkt zurück geliefert wird. Identifier von Entitäten, die nicht mehr gültig sind (z.B. bei Umlenkungen oder Zusammenlegung von Dubletten), bleiben erhalten bzw. es wird dokumentiert, dass diese nicht mehr verwendet werden. Weitere Anwendungsmöglichkeiten für GNDplus können etwa akademische Jahresfeiern als Veranstaltungen oder aber generell als Sachbegriff sein. Auch im Bereich GNDPlus bedarf es einer Registrierung und der Kooperation mit einer Redaktion/Agentur, die langfristig die Pflege der Daten gewährleistet. Sie entscheidet auch über die Übernahme eines Datensatzes. In GNDplus kann auch kooperativ an einem Datensatz gearbeitet werden. Dies ist ein Vorteil, wenn in einer Institution nicht genügend Merkmale (Metadaten zu der jeweiligen Entität) für einen vollständigen Datensatz vorliegen. Es könnte dann z. B. eine andere Institution weitere Merkmale (Metadaten) ergänzen. Historische Geokoordinaten können auch, entsprechend gekennzeichnet, ergänzt werden.

In GNDplus wird kein allumfassende neues Datenmodell für alle community-spezifischen Metadaten verwendet, sondern es werden für bestimmte Anwendungskontexte konkrete Lösungen für spezifische Bedarfe, z. B. für ergänzende Merkmale, die nicht in der GND vorgehalten werden können, gefunden.

Die Infografik zeigt das Aufgabenspektrum einer GND-Agentur. Sie diente als Hintergrund für die Podiumsdiskussion. Bildnachweis: Kett (DNB), 2024, CC BY SA. Zum Vergrößern bitte draufklicken

4. Podiumsdiskussion „Wir sind eine Agentur“- Anforderungen und Erfahrungen

Unter der Moderation von Frau Dr. Mirjam Sprau berichteten mehrere für unterschiedliche Agenturen tätige Personen über ihre Erfahrungen. Es wurde eine Infografik (nebenstehend) mit den verschiedenen Agenturaufgaben gezeigt und daraus folgende Leitfragen generiert: Welche Agenturaufgaben machen am meisten Spaß? Was trägt die Agentur? Wo ist sie angesiedelt? Wie lange besteht sie schon? Was sind Arbeitsschwerpunkte, Ziele oder mögliche künftige Arbeitsbereiche?

Dr. Patrick Leiske und Jens Lill von der Agentur LEO-BW regional hoben dabei die Öffentlichkeits- und Communityarbeit, den Austausch, die Redaktionsarbeit und die Schulungen als wichtige Aufgaben hervor, die auch einen gewissen Spaßfaktor beinhalten. Die Agentur ist an das vom Landesarchiv Baden-Württemberg verantwortete Portal LEO-BW angedockt. Die Protoagentur Musis war in Form einer Fachredaktion bereits vorhanden. In der Einstiegsphase ist ein bibliothekarischer Tandempartner auf jeden Fall von Vorteil. Für die Finanzierung stünden leider nur Bordmittel zur Verfügung, so dass die Agentur trotz ihrer Etablierung seit mehreren Jahren nach wie vor in Nebenarbeit als Zwei-Mann-Betrieb mit redaktioneller Unterstützung durch zwei weitere Personen betrieben werden muss. Der Arbeitsalltag ist geprägt vom Redaktionsarbeit als Tagesgeschäft, der Mitorganisation der GND-Foren, der Mitarbeit im GND-Ausschuss, der Regelwerksarbeit (z. B. für NS-Ghettos) und automatisierten GND-Einspielungen für das Wiedergutmachungsprojekt. Als künftige Aufgaben wären ein informeller Austausch zwischen den einzelnen Agenturen und regelmäßige Lobbyarbeit denkbar.

Gudrun Hoinkis von der GND-Agentur Berlin-Brandenburg benannte die Redaktion von Personennormdaten im bibliothekarischen Bereich, aber auch anderer Entitäten und die Arbeit mit verschiedenen Projektpartnern als diejenigen Aufgaben, die ihr am meisten Freude bereiten. Auch ihre Agentur wird nicht in Vollzeit betreut. Es ist vielmehr ein Stellenanteil für die Arbeit in der Agentur reserviert. Sie wurde im Jahr 2024 gegründet und hatte anfangs vier, jetzt nur noch drei Mitarbeitende. Es wird derzeit mit drei Archiven zusammengearbeitet, die Dateneingabe erfolgt dort über die GND-Webformulare. Außerdem werden Redaktionsarbeiten geleistet. Häufigste Aufgaben sind Redaktion, Qualitätssicherung und die Abgleichung eingereichter Listen mit OpenRefine. Für die Zukunft erhofft sie sich mehr Körperschaften für die GND, für die bisher wenig Bedarfe gemeldet wurden und mehr Communityarbeit.

Abschließend berichtete Dr. Anne Purschwitz von der geplanten GND-Agentur der Geschichtswissenschaften. Grundlage ist das Projekt NFDI4Memory, dessen erste Förderungsphase von fünf Jahren zur Hälfte geschafft ist. Ihre Agentur befindet sich derzeit in Gründung. Es erfolgt bereits jetzt Beratung und Support kleiner Projekte, aber auch Aufklärungsarbeit. Derzeit sind (in Teilzeit) fünf Kolleg*innen und ein Bibliothekar für Schulungen beschäftigt, wünschenswert seien allerdings zwei dauerhafte Personalstellen. Deren Finanzierung ist bisher aber ungeklärt. Mehr Klarheit soll die Ermittlung von GND-Bedarfen bei Historiker*innen, in Archiven, Citizen Sciences etc. bringen. Ziele der Agentur sind die bessere Verknüpfung historischer Ressourcen, eine gemeinsame Nutzung und Pflege von Normdaten, sowie die Priorisierung der Ansetzungen. Bisher sei die Redaktionsarbeit aber noch nicht produktiv. Es besteht vielmehr eine Sammlung von Informationen zu künftigen GND-Datensätzen. Wichtig für die Zukunft wäre daher ein Überblick, wer alles in GND-Projekten arbeitet, eine Verknüpfung von Informationen, Sammlung und Abgleich lebender Forschungsdaten und ein gegenseitiges Sichtbarmachen von Projekten. Eine Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives und dem Buchenwald-Projekt soll den Zugang zu Ressourcen erleichtern.

Abschließend betonte Dr. Mirjam Sprau, dass Agenturen nicht die Rollen von Gatekeepern, sondern von Vermittlern hätten. Außerdem müssen sich die technischen Voraussetzungen für die Arbeit mit der GND verbessern, wobei auch die Softwareanbieter gefordert seien. Hierfür müsse auch die Kommunikation zwischen Anwendern und Entwicklern verbessert werden. Außerdem rief sie zur Kontaktaufnahme mit den Agenturen auf.

5. Resümee und Ausblick

In ihrem Schlussstatement betonte Dr. Stephanie Marra von der TU Dortmund, dass die Zusammenarbeit in der GND-Community zwar komplex, aber wirkungsvoll sei. Sie regte die Weiterentwicklung hilfreicher Werkzeuge wie der Webformulare, des GND-Explorers oder GNDplus an und wünscht sich weiterhin ein kontinuierliches Wachstum der GND-Community. Immer wieder entstehen neue Fachinformationsdienste und neue Entitäten. Anlässlich des 6. GND-Forums wurde nun erstmalig eine Podiumsdiskussion als vielversprechendes neues Format durchgeführt. Sie rief Neueinsteiger*innen auf, künftig mitzumachen und persönliche Belange einzubringen und wies abschließend auf kommende Veranstaltungen, namentlich die Sitzungen der AG archivische Erschließung und der Agentur Standardisierung, den Deutschen Archivtag in Hof und den SODa-Selbstlernkurs Open Refine hin.

Die abschließende Umfrage bestätigte das Orga-Team bei ihren Planungen für ein 7. GND-Forum - das Interesse ist weiterhin rege! Verschiedene Themenvorschläge wurden bereits geäußert -  „Überzeugen!“, „Motivieren!“, „Infrastrukturieren!“ oder „Steter Tropfen…“. Das Orga-Team nimmt die Rückmeldungen für das 6. und die Vorschläge für das 7. Forum in ihre weiteren Teamsitzungen mit und wird auch überlegen, ob das nächste Forum einmal wieder in Präsenz stattfinden kann. Über neue Gesichter im Orga-Team (egal aus welcher Archivgutsparte, egal aus welcher institutionellen Rolle heraus) freuen wir uns sehr. Nehmt bei Interesse einfach Kontakt mit uns auf!

Die Veranstalter des 6. GND Forums "Mitmachen!":

In den folgenden Monaten möchten wir an dieser Stelle die unterschiedlichen Agenturen im GND Netzwerk mit Fokus auf ihre Besonderheiten vorstellen. Den Anfang macht die schweizer GND-Agentur SLSP. 

Ein Beitrag von Hans Schürmann, Vertreter der Agentur im GND-Ausschuss


Die GND-Agentur SLSP mit verteilten Redaktionen

Die Swiss Library Service Plattform AG (SLSP) ist eine junge Einrichtung. Ende 2020 sind die von SLSP betriebenen Systeme Alma, Primo VE u.a. produktiv gegangen und lösten damit die Aleph-Systeme des Informationsverbundes Deutschschweiz (IDS) ab. Der IDS war strukturell eine Koordination von IDS-Teilverbünden, die einen gemeinsam verwalteten GND-Spiegel pflegten, während die bibliographischen Daten in ihren je eigenen Aleph-Systemen gehalten wurden. Mit SLSP hat sich die Situation systemtechnisch massgeblich vereinfacht. Die GND ist in der Community Zone in Alma zentral verwaltet und die bibliographischen Daten werden in der Network Zone in Alma von SLSP als ein Einheitskatalog gepflegt. Alma ist der primäre Zugang zu den bibliographischen und den GND-Daten. So überzeugend die technische Vereinfachung in der Arbeit mit der GND in Alma war, so komplex stellte sich die Implementierung letztendlich heraus. Aufbauend auf der Pionierarbeit des Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH (OBVSG) hat die Alma GND-Anwendergruppe (AGA) der Deutschsprachige Ex-Libris-Anwendergruppe (DACHELA) gemeinsam mit der DNB und Clarivate / Ex Libris die Systemarchitektur laufend verbessert, so dass wir heute eine funktionierende Umgebung haben.

Damit waren die organisatorischen Herausforderungen für die GND-Agentur SLSP noch nicht gelöst. Es war von Anfang an klar, dass SLSP als Servicedienstleisterin der technischen Infrastruktur für die Bibliotheken als einzige als GND-Agentur in Frage kam. Gleichzeitig hatte SLSP nicht die Ressourcen, in der GND-Agentur SLSP die Redaktionsarbeit selbst zu leisten. SLSP stand also vor der Frage, wie eine GND-Agentur mit ihren Rechten und Pflichten betrieben werden kann, ohne überhaupt irgendeine GND-Redaktion zu haben. Die Lösung bestand darin, dass SLSP den Expert Pool GND Editorial Board ins Leben gerufen hat, bestehend aus Personen aus den Bibliotheken, die in ihren Bibliotheksnetzwerken, die in Alma als Institution Zones (IZ) repräsentiert sind, die Redaktionsarbeit organisieren und die konkreten Aufgaben erledigen. Im Expert Pool GND Editorial Board sind die Redaktionen der IZs Region Zentralschweiz, Universitätsbibliothek Basel, Universitätsbibliothek Bern, Aargauer Bibliotheksnetzwerk, Universitätsbibliothek St. Gallen, Zentralbibliothek Zürich und ETH Zürich vertreten. Diese sieben IZs betreuen insgesamt mehr als 300 mit der GND arbeitende Institutionen.

Nicht jede Bibliothek, die mit der GND arbeitet, ist in einer IZ mit GND-Redaktion. Der Expert Pool GND Editorial Board hat dafür gesorgt, dass diese Bibliotheken Anschluss an eine Redaktion finden. Dabei ist es der GND-Redaktion selbst überlassen, mit der GND-nutzenden Bibliothek eine Vereinbarung abzuschliessen, die den Aufwand für die Betreuung regelt. Die Rechte und Pflichten sowie die Aufwandabschätzung haben der Expert Pool GND Editorial Board festgelegt. Ob die Leistungen der Redaktion kostenpflichtig sind, bleibt in der Entscheidung der Redaktion, ebenso die Höhe der Abgeltung, abhängig von der jeweiligen Kostenstruktur der Redaktion. So konnte zum Beispiel die IZ Zentralbibliothek Solothurn über die GND-Redaktion der IZ Universitätsbibliothek Bern an die GND-Agentur angeschlossen werden. Weitere Bibliotheken werden folgen.

Der Zugang zur GND ist in SLSP noch weiter geöffnet. Es gibt noch entferntere Institutionen, die keinen Zugang zu den Systemen von SLSP haben und trotzdem mit den Institutionen in SLSP eng zusammenarbeiten. Sie nutzen die GND via Webformular und sind via MOC (Marc Organization Code) an eine bestehende GND-Redaktion angeschlossen. Sie übernimmt dann die Pflege der über das Webformular angelegten Datensätze. Damit ist auf einfache Weise systemfremden Institutionen ein Zugang zur GND gegeben.

Die so strukturierte Organisation funktioniert nur, wenn die Erfassungs- und Redaktionsprozesse sowie die Workflows gut und transparent dokumentiert und vermittelt werden. Diese Arbeit leistet der Expert Pool GND Editorial Board zusammen mit der GND-Agentur SLSP. Für alle Beteiligten ist es eine Win-Win-Situation. Einerseits profitiert die GND-Kooperative von der Arbeit an der GND, andererseits können die beteiligten Institutionen etablierte Infrastruktur, funktionierende Prozesse und stabile Daten nutzen.

Sie erreichen die GND-Agentur der SLSP über diesen Link.



Lohnt der Aufwand?

Warum die Beschäftigung mit der GND sinnvoll ist.

In meiner Funktion die Arbeit mit der Gemeinsamen Normdatei (GND) zu erklären und für die Mitarbeit zu werben, werde ich natürlich sehr oft gefragt, ob sich der Aufwand lohnt. Erst gestern verbrachte ich auf Einladung von DIGIS zwei anregende Stunden mit Mitarbeitenden aus Berliner Museen und Gedenkstätten. In der Vorstellungsrunde betonten zwar alle die Bedeutung von Normdaten für die Sichtbarkeit und Vernetzung von Ressourcen im Sinne von Linked Data, zugleich war jedoch klar, dass die Verwendung von Normdaten auch viel Arbeit macht. Da auch ihre weiteren Fragen Themen berühren, die für andere Hashtag #GLAM und Hashtag #Forschungsreinrichtungen relevant sind, möchte ich die Fragen und meine Antworten mit Ihnen teilen.
Das sind die Fragen:

1) Was ist ein Normdatensatz?
2) Wo kommen eigentlich die Normdaten her?
3) Warum finde ich nicht alles in der GND?
4) Wieso ist nicht der gesamte Arts & Architecture Thesaurus (AAT) in der GND?
5) Wer ist eigentlich für mich zuständig?
6) Wer korrigiert die Fehler in der GND?
7) Kann ich selbst Datensätze in der GND anlegen?
8) Muss das alles so kompliziert und langwierig sein?
9) Lohnt eigentlich der Aufwand?
10) Kann die KI meine Daten mit GND anreichern?

Da viele Leser*innen dieses Blog ebenfalls GND-Vermittlungsarbeit leisten und wir alle wissen wieviel Arbeit Normdaten machen, hoffe ich, dass Sie von meiner Arbeit profitieren können. 

Welche Fragen begegnen Ihnen in Ihrer GND-Vermittlungsarbeit? Auf welche Fragen suchen Sie in Bezug auf die GND Antworten? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Folien mit den Antworten auf die 10 Fragen. Bitte beachten Sie auch die Vortragsnotizen.

Die Archiv-Community rund um die Gemeinsame Normdatei (GND) ist sowohl engagiert als auch treu. Ein Beleg für diese Aussage: Wir stehen kurz vor dem sechsten GND Forum Archiv in fünf Jahren und erwarten wieder über einhundert interessierte Gäste. Es sollte Sie daher nicht überraschen, wenn das Motto unter dem dieses GND Forum steht, “Mitmachen!” lautet. Genau – mit einem Ausrufezeichen. “Mitmachen” ist nicht nur ein Label, mit dem man viele der Beiträge, die Teil des Programms sein werden, kennzeichnen kann, sondern zugleich eine Einladung an alle Institutionen und Mitarbeitenden im breiten Feld der Archive, die GND aktiv zu nutzen und mitzuwirken. Wie das möglich ist und was das möglicherweise an Arbeit und an Aufbau von Infrastruktur bedeutet, wird Gegenstand unter anderem des Publikumsgesprächs “Wann macht die Gründung einer GND-Agentur Sinn?” mit den Expert*innen sein. Eine Übersicht zum Programm bietet der Eintrag auf der GND-Website, alle Details zu den Referent*innen und Uhrzeiten hat die Interessengruppe Archiv im STA-Community Wiki veröffentlicht. Wie schon gewohnt, werden auch in diesem GND Forum die Formate Vortrag und Impuls mit Formaten der Publikumsbeteiligung rhythmisiert. Das heißt, direkt am 16. März 2026 im 6. GND Forum Archiv können auch Sie aktiv mitmachen.


Die Eckpunkte der Veranstaltung:

Termin:           16. März 2026, von 09:30 bis 13:00 Uhr

Ort:                 online, eine Anmeldung ist nicht erforderlich

Zielgruppen: Mitarbeitende und Interessierte in Archiven, Bibliotheken und darüber hinaus

Heute wurde die vollständige Dokumentation zum Kolloquium des Standardisierungsausschusses "In Zukunft mit KI" veröffentlicht. Die Mitglieder dieses höchsten Gremiums zur Standardisierung von Meta- und Normdaten im Informations- und Wissensmanagements im deutschsprachigen Raum diskutierten offen und kontrovers die Frage der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für ihre Arbeit. Das Kolloquium fand am 10. Dezember 2025 an der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt statt. Der digitale Tagungsbericht aggregiert aus den Abstracts, Visuals und Links zu den Vorträgen ein Wissensnetz zum aktuellen Stand KI-basierter Anwendungen in Bibliotheken in Deutschland und fasst die anschließende Diskussion zusammen. Besonders interessant dürften dabei die konkreten Ideen für die künftige Arbeit der Mitglieder sein.

Dokumentation zum STA-Kolloquium "In Zukunft mit KI" 
Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.

In der Politik ist es manchmal wie in der Grammatik: Ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Regel anerkannt. André Malraux (1901-1976)


zitiert nach Zitate-Fibel

Anfang des Jahres wurden die GND-Leitlinien in ihrer aktualisierten Fassung veröffentlicht. Das nehmen wir zum Anlass, um einerseits grundsätzlich die Funktion der Leitlinien darzustellen und andererseits zu erläutern, warum eine Aktualisierung nach Jahren geboten scheint. Die GND-Leitlinien sind ein integraler Bestandteil der GND-Kooperationsvereinbarung. Zusammenfassend ist es ihr Anliegen, allen Mitwirkenden an der GND einen klaren Handlungsrahmen zu vermitteln und zugleich allen Nutzenden offenzulegen, nach welchen Grundsätzen die Datensätze erstellt werden. Sie dienen demnach als Kompass oder neu-deutsch, sie sind der Code of Conduct der GND-Kooperative.

Ein GND Datensatz hat die Funktion eines verlässlichen Knotens im Netz der Daten.

Bildnachweis: https://pxhere.com/en/photo/646465; public domain



Seit der Erstveröffentlichung der Leitlinien 2017 als Anlage zur GND-Kooperationsvereinbarung hat die digitale Transformation des Kultur- und Forschungsbereichs enorme Fortschritte gemacht. Längst geht es nicht mehr vornehmlich um die Digitalisierung von Objekten, sondern die Daten zu den Objekten und die Referenzdaten selbst stehen im Fokus vieler kultur- und forschungsrelevanter Prozesse. Daneben sind Sichtbarkeit und Auffindbarkeit im Netz zu zentralen Parametern des Erfolges geworden. Das digitale Suchen und Finden (retrieval) von Daten und Information ist Teil unseres Alltags. Heute werden Informationen im zunehmenden Maß über KI-Agenten vermittelt. KI-Agenten sind oft Anwendungen generativer Künstlicher Intelligenz (KI). Ein bekanntes Beispiel ist der ChatGPT der Firma OpenAI. Aber auch Googeln passiert heute immer öfter im sogenannten AI-Modus. Bereits zwei Drittel der 16- bis 29-jährigen verwenden, laut einer Erhebung der bitkom, regelmäßig KI-Chatbots statt klassischer Suchmaschinen. Das ändert jedoch nichts am Anspruch des Nutzenden, dass die angebotene Information zuverlässig sein soll. Zuverlässig meint hier: faktisch richtig, nachvollziehbar und reproduzierbar. Dabei darf die Aussage “faktisch richtig” nicht zwingend mit “wahr” gleichgesetzt werden. Wahrheiten können, lehrt uns spätestens die Postmoderne, kontextgebunden sein. Fakten wie “Sauerstoff ist ein wesentlicher Bestandteil der heutigen Erdatmosphäre” sind hingegen beständig und dies unabhängig von der jeweiligen Perspektive des Senders oder Empfängers. Nur wenn diese Qualität der vermittelten Informationen verlässlich erreicht und vom Nutzenden auch tatsächlich wahrgenommen wird, werden KI-Agenten einen dauerhaften Beitrag in der Öffnung des Zugangs zu Wissen leisten und damit zu einem effektiven Assistenten in dem Aufgabenspektrum werden, das sie mit den Bibliotheken teilen: Die Vermittlung von Information und der Organisation von Wissen. 

Diese technischen und damit einhergehenden gesellschaftlichen Entwicklungen wirken sich auf die Normdaten-Arbeit aus. Einerseits gilt es, das Retrieval in den KI-Suchen qualitativ zu sichern. Andererseits soll KI die automatische Erschließung fördern. Dabei Entitäten natürlich auch mit Normdaten verknüpfen und das Anlegen neuer GND-Datensätze unterstützen. Unbeantwortet bleibt hierbei bislang die Frage, welche Auswirkungen es auf unseren Umgang mit Daten, Informationen und Wissen hat, wenn Normdaten in KI-basierten Anwendungen automatisiert generiert und ebendiese im Retrieval als Referenz verwendet werden. Könnten Fehler sich dadurch leichter perpetuieren? Würden eigentlich falsche Daten zu fehlerhaften Ergebnissen führen? Diese Risiken gilt es, von einer soliden Basis aus bewusst in den Blick zu nehmen.

Normdaten sind und bleiben ein wichtiges Werkzeug des Retrievals im Informationsmanagement. Gerade im wissenschaftlichen Kontext erhalten Normdaten im  RAG-Verfahren (Retrieval-Augmented Generation) zunehmende Bedeutung, um die Verlässlichkeit von Antworten der KI-Anwendungen zu verbessern. Dieses Verfahren wird jedoch noch nicht flächendeckend von den Sprachmaschinen angewandt. Vielmehr ist es bislang ein zusätzlicher Aufwand der Regulierung der Sprachmodelle (LLM), den der End-Nutzende nicht leisten kann. Zugleich verspricht man sich vom Einsatz KI-basierter Verfahren zur Generierung von Normdaten entsprechende Effizienzgewinne und setzt verstärkt auf ihre Implementierung (1). Das heißt, sowohl im Retrieval als auch bei der Generierung von Normdaten werden zunehmend KI-basierte Verfahren zur Anwendung kommen. Damit gewinnen die Nutzbarkeit und Zuverlässigkeit von Normdaten sowohl inhaltlich als auch technisch an zusätzlicher Bedeutung. Vor diesem Hintergrund verpflichten sich die Partner der GND-Kooperative in den GND-Leitlinien auf die Gewährleistung der Qualität der Normdaten im besonderen Maße und öffnen sich zugleich für KI-basierte Verfahren samt den daraus eventuell folgenden neuen Anforderungen an Dateiformate und Schnittstellen. 

Keine alternativen Fakten in der GND

Die inhaltliche und technische Qualität der Normdaten ist das Fundament und konstitutives Element unserer transinstitutionellen Zusammenarbeit. Insbesondere die inhaltliche Verlässlichkeit betrifft die Verantwortung der Kooperative für unsere demokratische Gesellschaft. Wenn GND Redakteur*innen sich auf die Liste von Nachschlagewerken als Referenz berufen, dann steht dahinter die implizite Vorstellung, dass der Publikationsprozess von Nachschlagewerken hinreichend wissenschaftlich sei - also den ethischen Prinzipien der Wissenschaft (2) folgt, und damit innerhalb des gesellschaftlichen, zivilisierten Diskurses der Demokratie sowie ihres Fundaments aus Fakten, Menschenrechten und Verfassung. Dieser unausgesprochen vorausgesetzte Rahmen wird zwar als weitläufig, aber eben nicht als beliebig gesehen. Vielmehr vertraut man darauf, dass er eine hinreichende Meinungsvielfalt spiegelt, die sich jedoch auf eine Faktizität geeinigt hat, die nicht willkürlich, sondern belegbar ist. Dieser Rahmen gilt für die Wissenschaft, die Medien und nicht zuletzt für Wissensorganisationen wie Museen, Archive und Bibliotheken. Diese Prinzipien sind der Garant, dass nicht eine einfache Mehrheit oder ein Machthaber entscheiden kann, was faktisch richtig sein soll. Damit bieten diese Einrichtungen in unserer liberalen Demokratie ein korrigierendes Gegengewicht zum politischen Diskurs und schützen uns als Gesellschaft vor Fehlern. Das gilt selbst für solch kleine Elemente wie Normdaten. Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen schien uns die explizite Benennung dieses ethischen Handlungsrahmens geboten. Daher haben die Mitglieder der GND-Kooperative im GND-Ausschuss eine aktualisierte und abgestimmte Fassung der Leitlinien ausgearbeitet. Die aktualisierten Leitlinien betonen: 

  • Die GND verpflichtet sich zu wissenschaftlicher Redlichkeit, Quellentransparenz und sachlicher Darstellung. 
  • Ihre Partner sind hinsichtlich der Datenpflege und Dienstleistungen rund um die GND im Rahmen der liberalen Demokratie zu Neutralität und Unvoreingenommenheit im Sinne der allgemeinen Menschenrechte verpflichtet.
  • Ihre Daten sind offen und frei im Internet zugänglich. … Sie unterstützt die Datenvernetzung über Regeln und Werkzeuge auch im Rahmen von KI-Anwendungen.

Der vollständige Text wird über die GND-Website zum Download angeboten.

Ich habe dem Beitrag ein Zitat des französischen Politikers und Abenteuers (sic!) André Malraux vorangestellt, weil das Zitat mir assoziativ eine Brücke schlägt von der uns vertrauten Welt der regelbasierten und normenden Daten, analog der Grammatik, zu der oft als chaotisch erlebten und auf jeden Fall machtorientierten Welt der Politik. Das Zitat lenkte meine Aufmerksamkeit auf das Risiko von Folgefehlern in der Politik. Denn auch die Politik hängt nicht zuletzt von der Richtigkeit der Fakten ab. Auf der Grundlage von verlässlichen Fakten sollte sie idealerweise ihr Handeln ausrichten. Andernfalls drohen auch in der Politik aus Fehlern neue Handlungsmaximen zu entstehen. Möge dies uns allemotivieren, redlich unser Handwerk zu betreiben.

Anmerkungen

(1) Vergleiche etliche Vorhaben der Mitgliedsintitutionen des Standardisierungsausschusses für KI-basierte Ansätze zur automatisierten Erschließung, die auf dem Kolloquium “In Zukunft mit KI” präsentiert wurden.  

(2) Vergleiche Harari, Yuval Noah “Nexus”, Fern Press 2024, S. 103 “A scientific institution, in contrast, gained authority because it had strong self-correcting mechanisms that exposed and rectified the errors of the institution itself. It was these self-correcting mechanisms, not the technology of printing, that were the engine of the scientific revolution.”






Der Handwerker, Bronze von Evelyn Beatrice Longman, 1931

Bildnachweis: Steve Thornton, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein kurzer Hinweis zum Schluss

Auf Wunsch von etlichen Nutzenden der GND-Website haben wir die Struktur der Infothek verändert. Sie folgt jetzt hoffentlich besser den Bedarfen der Nutzenden, indem sie deren mögliche Themen wie "Einführung in die GND", "GND Daten", "Vom Nutzen der GND" als Ordnungskategorien verwendet. Die GND-Leitlinien sind im Abschnitt "Über der Mitarbeit in der GND" veröffentlicht. Wir freuen uns über Ihr Feedback und bemühen uns zeitnah darauf einzugehen.

(Warnung)  Wenn Sie über neue Posts informiert werden wollen, dann abonnieren Sie bitte unsere Mailingliste GND-Kulturdaten über diesen Link: https://www.listserv.dfn.de/sympa/subscribe/dnb-afs-gnd-kulturdaten?previous_action=info (Warnung) 

Es ist Dienstag, der 23. Dezember, letzter Arbeitstag. Ganz nüchtern betrachtet ein Datum wie jedes andere. Und doch ist der letzte Tag des Jahres ein stiller Appell: Zeit für Rückblicke, Bilanzen und – natürlich – Checklisten der Key Results. Wann eigentlich kam diese Idee auf, man müsse zum Jahresende Rechenschaft ablegen? In unseren Breitengraden entstand sie mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann zwischen der Vertreibung aus dem Paradies und der Einführung des Black Friday. Man darf annehmen, dass das Bilanzziehen sich nicht erst im Gefolge europäischer Kolonialherren über den Globus verbreitete, sondern vielerorts schon lange zuvor praktiziert wurde. Man zählt sein Hab und Gut, rechnet vor, was fehlt. Wenn man so viel besitzt, dass man seinen Besitz nicht mehr auf einen Blick erfassen kann, dann fängt man an, zu zählen, zu sortieren, zu kategorisieren und zu notieren … Yuval Harari beschreibt diese Entwicklung eindringlich in seinem Buch “Nexus”. Von der Organisation des Besitzes ist es nur ein kleiner Schritt zur Organisation des Wissens – und von dort zu den Normdaten. Da die Gemeinsame Normdatei zentrales Thema dieses Blogs ist, wäre das keine Überraschung.

Doch kehren wir noch einmal zur Ausgangsfrage zurück: Warum ausgerechnet am 31. Dezember? Warum nicht am 28. Februar? Auch da ist es kalt und trist. Man verpasst weder eine laue Sommernacht noch das Nachtigallenkonzert, wenn man sich stundenlang mit der Bilanz des vergangenen Jahres abmüht.

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, spielen zumindest auf der Nordhalbkugel Lichter und Kerzen in vielen Bräuchen eine wichtige Rolle. Die schwedische Lichterkönigin trägt eine Kerzenkrone in das dunkle Haus. Man misst die Zeit mit dem Adventskranz oder dem Chanukka-Leuchter. Heute sieht man vermutlich vom Weltall aus, wann und wo der große Konsumaufschwung im Jahr stattfindet. Die festlich beleuchteten Straßen und Hausglitzerketten vertreiben das winterliche Dunkel. Ende Februar ist es zwar auch kalt und dunkel, aber die Aussaat steht kurz bevor, daher ist keine Zeit zum Bilanzieren, wendet die Anthropologie ein. Denn all diese Bräuche haben ihren Ursprung in der Naturbeobachtung der Altvorderen vor Tausenden von Jahren, unter anderem auf irgendeinem Hügel unweit von Leipzig. 

Ist es nicht erstaunlich, wie stur traditionsgebunden unsere Gewohnheiten sind? Da kaufen wir Erdbeeren im Dezember und essen Nüsse im Sommer. Wir begeistern uns für Technologien, mit denen wir den von uns gemachten Klimawandel einhegen wollen. Wir fliegen als Touristen ins Weltall und schwadronieren von Marskolonien. Wir drehen die Heizung weiter auf, wenn es draußen stürmt. Und wir beschweren uns, wenn wir für die 600 Kilometer nach Frankfurt im Zug länger als vier Stunden brauchen. Und trotz all dieses Fortschritts, all dieser tollen Errungenschaften und fabelhaften Erfindungen sitze ich hier Ende Dezember und soll einen Jahresrückblick schreiben. Nur weil es vor Ewigkeiten mal bedeutsam war, wann die Sonnenwende erfolgte? Sie merken es vielleicht: Hier regt sich der Trotz der Angestellten. Der leise Unmut, auf den letzten Metern noch einmal eine Schippe drauflegen zu müssen. Bahnt sich da ein Konflikt an?

Nein halt! Denn eine Sache, die nicht nur mir besonders wichtig ist, sondern auch die Gäste des Kolloquiums des Standardisierungsausschusses unisono betonten, ist die Zusammenarbeit. Ohne Kooperation mit den erforderlichen Kompromissen, gegenseitigem Verständnis und Respekt sowie der Bereitschaft, dem anderen den Vortritt zu gewähren, wäre unsere Arbeit unmöglich zu bewältigen. Und da ja bekanntermaßen das Fest der Liebe vor der Tür steht, lassen wir die Revolte ausfallen. Stattdessen ein großes Dankeschön an all jene, die in den letzten 365 Tagen – mal mit, meistens ohne KI – enorm viel geleistet haben. Damit die Gemeinsame Normdatei das bleibt, wofür sie geschätzt wird: Ein verlässliches Werkzeug zur Wissensorganisation in einer Welt, die gern etwas heller sein dürfte.


P.S. Wer jetzt fragt: Wo ist die versprochene Checkliste zum Jahresende, mit der man prüfen könnte, wie die Bilanz der GND ausfällt? Dem empfehle ich für die hoffentlich ruhige und gemütliche Zeit der Raunächte die Lektüre aller Blogposts dieses Jahres. Da finden sich Informationen zu den Veranstaltungen, technischen Entwicklungen und Kooperationen, die zusammen dem Jahr 2025 zu einer positiven Bilanz verhelfen.

Frohe Festtage, einen guten Rutsch und auf ein Neues in 2026.



Aus der Reihe "Was du heute kannst besorgen ..." Der GND Weihnachtsgruß 2025 AfS (DNB) CC BY  

Rückblick auf den Feedbackworkshop zur GND-Dokumentation am 24.11.2025

Mit der sukzessiven Veröffentlichung der Erfassungsregeln für die Normdatensätze der Gemeinsamen Normdatei auf der STA-Dokumentationsplattform im September hat die GND-Kooperative einen großen Schritt hin zur Fortschreibung ihrer Öffnung für die Expertise weiterer Communitykreise getan. In einem Workshop zur GND-Dokumentation bekamen Mitglieder aus Museen, Archiven und Forschungseinrichtungen, die mit der GND arbeiten, Gelegenheit, zu deren Struktur, Bedienfreundlichkeit und Verständlichkeit Feedback zu geben. Die Inhalte und Ergebnisse fasst dieser Blogpost zusammen.


Die Farbfolge eines Regenbogens folgt ganz ohne menschlichen Zutuns den immer gleichen Regeln.
Credit: Andrea Stöckel, public domain via public domain pictures 

Von Regeln und ihrem Nutzen

Ein Regenbogen, die Schwerkraft und die Trägheit der Masse folgen den immer gleichen Naturgesetzen - auch wenn uns das Anthropozän gerade hier zum Umdenken zwingt. In zwischenmenschlichen Bereichen helfen Regeln, Konflikte zu vermeiden, Prozesse zu effektivieren und die Zusammenarbeit zu fördern. Oft genug sind es genau die Regeln oder besser die Befolgung derselben, die zu einer besseren Qualität führen. Sei es mehr Sicherheit im Straßenverkehr durch die Straßenverkehrsverordnung oder die Verwendung von genormten Material im Bau. Oder mehr Vergleichbarkeit durch standardisierte Ausschreibungsverfahren oder mehr Gerechtigkeit durch Gesetze, die für alle gelten. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. In der digitalen Transformation des Kulturbereichs ebenso in der Wissenschaft und Forschung sollen gemeinsame Standards, letztlich Regeln, für mehr Interoperabilität, Vernetzung und verbesserte Auffindbarkeit beziehungsweise Sichtbarkeit der digitalisierten Inhalte sorgen. Eine besondere Rolle nehmen hier Normdaten ein. Die Daten der Gemeinsamen Normdatei (GND) bieten den Vorteil, dass sie auch unabhängig von dem Stand der Standardisierung insgesamt bereits all das oben Genannte unterstützen. Sie sind sozusagen die Vorhut der Standardisierung. Dies erklärt den hohen Nutzungsgrad der GND-Daten als persistentes Referenzsystem in Kultur und Forschung im deutschsprachigen Raum. (weitere Informationen: Erste Ergebnisse der Umfeldanalyse wurden in Form eines Whitepapers veröffentlicht: Schlösser, M., Schäffer, J., von Hagel, F., & Schäfer, F. (2024). Überblick über das Forschungsdatenmanagement in Museen und Universitätssammlungen. Zenodo. https://zenodo.org/records/13789201

Durch die verstärkte Nutzung der GND-Daten ergeben sich gerade in ihrer bedarfsorientierten Ansetzung auch erhöhte Bedarfe an neuen GND-Datensätzen oder an Ergänzung von bestehenden. Damit jedoch Normdaten ihre Referenzfunktion wirklich erfüllen können, müssen sie verlässlich sein. Diese Verlässlichkeit wird letztlich durch Regeln definiert und garantiert. Die Regeln, nach denen die GND-Datensätze angelegt werden, basieren wiederum auf internationalen Standards, niedergelegt im Regelwerk Resource Description Access – für den deutschsprachigen Raum in der Kurzform RDA DACH genannt. Vor der Veröffentlichung der STA-Dokumentationsplattform regulierte ein Lizenzmodell den Zugang zum RDA-Toolkit, mit dem Erschließende sich im Zweifel über die regelkonforme Darstellung von Katalogsdaten, wie Titel, Autor, Werk oder Ort, informieren konnten. Dieses Toolkit wurde ergänzt durch eine Vielzahl von aufeinander verweisenden und bezugnehmenden Textblättern, den Erfassungsleitfäden und Erfassungshilfen zur GND. Sich in diesem Geflecht zurecht zu finden war schwierig, auch wenn die Textblätter an sich über die Deutsche Nationalbibliothek allgemein zugänglich waren.  Es ist daher nur folgerichtig, dass mit der Öffnung der GND auch die Regeln zu ihrer Erfassung transparenter, partizipativer und vor allem lizenzfrei zugänglich gemacht werden mussten. Mit der Veröffentlichung der Erfassungshilfen für Akteure, Geografika und Körperschaften in der GND-Dokumentation sind wir diesem Meilenstein erheblich näher gekommen. In den kommenden Monaten sollen die Regeln für Werke, Konferenzen und Sachbegriffe folgen. 





Mit einer Workshopreihe begleitet die GND-Interessengruppe “Museen und Sammlungen” (IG MuS), unterstützt durch Mitarbeitende der GND-Zentrale, den Publikationsprozess. Eine Einführung in die Thematik erfolgte in dem ersten Workshop im Februar. Im Wesentlichen umreissen die beiden ersten Absätze des Blogposts die Perspektive der GND, wie das Thema im Workshop behandelt wurde. Der nebenstehenden Präsentation sind weitere Aspekte zu entnehmen.

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Vortrag zum ersten Workshop der IG MuS zur GND Dokumentation

Eine Einführung in die Arbeit mit der GND-Dokumentation

Für den Online-Workshop am 24. November konnten sich die Teilnehmenden aus der IG MuS und weitere Interessenten unmittelbar mit der GND-Dokumentation befassen. Dazu war zunächst eine Einführung in die Struktur der STA-Dokumentationsplattform mit ihren Bestandteilen Allgemeines, RDA DACH und GND erforderlich. Dies übernahm Andrea Hemmer (DNB). Sie erläuterte zu Beginn die inhaltlichen Abhängigkeiten zwischen RDA DACH und der GND am Beispiel von den Regeln zur Darstellung von Akteuren. Sie präsentierte unterschiedliche Möglichkeiten zur Suche und allgemein Begrifflichkeiten und Funktionalitäten der Plattform. Dann ging sie detailliert auf die Funktionen und Inhalte der GND-Dokumentation ein. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang, dass der bereits erprobte offene Redaktionsprozess für den Standard RDA DACH künftig auch Diskussionen zu den Regeln in der GND-Dokumentation ermöglicht. Damit können community-spezifische Bedarfe durch Anwendergruppen und solche allgemeiner Natur adressiert und transparent umgesetzt werden. Die gesamte text- und abbildungsreiche Präsentation ist nebenstehend nachzulesen.


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Die Folien von Andrea Hemmer (DNB) als PDF.

Feedback gewünscht

Zentrales Element des Workshops war selbstverständlich das eigenständige Testen der Dokumentation durch die Teilnehmenden selbst.  Aufgeteilt in kleine Gruppen versuchten sie die nebenstehenden Aufgaben zu lösen. Ausgangspunkt war der Bedarf, einen regelkonformen GND-Datensatz zur Nadia Boulanger anzulegen.

Alle Teilnehmenden lösten die Aufgabe ohne Probleme. Der GND-Datensatz zu “Boulanger, Nadia” sollten mit dem Entitätencode piz, dem Ländercode XA-FXFR, den Lebensdaten * 16. September 1887 † 22. Oktober 1979 korrekt verknüpft werden, außerdem wären die Angaben zum Geburts-, Sterbe- und Wirkungsort als weitere Individualisierungsmerkmale, hier jeweils “Paris”, ebenso wie die Angabe ihres Berufes “Komponistin” ergänzt durch die Bezeichnung der Relationierung zu dem bereits vorhandenen GND Datensatz ihrer Schwester Lilli möglich. Die Leser*innen mögen selbst die Aufgabe in der GND-Dokumentation nachvollziehen, vielleicht zunächst ohne den in der obigen Lösung angegebenen Links zu folgen.

Natürlich fällt es jemandem, der nur sehr selten einen GND-Datensatz anlegen möchte, schwerer, sich in der Dokumentation zurecht zu finden als jemandem, zu dessen täglichen Aufgaben die GND-Arbeit gehört. Die Dokumentation bietet keine Eingabemaske für Entitätstypen, sondern bildet nur die Regeln zu deren Erfassung ab. Im Einzelfall kann eine detaillierte Schreibanweisung beim Anlegen von Datensätzen helfen. Neben kleineren Hinweisen zur Verbesserung der Verständlichkeit, wie der Erläuterung des Bibliotheksterms “Sucheinstieg”, lobten die Teilnehmenden die gute Verständlichkeit der Texte, die Erläuterungen mit Beispielen und das Farbkonzept zur leichteren Orientierung. Der für das zweite Quartal 2026 geplante dritte Feedbackworkshop wird sich dann den bis dahin hoffentlich vorliegenden Trainingsmaterialien zur GND-Doku widmen. Wir werden Sie informieren.

Bis dahin testen Sie gern selbst die GND-Dokumentation und lassen Sie uns Ihren persönlichen Kommentar zukommen. Auf jeder Seite der STA-Dokumentationsplattform finden Sie unten in der Menüleiste ein kleines Sprechblasen-Symbol; dies öffnet eine E-Mail an die Arbeitsstelle für Standardisierung mit dem entsprechenden Weblink in der Betreff-Zeile. Schreiben Sie uns, wenn Sie einen Tippfehler, einen Textfehler, eine Anmerkung oder ein Lob hinterlassen möchten. Wir freuen uns.

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Screenshot der Aufgaben im Feedbackworkshop zur GND-Dokumentation

Dokumentation des vierten projektübergreifenden Agenturentreffens am 30.9. 2025 an der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main

Fast alle neuen Agenturen und Redaktionen waren zum 4. projektübergreifenden Agenturentreffen erschienen. Ziele des Treffens waren: Sich gegenseitig auf den aktuellen Stand der Entwicklungen zu bringen und zu Themen auszutauschen, die alle betreffen. Einen ganzen Tag lang berichteten die Teilnehmenden aus ihrer Praxis, diskutierten gemeinsam mögliche Lösungen von Problemen oder wie Ideen zusammen weiterentwickelt werden könnten und trafen Verabredungen für die künftige Zusammenarbeit. Mitarbeitende aus der GND-Zentrale brachten eigene Punkte ein und beteiligten sich intensiv an den Debatten. 

Als konzeptionelle Klammer diente das sog. CASA-Prinzip, das zum einen für eine Kultur des Vertrauens und des Teilens steht, und zum anderen die Teilnehmenden dazu einlädt, zu den Stichworten Challenged, Achieved, Sharing und Aiming aus ihrer Perspektive zu berichten. Daher war das Treffen nicht öffentlich, sondern beschränkte sich auf die in den neuen Agenturen und Redaktionen aktiv Mitarbeitenden und die Kolleg*innen aus der GND-Zentrale. Umso wichtiger ist die öffentlich geteilte Dokumentation des Treffens. Das Programm sah drei Runden vor: Check In, Barcamp und Plenum.

Dokumentationsrückblick

Erste Austausch-Runde

Alle Agenturen, Redaktionen und die GND-Zentrale hatten im Vorfeld Gelegenheit, sich zu den genannten Stichworten ihren Input zu überlegen und im Check In vorzutragen. Selbst neue Mitarbeitende konnten sich aufgrund der klaren Struktur gut in das Treffen einbringen. Es brauchte nur eine geringe Vorbereitungszeit und die alle betreffenden Themen wurden schnell offenbar.

Natürlich sind bei Teilnehmenden, die bereits seit Längerem im Netzwerk der GND arbeiten, die Perspektiven andere als bei denjenigen, die gerade im Aufbau oder noch in Planung sind. Dennoch kristallisierten sich klar Gemeinsamkeiten heraus. Ein Kernthema waren interne Workflows innerhalb der jeweiligen Agentur oder Redaktion. Wo diese noch konzipiert werden müssen, können die erfahrenen Agenturen beratend zur Seite stehen. So kann die Passung der inneren Workflows zu den Prozessen, die zwischen den etablierten Mitgliedern der GND-Kooperative bestehen, sichergestellt werden. Oft müssen jedoch die Konzepte noch umgesetzt und etabliert werden, ehe sie tatsächlich tragfähig sind und langfristig die Arbeit erleichtern. Die Prozesse innerhalb der GND-Kooperative waren ebenfalls Thema. Sehr deutlich wurde der Bedarf nach mehr Information und Transparenz sowie einer deutlichen Verkürzung der Prozesse. Das betrifft vor allem die Workflows bei Datenimporten und den Redaktionsprozess der GND-Regeln. Letzterer soll künftig transparenter und partizipativer werden, indem der funktionierende Releaseprozess für Redaktionsarbeiten an dem RDA-DACH-Standard in der STA-Dokumentationsplattform auch für die GND-Dokumentation übernommen werden soll. 

Alle Beteiligten hatten Erfolge zu feiern. Die einen hatten ihr erstes Testdatenset erfolgreich in die GND eingebracht – ein wichtiger Meilenstein im Gründungsprozess einer Agentur. Andere freuten sich, für ihren Kundenkreis regelmäßig Schulungen anbieten zu können und aus diesem Kreis mit neuen GND-Datensätzen zum Reichtum und Vielfalt der GND beizutragen. Mehrere legten Konzepte vor, wie ihre GND-Anwendenden über Templates oder Datenaustauschformate leichter in der GND mitarbeiten können. Diese Konzepte werden nach Möglichkeit in die Planung zum Aufbau des von der GND-Zentrale verantworteten, neuen GNDcommunityspace einfließen. Hier gilt es am Ball zu bleiben. 

Take-Aways aus der zweiten Runde

Die Themen, die alle betrafen, wurden in der zweiten Tageshälfte vertieft. Die Themen wurden in Barcamp-Manier aus dem Input des Check Ins durch die Abstimmung der Teilnehmenden identifiziert. An drei Tischen diskutierten die Teilnehmenden intensiv entlang der thematischen Linien  “Workflows und Organisation”, “Workflows und Daten” sowie “Neuer Workspace zur Datenedition – aka GNDcommunityspace”.

Zentrales Thema war der Bedarf an Schulungen für Anwendende, die keine bibliothekarische Vorbildung haben. Die Hoffnung ist groß, dass es mit der Veröffentlichung der GND-Dokumentation leichter wird, GND-Datensätze regelkonform zu erfassen. Diese enthält die bisherigen GND-Erfassungshilfen und -Leitfäden zur Erfassung in den gängigen Softwareprodukten in Bibliotheken (PICA, Aleph und Alma). Indem wir uns auf die GND-Dokumentation fokussieren, sollte das große Desiderat Schulung zur GND für Nicht-Bibliothekare besser adressiert werden können. Der Anspruch ist auf jeden Fall, dass die Regeln intuitiver, leichter verständlich und die notwendigen Informationen leichter zu finden sein sollen als in den vormaligen PDFs. Die jetzt vorliegende Dokumentation der GND-Regeln wird in den kommenden Monaten erweitert und soll mit dem Feedback der Nutzenden verbessert werden. Bereits jetzt ist es möglich, online Rückmeldung zu einzelnen Seiten der GND-Dokumentation zu geben. Geplant ist zudem, für die Nutzung der Dokumentation Online-Trainingsmaterial zu entwickeln, das den Einstieg für alle, die nicht tagtäglich GND Datensätze bearbeiten, erleichtern soll. 


Bild 1: Eindrücke aus der Bandbreite der geteilten Erfolge (Achieved):




Bild 2  Die Beiträge der Teilnehmenden im Check In zum Reinzoomen

Das zweite große Thema war eine verbesserte Dokumentation von Workflows. Das betrifft sowohl die generische Darstellung erwartbarer interner Workflows als auch die Darstellung, welche Anliegen über welche Workflows innerhalb der GND-Kooperative behandelt werden. Tatsächlich besteht hier noch ein Konzeptions- und Standardisierungsbedarf. Ein Thema, dem wir uns nur gemeinsam mit allen Beteiligten stellen können. 

Das betrifft auch den Workflow zu den Datenimporten. Hier braucht es nach Meinung der Anwesenden mehr Transparenz, um zu verstehen, warum Importe so iterativ und zeitintensiv sind. Die dünne personelle Ausstattung der Deutschen Nationalbibliothek, die die Hauptlast der Integration neuer Daten in das Produktivsystem der GND trägt, ist nur ein Teil der Erklärung. Der andere Teil betrifft die technischen Rahmenbedingungen: Aktuell können lediglich Daten im Format MARC 21 und MARCXML per Batch importiert werden. Zudem prüft die GND-Kooperative die Qualität der gelieferten Daten anhand von Stichproben vor dem Import in die produktive GND, da die Datenqualität der GND im Interesse aller Beteiligten liegt. Vielleicht wäre es sinnvoll – so eine Anregung aus dem Plenum – Datenimporte community-spezifisch zu clustern und in vereinbarten Sprints – nach der Scrum-Methode – zu importieren. Das böte allen Beteiligten den Vorteil, sich nicht über einen längeren Zeitraum immer wieder neu in eine Thematik einarbeiten zu müssen. Andererseits ist es unerlässlich, dass alle am Prozess Beteiligten innerhalb des vereinbarten Zeitraums dieser Aufgabe die notwendige Zeit widmen. Eine weitere Anregung bestand darin, bei zeitkritischen Themen, dies bereits in der Betreffzeile einer Email an Mitarbeitende der GND-Zentrale entsprechend zu vermerken und im Text zu erläutern. Das böte den Mitarbeitenden der DNB die Chance, in der Pipeline der Anfragen zu priorisieren.

Der im Check In von mehreren Beteiligten geäußerte Bedarf an weiteren Templates zur regelkonformen und zugleich niedrigschwelligen Erfassung neuer Normdatensätze, ob zu Sachbegriffen, zu Geografika oder Provenienzdaten, harmoniert mit dem Vorhaben der GND-Zentrale eine technische Plattform zur kollaborativen Aggregation von Normdaten anzubieten, den GNDcommunity(data)space (GNDcs). Die Arbeiten dazu haben erst vor Kurzem mit der Beauftragung eines Dienstleisters begonnen. Im GNDcs sollen registrierte Mitarbeitende unterschiedlicher Communities die Möglichkeit haben, Kandidaten für die GND zu editieren. Es soll künftig Templates geben, die vorgeben, welche Angaben benötigt werden, um regelkonform Entitäten in der GND zu identifizieren und zu disambiguieren. Die von den Agenturen und Redaktionen erwähnten eigenen Konzepte für die Erfassung bestimmter Entitätstypen fließen nach Möglichkeit in die Entwicklung des GNDcs mit ein. Die Datensätze im GNDcs erhalten einen Identifier, der, sollte er in das Produktivsystem der GND übernommen werden, in der GND gespeichert wird. Entscheidender Vorteil wäre, dass im GNDcs noch unvollständige Datensätze angelegt werden können und man miteinander an der Vervollständigung arbeiten kann. Sobald eine Agentur den Datensatz auf die Eignungskriterien der GND hin überprüft und bestätigt hat, kann der Kandidat übernommen werden. Ein weiteres geplantes Funktionsfeld ist die Möglichkeit, im GNDcs ergänzende Angaben zu bestehenden GND-Datensätzen zu machen, die später zwar über den GND-Explorer angezeigt werden, aber nicht zwingend in das Produktivsystem der GND übernommen werden müssen. Schließlich ist auch ein Funktionsbereich für Korrekturen von bestehenden GND-Datensätzen geplant, die von einer Redaktion vor der Übernahme in das Produktivsystem geprüft werden. Eine erste Beta-Version mit funktionsfähigen Teilbereichen der Anwendung wird für Anfang 2026 erwartet.

Die Logos der entsendenden Einrichtungen und Konsortien

Eine Anregung galt dem Angebot des Informations- und Lernmaterials, das unter anderem auf der GND-Website vorliegt. Hier würden kategorisierende Etiketten, wie “Einführung” und “Archive”, helfen, sich im Angebot schneller zu orientieren. Bei der anstehenden Überarbeitung der GND-Infothek soll diese Anregung aufgegriffen werden.

Schließlich noch ein Hinweis: Viele neue GND-Anwendende haben die meist nur gedruckt vorliegenden Nachschlagewerke, auf die die GND-Dokumentation regelmäßig Bezug nimmt, aus Kostengründen nicht zur Hand. Zudem erscheinen gerade Fachcommunities die in der Liste der Nachschlagewerke verzeichneten Titel als zu allgemein oder gar veraltet. Das heißt, für die Redaktion dieser Liste müsste der Prozess partizipativer und transparenter gestaltet werden. Dies könnte gegebenenfalls künftig im Rahmen des Releaseprozesses der Änderungen der GND-Dokumentation adressiert werden. Zuvor muss jedoch definiert werden, wer genau die Mitwirkenden, neben den Mitgliedern des GND-Ausschusses, in diesem Releaseprozess sein werden. 

Zum Schluss des langen Tages

Nachdem im Plenum die Ideen und Ergebnisse aus dem Barcamp zusammengetragen worden waren, galt es zum Schluss des langen Tages Bilanz zu ziehen und Verabredungen für die Zukunft zu treffen: Die Praxis der jährlich stattfindenden projektübergreifenden Agenturentreffen soll beibehalten werden. Und als Angebot der bereits im Dauerbetrieb agierenden neuen Agenturen – LEO-BW-Regional, Bauwerke und data4kulthura – soll ein “Jour Flexe” für alle Interessierten eingerichtet werden, um den lockeren Austausch kontinuierlich zwischen den vor Ort stattfindenden Agenturentreffen zu fördern. 

Bild 3 Die Mitarbeitenden aus den neuen Agenturen und Redaktionen sowie der GND-Zentrale in der Herbstsonne. Credit: A.Steckel (SUB), CC BY, 2025

Wenn ein hydraulischer Obstschüttler in der Apfel- oder Olivenernte zum Einsatz kommt, dann prasseln mit viel Krach die Früchte auf die Erde, Äste brechen und manch ein Apfel zerplatzt im Sturz. Wer das von Tracy Arndt in der Infrastruktur der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) angepasste und implementierte Tool zum "Cherry-Picking" in der Gemeinsamen Normdatei (GND) zum Einsatz bringt, hört kaum das Schnurren des Computers und nicht ein Datensatz zerbricht. Tracy Arndt ist Bibliotheksinformatikerin und verantwortet in der DNB den Linked Data Service. Erst kürzlich wurde der so genannte SPARQL Endpunkt zur GND und den Titeldaten der DNB in einer Betaversion veröffentlicht. Sie hat mir im Interview erklärt, wie dieses Tool funktioniert und was für sie in diesem Kontext “Cherry-Picking” bedeutet. 


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Ein hydraulischer Obstschüttler in Aktion credit: Feucht Obsttechnik 

Barbara: Tracy, was genau ist ein SPARQL Endpunkt?

Tracy: Ein SPARQL Endpunkt ist ein Webdienst, über den mit der standardisierten Abfragesprache SPARQL auf strukturierte Metadaten im Format RDF zugegriffen werden kann – einem Modell, das Informationen als Tripel (Subjekt – Prädikat – Objekt) speichert und damit leicht von Maschinen verarbeitet werden kann. Anders gesagt, mit Hilfe einer SPARQL Abfrage kann ich über eine oder mehrere Datenquellen gleichzeitig nach Datensätzen suchen und das Ergebnis als Liste exportieren, die alle dieselben von mir definierten Kriterien erfüllen. Beispielsweise kann ich mir eine Sammlung erstellen lassen, aus der die Verteilung bestimmter Geburtsjahrgänge laut der Datenquelle in einem bestimmten Berufsbild hervorgeht. Aber auch alle Personen, die vor 1960 geboren wurden, als Auszug exportieren.

Für wen ist der Service? 

Im Prinzip können alle diesen Abfragedienst nutzen. Besonders relevant ist er vermutlich für Mitarbeitende in Bibliotheken, in der Forschung und im Kulturbereich. Gerade Entwickler*innen, die die Such-Ergebnisse in eine eigene Anwendung einbinden wollen, profitieren vom schnellen und maschinenfreundlichen SPARQL Service. Mit etwas Geschick können Laien, die die Ergebnisse ihrer facettierten Suche anstatt sie sich im Explorer nur anzeigen zu lassen, diese als Tabellenblatt oder im JSON-Format über den SPARQL Endpunkt exportieren. Diese Form der definierten Exports kommt dem englischen Ausdruck “cherry-picking” doch recht nah.

Wie sieht ein typischer Usecase aus?

Eine Person oder eine Anwendung, die aus den Datenquellen GND oder/und Titeldaten der DNB einen präzisen Teilbestand identifizieren möchte, dürfte das Gros der Nutzenden ausmachen. 

Gibt es eine Art “Übersetzungsdienst”, damit Menschen ohne Vorkenntnisse eine SPARQL Abfrage formulieren können? Oder verlässt man sich lieber auf einen KI-Chatbot? 

In einem ersten Schritt kann man sich an den Beispielen, die auf der Website angegeben sind, orientieren und daraus die eigene Abfrage ableiten. Im Netz gibt es viele Anleitungen für das Abfassen von SPARQL Abfragen. Zudem betreue ich aktuell ein studentisches Softwareprojekt an der HTWK Leipzig. Die Studierenden programmieren eine Anwendung, die natürlich-sprachige Anfragen an die GND in eine SPARQL Query übersetzen und dann die Antwort auch natürlich-sprachig wiedergeben. Also eine Art Chatbot. Wenn man beim formulieren von SPARQL Queries allgemein Unterstützung braucht, kann natürlich auch ein marktüblicher Chatbot helfen. Bei der Übernahme der Tipps muss man jedoch darauf achten, dass man das in der GND gängige Vokabular verwendet. Zum Beispiel die korrekten Bezeichnungen der Entitätstypen oder die in der GND verwendeten Eigenschaften. Entsprechend gilt das für die in den Titeldaten verwendeten Labels, damit diese bei der Suchabfrage des SPARQL Services gefunden werden. Der normale Chatbot wird hier nicht exakt den richtigen Code liefern, sondern im Zweifel eigene Bezeichnungen halluzinieren.

Gibt es eine Möglichkeit, mir Veränderungen der Ergebnisliste der Suchabfrage im Zeitverlauf anzeigen zu lassen? Wenn man beispielsweise regelmäßig mit derselben Suchanfrage den Dienst benutzt, kann ich dann Veränderungen im Zeitverlauf kenntlich machen? 

Weder in der GND noch in der Titeldatenbank werden Versionsverläufe in einer einfachen Modellierung abgebildet. Daher lassen sich derzeit Zeitverläufe nicht so gut über SPARQL Abfragen abbilden.

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Poster zum SPARQL Enpoint von Thomas Bauer und Tracy Arndt, DNB, CC BY, 2025

Der SPARQL Service greift sowohl auf die Daten der GND in Verbindung mit anderen Daten namentlich den DNB-Titeldaten zu. Kann ich die beiden Datenquellen auch getrennt adressieren? Also nur GND oder nur Titeldaten? Kann ich weitere Datenquellen inkludieren, beispielsweise Wikidata? Und wenn ja, wo finde ich hierfür eine Anleitung? 

Auf der Website des SPARQL Services ist die Auswahl vorprogrammiert entweder nur in der GND oder kombiniert mit den Titeldaten der DNB die Suchabfrage laufen zu lassen.  Siehe Screenshot.

Das tolle an dem Datenformat RDF ist, dass man Daten über URIs - also Links - untereinander referenzieren kann. Das bedeutet, dass wenn ein anderer Datensatz diese URI nachnutzt, kann ich an die Informationen kommen, die dahinter stehen. Am besten sieht man das an unseren Titeldaten. Dort ist beispielsweise der Autor eines Titels mit der GND verknüpft. Dort ist der Autor wiederum verknüpft mit einem Ort. So kann man eine Datenliste mit den entsprechenden Namen und Buchtiteln als Antwort auf die Frage bekommen: “Welche Bücher wurden von Berliner Autorinnen geschrieben?" 

Gibt es Informationen darüber, wie oft der Service genutzt wird? 

Ja, wir erfassen die Zugriffe. Diese werden nur über die IP Adressen geloggt, aber nicht von uns entschlüsselt. Uns interessiert hier mehr, was abgefragt wird und überhaupt nicht, wer die Abfrage stellt. Die Daten sind hinreichend anonymisiert, so dass man von einer DSGVO konformen Datenhaltung ausgehen kann.

Welche Rolle spielt die GND Ontologie?

Die GND Ontologie enthält die Beschreibung der Daten und wie sie miteinander in Beziehung stehen. Dort kann man sehen, welche Eigenschaften verwendet werden. Beispielsweise: preferredNameOfThePerson oder DateOfBirth. Daher spielt die GND Ontologie eine zentrale Rolle, da über die Ontologie die Strukturen des Wissensgraphen geformt werden. Bei den Titeldaten verwenden wir nach internationalen Standards für denselben Zweck externe Vokabulare.

Wie ist der Endpunkt technisch aufgebaut?

Über monatliche Datendumps aus unseren internen Daten werden RDF Daten erzeugt und anschließend mit der SPARQL Engine Qlever indexiert, um eine schnelle Suche darauf durchzuführen.

Gab es Schwierigkeiten bei der Konzeption und Implementierung?

Wir haben lange nach einer geeigneten Software gesucht, um einen SPARQL Endpunkt anbieten zu können. Aufgrund der Größe der Datendumps, insbesondere unserer Titeldaten, haben sich aber immer wieder Performance Probleme gezeigt. Der Service wäre zu langsam gewesen. Mit der SPARQL Engine Qlever tritt das jedoch nicht auf und wir können endlich einen performanten Endpunkt anbieten.

Wie oft werden die Daten, auf die der SPARQL Endpunkt zugreift, aktualisiert? 

Die GND Daten und Titeldaten, die für die SPARQL Abfragen genutzt werden, werden monatlich frisch hochgeladen.

Und zum Schluss wo finde ich mehr Information?

Ergänzend zur Website stellen wir weitere Informationen im DNB Wiki bereit und freuen uns über Feedback von den Nutzenden.

Das Gespräch führten Tracy Arndt und Barbara Fischer.

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Eine Anleitung für eine Suchabfrage über mehrere Datenquellen in Kombination, also eine federated Query, ist im Screenshot angerissenen Beispiel dargestellt.

Ein Online-Workshop der IG Archiv zur Erörterung des Bedarfs an Lernangeboten zur Arbeit mit der Gemeinsamen Normdatei (GND)

Die Dokumentation

Rund 80 Teilnehmende folgten der Einladung der Interessengruppe Archiv im Netzwerk der GND sich mit dem Thema “Wie lernt man Normdaten nutzen und schaffen?” aktiv auseinanderzusetzen. Der Workshop war öffentlich und fand am 19. September 2025 online statt. Die Teilnehmenden kamen aus allen Archivsparten und mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen zum Thema Normdaten allgemein und der GND im Archiv im Besonderen. Den unterschiedlichen Voraussetzungen der Teilnehmenden wurde die Veranstaltung gerecht, indem sie einerseits bestehende, zum Teil einführende Handreichungen speziell für Archivmitarbeitende vorstellte, die die IG Archiv jüngst veröffentlicht hat:


Einsatz von GND-Normdaten im Archiv : archivische Relevanzkriterien

Die GND im Archiv : Handreichung zur Nutzung von Normdaten

Tipps & Tricks für die erfolgreiche Nutzung von Tools zum Einsatz der GND im Archiv

Version 1.0 (Januar 2025)

Version En 1.0 (June 2025)

Version 1.1 (August 2025)
 

Dazu auch der Vortrag von Dr. Stephanie Marra, Universitätsarchiv Dortmund

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Dazu auch der Vortrag von Dr. Johannes Haslauer, Staatsarchiv Bamberg

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Zum anderen bot der Vortrag von Barbara Fischer (DNB) zum derzeitigen Angebot von Informations- und Lehrmaterialien zur Nutzung und Mitarbeit in der GND einen Einstieg in die Diskussion zu den spezifischen Bedarfen der Community. 

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Letztlich zeigte die Diskussion, dass nach wie vor viele der bestehenden Angebote und Materialien noch nicht hinreichend bekannt sind. Dem will die IG Archiv künftig durch verstärkte Vermittlungsarbeit Rechnung tragen. Aufgeworfene Fragen und Bedarfe betrafen im Weiteren das Angebot an unterstützenden GND-Agenturen in der jeweiligen Region bzw. Archivsparte, die verbesserte Verankerung des Themas Normdaten zur Referenzierung transinstitutioneller Bestände in der Aus- und Fortbildung von Archivar*innen sowie schließlich die Anleitung zur integrierten Nutzung von Normdaten in unterschiedlichen Archiv-Informationssystemen. Thematisiert wurde ebenfalls die Methode der Vermittlung: Kurse mit Interaktionsmöglichkeiten für Lernende erscheinen vielfach attraktiver als Lernangebote zum Selbststudium. Insbesondere dem Thema “GND-Agentur”, Aufgaben und Einrichtung, wurde viel Bedeutung zugesprochen. Darauf soll eine künftige Veranstaltung der IG Archiv näher eingehen.

Veranstaltungshinweise zum Thema Schulung und Normdaten

Ergänzend und erweiternd noch die gesammelten Hinweise der Teilnehmenden zu passenden Veranstaltungen oder Material  und eine Sammlung von weiterführenden Links, die im Chat oder auf den Folien Erwähnung fanden:

Nützliche Links aus dem Chat und von den Folien:   


Ein Beitrag von Glagla-Dietz, Stephanie 



Am 29. September ist eine neue Version des GND Explorers produktiv genommen worden: 2.0.

Die höhere Zahl vor dem Punkt der Versionsnummer deutet schon an, dass es größere Änderungen gibt:


Externe GND-Nutzung

Label und Facette sind zwar bereits seit der letzten Version produktiv, doch kann die Funktion jetzt gerne beworben werden. Nicht nur die schnell verfügbaren Infos zur Wikimedia-Familie im Label „Externe GND-Nutzung“ sind komfortabel, sondern auch die weiterführenden Links zu Katalogen, die noch einige Zeit im Label „Identifikatoren“ zu finden sein werden.

Letztere Links sind sind um einen Link zum BEACONAggregator der LMU München ergänzt worden:

Neben der GND-URI, die ja zur Deutschen Nationalbibliografie führt, erlaubt besonders der Link zur OGND die zeitsparende Recherche nach zur GND-Entität gehörenden Titeldaten im K10plus, Gateway-Bayern und Österreichischer Nationalbibliothek. Mit der Ergänzung des Links zum BEACONAggregator sind nun alle Bibliotheksverbünde, die ZDB, FIDs und andere Fachbibliographien und Datenbanken direkt für die Weiterrecherche erreichbar. Beispiel Heinrich Heine:

https://prometheus.lmu.de/gnd/118548018. Siehe nebenstehenden Screenshot 1.


Dennoch ist dies erst der Anfang für externe Sichten. Das GND-Explorer-Team wird sich in den nächsten Wochen vor allem auf eine Erweiterung der Externen GND-Nutzung für eine GND-Community-Sicht konzentrieren.


Facetten

Für die neue Facette DDC-Notation wurden die DDC-Notationen jeweils auf der Ebene der DDC-Klassen zusammengefasst: siehe Screenshot 2. Diese Ansicht bekomme ich zum Beispiel, wenn ich mit der Anzeige aller Entitäten beginne: 

Zur Anzeige aller Entitäten in einer Trefferliste

Diese werden auch als Überordnung im Label DDC-Notationen genannt und können mittels eines  Suchlinks von einer einzelnen Entität recherchiert werden: Screenshot 3.

In der Facette Tonart können nur noch Musikwerke gefiltert werden, die mit einer Tonart verknüpft sind. Seit dem 2. September werden Tonarten möglichst mit dem jeweiligen Sachbegriff verknüpft, inzwischen sind mehr als 38.000 Musikwerke verknüpft. 


Auf der Startseite zum GND Explorer findet man noch viele weitere Tipps zur erweiterten Suche.


Katalogisierungssichten

Zwischen Faktenblatt und Ortsvisualisierung ist ein neuer Navigationspfad für Kompakt- und Katalogisierungsformate hinzugekommen:

In einem ersten Schritt sind die Formate Pica3 und Pica+ produktiv, in der nächsten Version folgt eine Kompaktansicht und später eine modifizierte MARC21-Ansicht. Screenshot 5.



Verbesserungsvorschläge (und natürlich entdeckte Fehler) sind, wie immer und jederzeit willkommen.


Für die ukrainische Version haben wir immer noch keinen neuen Übersetzer, um neue und geänderte Texte einzupflegen. Mehr und mehr Texte werden deshalb auf Deutsch und einige wenige auf Englisch angezeigt.



Viel Freude bei der Nutzung des GND Explorers wünscht

mit fröhlichen Grüßen
Ihr und Euer GND-Explorer-Team

 

Screenshot 1 Zeigt am Beispiel "Heinrich Heine" die Sammlung der LMU von Einrichtungen und Projekten, die GND in ihren Datensammlungen verwenden und dies über das BEACON Format mitteilen.

Screenshot 2 Die DDC Notation als Suchfacette im GND Explorer

Screenshot 3 Die interaktive DDC Notation im Faktenblatt einer Entität im GND Explorer

Screenshot 4 Die klassischen Tonarten als Suchfacette im GND Explorer


 


Screenshot 5 Katalogisierungsschichten



Veranstaltungsankündigung


Organisationen und Projekte mit persistenten Identifikatoren (PID) auszuweisen ist eine Aufgabe, die zunehmend auch an Forschende herangetragen wird. Der Einsatz von PID-Systemen ist viel zu arbeitsaufwändig, um Einheiten in Texten oder Metadaten nur der Vollständigkeit halber mit PIDs zu verknüpfen.  Auch wenn der Workshop des Projektes "PID Network Deutschland"  am 15. September 2025 das Online-Seminar "PIDs für Organisationen und Projekte" der letzte von insgesamt zehn ist, so geht es uns doch um mehr. In dem Workshop werden verschiedene PID Systeme für ORganisationen und Projekte vorgestellt. Wir sehen sie weniger als Konkurrenz, sondern in der Regel unterscheiden sie sich durch den Anwendungskontext. Wir möchten mit den Teilnehmenden über die Herausforderungen in geeigneter Form befristete Forschungsprojekte dauerhaft zu kennzeichen diskutieren. Auch Organisationen wandeln sich, bilden Affiliationen, fusionieren oder stellen ihre Tätigkeit ein. Das sind Herausforderungen für PID-Systeme, die Projekte und Körperschaften eindeutig per ID von einander scheiden möchten und sollen. Gleichzeitig ermöglichen PID über ihre Beziehungskennzeichnungen Netzwerke unter Organisationen und Körperschaften sowie Projekten zu visualisieren. Spannende Fragen für den Workshop.

Esther Scheven, GND-Redakteurin an der Deutschen Nationalbibliothek, wird im Rahmen des Workshops erläutern, nach welchen Regeln, Körperschaften in der GND behandelt werden. Außerdem werden vorgestellt ROR, GERIT und RAID. Der Workshop findet in englischer Sprache statt. Die Folien zu den Vorträgen, werden im Anschluss veröffentlicht. Das vollständige Programm sowie den Link zur Anmeldung zum Online-Workshop finden Sie hier: https://www.pid-network.de/neuigkeiten/veranstaltungen/online-seminar-pids-fuer-organisationen-und-projekte


Veranstalter sind die Projektpartner des DFG geförderten Projektes PID-Network Deutschland: Data Cite, die Deutsche Nationalbibliothek, das Helmholtz Open Science Office, die Technische Informationsbibliothek Hannover und die Universitätsbibliothek Bielefeld. Das Projekt hat zum Ziel, eine Roadmap für den allgemeinen Einsatz und Verbreitung von PID Systemen in der Forschung zu entwerfen. Die Roadmap soll im kommenden Jahr zum Projektende veröffentlicht werden.

Eine Einladung im Wissensgraphen der Gemeinsamen Normdatei (GND Explorer) die Verknüpfungen der IG Farben zu untersuchen.

ein Beitrag von Andrea Hemmer, Mathias Manecke und Sarah Hartmann

Die STA-Dokumentationsplattform beinhaltet jetzt auch Regeln zur Normdatenarbeit mit der GND.

Zum ersten September 2025 wurde die GND-Dokumentation auf der STA-Dokumentationsplattform veröffentlicht. Ab sofort stehen jetzt verschiedene Einstiegspunkte und Inhalte für die Arbeit mit Normdaten zur Verfügung. Die STA-Dokumentationsplattform zeigt alle Standards zu Erschließung von Ressourcen und Entitäten an einem Ort, neben dem Standard RDA DACH jetzt auch die Regeln zur GND. Die Plattform ist frei zugänglich und möchte einen nutzerfreundlichen Zugriff bieten. Sie basiert auf der Datenbank Wikibase und setzt dabei auf einen integrativen Ansatz. Dies bedeutet, dass Inhalte (Texte, Regeln, Beispiele, ...), die in unterschiedlichen Kontexten benötigt werden, nur einmal erfasst und an unterschiedlichen Stellen angezeigt werden.

Der Bereich zur GND ist gegliedert in Allgemeines-Texte, die allgemeine Konzepte und Grundlagen enthalten, in Entitätstypbeschreibungen, die die früheren Erfassungshilfen ablösen und alles erläutern, was für die Erfassung eines bestimmten Entitätstyp benötigt wird sowie den Bereich, der mit Datenmodell überschrieben ist, und u. a. die Datenfeldbeschreibungen (den früheren Erfassungsleitfaden) enthält.

In der GND-Dokumentation werden beispielsweise in den Entitätstypbeschreibungen für die Entitäten zu Personen, Familien, Körperschaften und Konferenzen und Geografika (PFKG), neben der GND-Umsetzung auch die Regeln aus RDA DACH angezeigt, die für die Erstellung eines GND-Normdatensatzes benötigt werden. Die Beispiele werden formatneutral und in der GND-Umsetzung angezeigt. Für die GND-Umsetzung können die Formate PICA3 und PICA+,  sowie zu einem späteren Zeitpunkt die Formate Aleph und Alma gewählt werden.

Während der Erarbeitung der Inhalte wurden auch manche Begrifflichkeiten angepasst, um die Sprache, die z. B.  in den verschiedenen Formaten unterschiedlich war, zu vereinheitlichen. So sprechen wir im PICA-Format bei der Typisierung der Datensätze jetzt von "Satztyp", statt des früher verwendeten Begriffs "Satzart". Auch wurden die Texte an die auf der Plattform verwendeten aktiven Sprache angepasst.

Mit der Veröffentlichung der GND-Dokumentation wird auch in den Elementen von RDA DACH jetzt an einzelnen Stellen die GND-Umsetzung angezeigt.

Alle hier abgebildeten screenshots entstammen der aktuellen GND-Dokumentation.


Zum Vergrößern der Abbildungen und zum Download bitte auf die Abbildungen klicken.



In der jetzt veröffentlichten ersten Version können Sie Zugang zu diesen Informationen erhalten:


  • Allgemeines-Texte
    • Der Ländercode in der GND
    • Deskriptionszeichen
    • Individualisierung von Personen
    • Liste der Gattungsbegriffe für Verwaltungseinheiten


  • Entitätstypbeschreibungen
    • Akteure
      • Personen
      • Familien
      • Körperschaften und Konferenzen
    • Geografika
      • Gebietskörperschaften
      • Bauwerke
      • Wege, Grenze, Linien
      • Kleinräumige Geografika
    • Sonstige Individualbegriffe
      • Historische Einzelereignisse
      • Softwareprodukte
      • Produkte und Marken
      • Verkehrsmittel


  • Datenmodell
    • Datenfeldbeschreibungen
      • Format PICA3 (ergänzt um Aussagen zum Internformat PICA+)
      • Format Aleph (noch nicht enthalten, da in Vorbereitung)
      • Format Alma (noch nicht enthalten, da in Vorbereitung)
    • Satztypen und Entitätencodierungen
    • GND-Codes für Beziehungen und abweichende Benennungen
    • GND-Systematik
    • Weitere in der GND verwendete Codes (Ländercodes, Sprachencodes)



Noch fehlende Entitätstypbeschreibungen und Allgemeines-Texte werden bis Dezember 2025 sukzessive in Zwischenreleases ergänzt. Gleiches gilt für Datenfeldbeschreibungen in Alma und Aleph sowie für die Beispiele in den Entitätstypbeschreibungen für diese beiden Formate. Für alle Aleph- und Alma-Anwender erfolgt der Umstieg generell erst, wenn sämtliche Inhalte in den entsprechenden Formaten auf der Plattform zur Verfügung stehen.

Die Dokumente auf der Informationsseite zur GND sind weiterhin zugänglich und werden - sofern sich Änderungen an den Regelungen und Formaten ergeben - bis zur vollständigen Übertragung aller Inhalte auf die Dokumentationsplattform weiter gepflegt. Auf der Informationsseite finden Sie u. a. die Inhalte, die noch nicht in der GND-Dokumentation eingepflegt werden konnten.

Wir freuen uns über Ihr Feedback zur Dokumentation! 

credit zur Abbildung: Flaticon under Flaticon license Free for personal and commercial purpose with attribution.


Die im Standardisierungsausschuss organisierten Einrichtungen sowie die regionalen und nationalen Bibliotheksverbünde im deutschsprachigen Raum mit ihren weit über 1000 Mitgliedern empfehlen, Normdaten in Kultur und Forschung für das Daten- und Qualitätsmanagement als notwendige Daueraufgaben entsprechend zu behandeln und auszubauen.


Im Rahmen des DFG-geförderte Projekt PID Network Deutschland werden von den Betreibern ausgewählter PID-Systemen Statements formuliert, in denen sie sich zu den Punkten Status Quo, Serviceangebote und Empfehlungen für die zukünftige Nutzung ihres PID-Systems Leitlinien äußern. Diese Statements fließen in eine umfassende nationale PID-Roadmap ein. Die Roadmap wird sich zum einen direkt an Kulturgut bewahrenden Einrichtungen und Forschungsinstitutionen richten und zum anderen an Fördermittelgeber der öffentlichen Hand. Als erste veröffentlicht die Deutsche Nationalbibliothek als Trägerin der Gemeinsamen Normdatei ihr Statement zur GND. Die GND ist die größte Normdatensammlung für Kultur- und Forschungsdaten im deutschsprachigen Raum. Die Metadaten zu Objekten in Wissenschaft und Kultur werden mit der Verwendung von GND-Normdaten mit ihren persistenten Identifikatoren (GND-IDs) sichtbarer und können in internationale Infrastrukturen eingebunden werden. Die GND-IDs fördern die umfassende Vernetzung von Kulturerbe und Wissenschaft. Das Statement findet die volle Unterstützung sowohl der GND-Kooperative selbst als auch des Standardisierungsausschusses als höchstes Steuerungsgremium der GND-Kooperative.

Die Empfehlung in Gänze im nebenstehenden PDF zum Download und zur Weiterverwendung.