Einsteigen in die Normdatenarbeit in Kooperation mit einer Bibliothek
Im ersten Vortrag berichtete Michael Franke-Maier von der Freien Universität Berlin über ein Einstiegsprojekt in die Erschließung mit Normdaten in Kooperation mit einer großen Bibliothek. Unter dem Motto „Together We Create“ entstand eine Kooperation der FU mit der Bayerischen Staatsbibliothek bzw. dem Bibliotheksverbund Bayern (KOBV). Das Projekt konnte damit auf das Know-how einer GND-Agentur und mehrerer dezentraler GND-Redaktionen zurückgreifen. Wichtig für den Gesamtworkflow ist die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Formalerschließung. Während die Formalerschließung auch durch Lokalredaktionen erfolgen konnte, wurde die Inhaltserschließung von den größeren beteiligten Einrichtungen durchgeführt. Die FU Berlin übernahm hierbei einen Teilbestand, während die Bayerische Staatsbibliothek als GND-Redaktion für die Entitäten Personen, Körperschaften und Geografika zuständig war. Die Redaktion für Sachbegriffe und anonyme Werke übernahm wiederum die Universität Augsburg. Neben der Neuerfassung von GND-Entitäten auf Level 1 sah das Projekt auch die Mitarbeit in GND-Gremien, Regelwerksschulungen und Beratung vor. Es gab eine umfangreiche Zusammenarbeit mit den KOBV-Bibliotheken, die mit der GND arbeiten, mit verschiedenen Fachinformationsdiensten (Sozial- und Kulturanthropologie an der HU Berlin, Anglo-American Culture & History an der FU Berlin und Gender an der HU Berlin) und weiteren Forschungseinrichtungen, z. B. der Baltisch Historischen Kommission, die sich durch eine große Expertise über Adelsfamilien auszeichnet. Insgesamt kann das Projekt für die Jahre 2024 und 2025 über 700 Neuansetzungen oder Uprades in der GND in den Entitäten Personen, Konferenzen, Geografika, Werke, Körperschaften und Sachbegriffe aufweisen. Für die Zusammenarbeit mit der Lokalredaktion Sacherschließung, den Fachinformationsdiensten und dem Projekt „Critical Library Perspectives“ wurden feste Workflows vereinbart. Eine länger andauernde Diskussion ging z. B. der Ansetzung des Sachbegriffs „Gender“ in der GND voraus, der im Februar 2024 realisiert wurde. Weitere GND-Einträge mit Genderbezug für in diesem Zusammenhang werden überarbeitet.
In seinem Fazit stellte der Referent fest, dass Bibliotheken - abhängig von Personalkapazitäten – immer für eine Kooperation offen waren und auch unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit möglich waren. Metadaten (und Normdaten) erweisen sich letztlich als Schlüssel für den Zugang zu Wissen (DBV-Positionspapier vom Dezember 2025). Die GND lebt von der Kooperation und entwickelt sich täglich weiter.
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Notizen aus der Breakout Session
In der ersten Breakoutsession zum Vortrag von Michael Franke-Meier wurde deutlich, dass die Unterschiedlichkeit der erfassten Entitäten, aber auch die Workflows in den Partnereinrichtungen die Arbeit der GND-Agentur abwechslungsreich gestalten. Eine Herausforderung ist etwa auch die Anlage fiktiver - etwa literarischer – Personen als Entität, weil Personendatensätze etwas keinen „Creator“ vorsehen. Auch lasse sich die Realität nicht immer normieren – beispielsweise werden nordamerikanische Reservate als Geografika angelegt, müssten aber ggf. eine Gebietskörperschaft sein. In der Community der Critical Libraries werden auch diskriminierende Begriffe diskutiert. Die Ansetzung von Normdaten muss auch insgesamt durch Diskussionen mit anderen (Fach-) Communities, etwa Archiven, weiterentwickelt werden. So gibt es etwa eine von Bibliotheken und Archiven gemeinsam geführte Diskussion zur Weiterentwicklung der Ansetzung von Ghettos zur Zeit des Nationalsozialismus, jedoch ohne Blaupause oder Erfahrung der Zusammenarbeit mit den bisher unterschiedlichen Erschließungskulturen. Es stellte sich auch die Frage nach Möglichkeiten der Normierung und Standardisierung in der archivischen Erschließung, der besonders nachdrücklich von der technischen Seite gefordert wird.
Kultur.Gut.Normieren mit den GND-Webformularen
Im zweiten Vortrag stellte Jens M. Lill vom Bibliotheksservicezentrum Konstanz die von der DNB bereitgestellten GND-Webformulare zur Eingabe von Personen und Körperschaften vor. Durch ihre einfache, bequeme und direkte Nutzbarkeit bieten sie einen niederschwelligen Zugang zur produktiven Neuansetzung von GND-Datensätzen. Sie zeichnen sich durch ein einfaches Design und intuitive Bedienbarkeit ohne Regelwerkskenntnisse aus, was sie für nicht-bibliothekarische Anwender*innen leicht nutzbar macht. Die abgespeicherten Eingaben landen unmittelbar in der GND und können sofort nachgenutzt werden. Gleichzeitig findet ein einfacher Dublettencheck statt. Möglich sind sowohl eine Neueingabe als auch eine Ergänzung von bereits vorhandenen Datensätzen. Nicht möglich ist allerdings die Zusammenführung von Dubletten, die dann in der redaktionellen Bearbeitung jeweils miteinander verlinkt werden. Hinweise oder Korrekturwünsche können über eine Korrekturanfrage bei der DNB hinterlegt oder bei der zuständigen GND-Agentur eingebracht werden. Voraussetzung für die Nutzung der GND-Webformulare ist die Registrierung bei der DNB fürs Log-in, ein sog. ISIL (International Standard Identifier for Libraries and Related Organizations) und die redaktionelle Betreuung durch eine GND-Agentur oder Bibliothek. Die GND-Agentur LEO-BW-Regional bietet außerdem regelmäßig Schulungen an. Inzwischen ist auch eine Agenturhandreichung für das Webformular vorhanden. Wichtig für die Eingabe neuer Datensätze sind auch die Beachtung der Eignungskriterien, ein berechtigter Bedarf, eine freie CC0-Lizenz, verlässliche Quellenangaben und Regelkonformität.
In seinem Fazit betonte der Referent die durchweg positiven Erfahrungswerte mit den bislang ca. 5500 neu eingebrachten Datensätzen. Zu den bisher vorhandenen Webformularen für Personen und Körperschaften/Organisationen soll noch 2026 ein Webformular für Gebietskörperschaften in dem Entitätstyp Geografika hinzukommen.
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Zusammenfassung der Breakout Session
In der zweiten Breakoutsession führte Jens M. Lill die Webformulare für Personen und Körperschaften anhand von Produktivdatensätzen vor (bzw. wurden auch neue Personendatensätze angelegt) und beantwortete Rückfragen aus dem Kreis der Teilnehmenden. Seitens der GND-Agentur LEO-BW-Regional besteht ein Angebot von 2 Schulungen im Jahr für Kultureinrichtungen aus Baden-Württemberg. Die nächste wird voraussichtlich im November/Dezember 2026 stattfinden.
Außerdem wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken beleuchtet und folgende Erfahrungen geäußert: Die gemeinsame Arbeit der GND-Agentur wird durch die Zusammenarbeit besonders abwechslungsreich, Neuerungen und Weiterentwicklungen in der Normdaten-Arbeit werden angestoßen, die eigene Arbeitsweise bereichert. Als aktuelles Beispiel dafür kann die Arbeit an der Ansetzung von Normdaten für NS-Ghettos dienen. Der Druck zur Standardisierung, der durch die technische Bedingtheit entsteht, wird auf archivischer Seite mitunter als Herausforderung wahrgenommen und zeigt unterschiedliche Erschließungstraditionen auf.
Data Literacy und GND-Referenzierung – praktische Erfahrungen aus dem Staatsarchiv Bamberg
Der dritte Vortrag "Data-Literacy und GND-Referenzierung am Staatsarchiv Bamberg " von Maximilian Stimpert war ein Fortsetzungsbericht basierend auf dem Projekt „Hands-on Normdaten!“, vom dem bereits beim 4. GND-Forum im September 2024 berichtet wurde. Data Literacy, d. h. Datenkompetenz (Daten lesen, erheben und verstehen) stellt ein zentrales Gebiet für Archivar*innen dar. Einzelne Themenfelder sind die Erschließung, die Bereitstellung von Informationen in Findmitteln und die Normdatenarbeit als Tool zur Sicherung der Datenqualität. Als Praxisbeispiel wurde die Einbindung von Personennormdaten ins AFIS aufgezeigt. Dabei kamen die Entitäten Ortsnamen, Personennamen und Sachbegriffe zum Einsatz. Im Zuge des Projekts gab hatte es eine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek und der GND-Agentur Bayerische Staatsbibliothek/Bibliotheksverbund Bayern gegeben. Die in den Erschließungsdaten vorhandenen Metadaten über Personen – beispielweise Angaben über Geschlecht, Beruf, Wirkungsort und Wirkungsdatum – stellen in der Regel eine gute Grundlage dar, um neue GND-Datensätze anzulegen. Als Beispiel führte der Referent den Wirkungskreis eines Bamberger Domkanonikers und der mit ihm verbundenen Personen, Orte und Körperschaften aus. Bei einer Bearbeitungsdauer von vier Wochen konnten insgesamt zwei Archivbestände, 685 Verzeichnungseinheiten und 761 Entitäten bearbeitet sowie 324 GND-Datensätze eingebunden werden. In seinem Fazit stellte er kurz und knapp fest: Mitmachen lohnt sich!
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Angeregte Diskussion in der Breakout Session
Die dritte Breakoutsession widmete sich dem Impulsvortrag von Maximilian Stimpert. Es wurde über die Frage gesprochen, wie man am besten die Metadaten vorhält, die zur Anlage neuer benötigter Datensätze in der GND dienen können. Herr Stimpert berichtete, dass dies beim Staatsarchiv Bamberg bislang parallel in einer Excel-Tabelle in entsprechend strukturierter Form erfolge. Herr Haslauer wies auf den Beispielworkflow für den Import von Personendatensätzen in die GND hin, den das Staatsarchiv Bamberg zusammen mit den GND-Agenturen BSB/BVB und Text+ (SUB Göttingen) zur Nachnutzung entwickelt hat (siehe Beschreibung und Links in der IG-Handreichung "Tipps & Tricks für die erfolgreiche Nutzung von Tools zum Einsatz der GND im Archiv", Abschnitt IV 3).
Der Erfahrungsaustausch über den GND-Abgleich anhand der lobid-gnd-Schnittstelle in OpenRefine sowie über die ins AFIS implementierte SRU-Schnittstelle zeigte, dass die automatisierte Vorgehensweise zwar bei bestimmten Szenarien vorteilhaft genutzt werden kann (v.a. bei vielen gleichen Entitäten in den Datensätzen), darüber hinaus aber an Grenzen stoße, sodass immer noch in größerem Maß intellektuelle, händische Arbeiten erforderlich sind. Daher gingen mit dieser Qualitätssicherung nicht unerhebliche Aufwände einher. Je eindeutiger bzw. besser strukturiert die Daten jedoch vorliegen, desto besser funktioniere der Abgleich. Betont wurde die Bedeutsamkeit, auch Körperschaften mit der GND zu verknüpfen, da sich hiermit Bestands- bzw. Provenienzbildner abbilden lassen. Ob die empfehlenswerte Verknüpfung von GND-IDs auf Bestandsebene möglich ist, ist jedoch vom eingesetzten AFIS abhängig. Grundsätzlich ist beispielsweise die Möglichkeit zur Einbindung von Körperschafts-GND-Datensätzen in die VZEs bei den Staatlichen Archiven Bayerns in Planung.
Festgehalten wurde auch, dass eine Weiterentwicklung der AFIS-Systeme vor allem in zwei Richtungen wünschenswert wäre. Dies beziehe sich einerseits auf möglichst flexible und zielführende Abgleichfunktionen (Abgleich über mehrere Felder), so dass ein aufwändiger Ex- und Import der Daten zur Bearbeitung mit Tools außerhalb des AFIS überflüssig werde. Zum anderen gehe es um die Bereitstellung von Export-Workflows, mit denen Metadaten über die Entitäten beispielsweise in einem Thesaurus strukturiert erfasst und anschließend automatisiert im MARC-Format der GND zugeführt werden können.
Unstrittig waren die Aufwände, die mit der Aufnahme von Entitäten einhergehen, etwa mit der Erfassung mehrerer Personen (z.B. Korrespondenzpartnern) je Verzeichnungseinheit. Betont wurde aber auch, dass die GND-Referenzierung gerade im Archivportal-d die Aufmerksamkeit und die Reichweite steigere. Im Hinblick auf die strategische Ausrichtung von Archiven trage die GND-Nutzung bei der Erschließung zu erhöhter Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und Interoperabilität der Daten bei sowie auch zu deren Qualität und zur automatisierten Nachnutzbarkeit etwa durch die Digital Humanities, die auf qualitativ hochwertige Daten angewiesen seien. Datenbereinigung und Homogenisierung seien daher wichtige Arbeitsziele für die Archive. Inwiefern eine KI-gestützte Entitätenerkennung und Verlinkung mit der GND in der Zukunft zuverlässig möglich sein wird, bleibt abzuwarten.
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Notizen aus der Breakout Session
Die vierte Breakoutsession nutzten viele der Teilnehmenden um sich über den künftigen Dienst GNDplus tiefergehend zu informieren. Die Referentin Sarah Hartmann betonte nochmals, dass Ergänzungen und neu vorgeschlagene Entitäten in GNDplus zwar in einer eigenen Datenbank liegen, aber über den GND Explorer angezeigt werden. Es wurde angeregt, dass die Daten aus GNDPlus auch in LOBID eingebunden werden sollten. Vorgeschlagene Entitäten oder Korrekturen können, wenn sie den Regeln entsprechen und die technischen Möglichkeiten vorliegen, später in die GND übernommen werden. Nicht in allen Fällen wird dies allerdings möglich sein, z. B. weil das Format der GND dies nicht zulässt. Die Übernahme in die GND soll über ein redaktionelles Verfahren gesteuert werden. Beim Anlegen eines neuen Datensatzes in GNDplus wird sofort ein Persistent Identifier vergeben, der auch direkt zurück geliefert wird. Identifier von Entitäten, die nicht mehr gültig sind (z.B. bei Umlenkungen oder Zusammenlegung von Dubletten), bleiben erhalten bzw. es wird dokumentiert, dass diese nicht mehr verwendet werden. Weitere Anwendungsmöglichkeiten für GNDplus können etwa akademische Jahresfeiern als Veranstaltungen oder aber generell als Sachbegriff sein. Auch im Bereich GNDPlus bedarf es einer Registrierung und der Kooperation mit einer Redaktion/Agentur, die langfristig die Pflege der Daten gewährleistet. Sie entscheidet auch über die Übernahme eines Datensatzes. In GNDplus kann auch kooperativ an einem Datensatz gearbeitet werden. Dies ist ein Vorteil, wenn in einer Institution nicht genügend Merkmale (Metadaten zu der jeweiligen Entität) für einen vollständigen Datensatz vorliegen. Es könnte dann z. B. eine andere Institution weitere Merkmale (Metadaten) ergänzen. Historische Geokoordinaten können auch, entsprechend gekennzeichnet, ergänzt werden.
In GNDplus wird kein allumfassende neues Datenmodell für alle community-spezifischen Metadaten verwendet, sondern es werden für bestimmte Anwendungskontexte konkrete Lösungen für spezifische Bedarfe, z. B. für ergänzende Merkmale, die nicht in der GND vorgehalten werden können, gefunden.
Die Archiv-Community rund um die Gemeinsame Normdatei (GND) ist sowohl engagiert als auch treu. Ein Beleg für diese Aussage: Wir stehen kurz vor dem sechsten GND Forum Archiv in fünf Jahren und erwarten wieder über einhundert interessierte Gäste. Es sollte Sie daher nicht überraschen, wenn das Motto unter dem dieses GND Forum steht, “Mitmachen!” lautet. Genau – mit einem Ausrufezeichen. “Mitmachen” ist nicht nur ein Label, mit dem man viele der Beiträge, die Teil des Programms sein werden, kennzeichnen kann, sondern zugleich eine Einladung an alle Institutionen und Mitarbeitenden im breiten Feld der Archive, die GND aktiv zu nutzen und mitzuwirken. Wie das möglich ist und was das möglicherweise an Arbeit und an Aufbau von Infrastruktur bedeutet, wird Gegenstand unter anderem des Publikumsgesprächs “Wann macht die Gründung einer GND-Agentur Sinn?” mit den Expert*innen sein. Eine Übersicht zum Programm bietet der Eintrag auf der GND-Website, alle Details zu den Referent*innen und Uhrzeiten hat die Interessengruppe Archiv im STA-Community Wiki veröffentlicht. Wie schon gewohnt, werden auch in diesem GND Forum die Formate Vortrag und Impuls mit Formaten der Publikumsbeteiligung rhythmisiert. Das heißt, direkt am 16. März 2026 im 6. GND Forum Archiv können auch Sie aktiv mitmachen.
Die Eckpunkte der Veranstaltung:
Termin: 16. März 2026, von 09:30 bis 13:00 Uhr
Ort: online, eine Anmeldung ist nicht erforderlich
Zielgruppen: Mitarbeitende und Interessierte in Archiven, Bibliotheken und darüber hinaus
Die Veranstalter sind:
Aufmerksame Fans des Formats bemerken sicherlich, dass seit dem letzten Forum (April 2025) ein neuer Partner hinzugekommen ist.
Zu den vorangegangenen GND-Foren Archiv:
#5 GND Forum Archiv, 4. April 2025 (Dokumentation)
#4 GND Forum Archiv, 23. September 2024 (Dokumentation)
#3 GND-Forum Archiv, 24. November 2023 (Dokumentation)
Rückblick auf den Feedbackworkshop zur GND-Dokumentation am 24.11.2025
Mit der sukzessiven Veröffentlichung der Erfassungsregeln für die Normdatensätze der Gemeinsamen Normdatei auf der STA-Dokumentationsplattform im September hat die GND-Kooperative einen großen Schritt hin zur Fortschreibung ihrer Öffnung für die Expertise weiterer Communitykreise getan. In einem Workshop zur GND-Dokumentation bekamen Mitglieder aus Museen, Archiven und Forschungseinrichtungen, die mit der GND arbeiten, Gelegenheit, zu deren Struktur, Bedienfreundlichkeit und Verständlichkeit Feedback zu geben. Die Inhalte und Ergebnisse fasst dieser Blogpost zusammen.
Die Farbfolge eines Regenbogens folgt ganz ohne menschlichen Zutuns den immer gleichen Regeln.
Credit: Andrea Stöckel, public domain via public domain pictures
Von Regeln und ihrem Nutzen
Ein Regenbogen, die Schwerkraft und die Trägheit der Masse folgen den immer gleichen Naturgesetzen - auch wenn uns das Anthropozän gerade hier zum Umdenken zwingt. In zwischenmenschlichen Bereichen helfen Regeln, Konflikte zu vermeiden, Prozesse zu effektivieren und die Zusammenarbeit zu fördern. Oft genug sind es genau die Regeln oder besser die Befolgung derselben, die zu einer besseren Qualität führen. Sei es mehr Sicherheit im Straßenverkehr durch die Straßenverkehrsverordnung oder die Verwendung von genormten Material im Bau. Oder mehr Vergleichbarkeit durch standardisierte Ausschreibungsverfahren oder mehr Gerechtigkeit durch Gesetze, die für alle gelten. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. In der digitalen Transformation des Kulturbereichs ebenso in der Wissenschaft und Forschung sollen gemeinsame Standards, letztlich Regeln, für mehr Interoperabilität, Vernetzung und verbesserte Auffindbarkeit beziehungsweise Sichtbarkeit der digitalisierten Inhalte sorgen. Eine besondere Rolle nehmen hier Normdaten ein. Die Daten der Gemeinsamen Normdatei (GND) bieten den Vorteil, dass sie auch unabhängig von dem Stand der Standardisierung insgesamt bereits all das oben Genannte unterstützen. Sie sind sozusagen die Vorhut der Standardisierung. Dies erklärt den hohen Nutzungsgrad der GND-Daten als persistentes Referenzsystem in Kultur und Forschung im deutschsprachigen Raum. (weitere Informationen: Erste Ergebnisse der Umfeldanalyse wurden in Form eines Whitepapers veröffentlicht: Schlösser, M., Schäffer, J., von Hagel, F., & Schäfer, F. (2024). Überblick über das Forschungsdatenmanagement in Museen und Universitätssammlungen. Zenodo. https://zenodo.org/records/13789201)
Durch die verstärkte Nutzung der GND-Daten ergeben sich gerade in ihrer bedarfsorientierten Ansetzung auch erhöhte Bedarfe an neuen GND-Datensätzen oder an Ergänzung von bestehenden. Damit jedoch Normdaten ihre Referenzfunktion wirklich erfüllen können, müssen sie verlässlich sein. Diese Verlässlichkeit wird letztlich durch Regeln definiert und garantiert. Die Regeln, nach denen die GND-Datensätze angelegt werden, basieren wiederum auf internationalen Standards, niedergelegt im Regelwerk Resource Description Access – für den deutschsprachigen Raum in der Kurzform RDA DACH genannt. Vor der Veröffentlichung der STA-Dokumentationsplattform regulierte ein Lizenzmodell den Zugang zum RDA-Toolkit, mit dem Erschließende sich im Zweifel über die regelkonforme Darstellung von Katalogsdaten, wie Titel, Autor, Werk oder Ort, informieren konnten. Dieses Toolkit wurde ergänzt durch eine Vielzahl von aufeinander verweisenden und bezugnehmenden Textblättern, den Erfassungsleitfäden und Erfassungshilfen zur GND. Sich in diesem Geflecht zurecht zu finden war schwierig, auch wenn die Textblätter an sich über die Deutsche Nationalbibliothek allgemein zugänglich waren. Es ist daher nur folgerichtig, dass mit der Öffnung der GND auch die Regeln zu ihrer Erfassung transparenter, partizipativer und vor allem lizenzfrei zugänglich gemacht werden mussten. Mit der Veröffentlichung der Erfassungshilfen für Akteure, Geografika und Körperschaften in der GND-Dokumentation sind wir diesem Meilenstein erheblich näher gekommen. In den kommenden Monaten sollen die Regeln für Werke, Konferenzen und Sachbegriffe folgen.
Mit einer Workshopreihe begleitet die GND-Interessengruppe “Museen und Sammlungen” (IG MuS), unterstützt durch Mitarbeitende der GND-Zentrale, den Publikationsprozess. Eine Einführung in die Thematik erfolgte in dem ersten Workshop im Februar. Im Wesentlichen umreissen die beiden ersten Absätze des Blogposts die Perspektive der GND, wie das Thema im Workshop behandelt wurde. Der nebenstehenden Präsentation sind weitere Aspekte zu entnehmen.
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Vortrag zum ersten Workshop der IG MuS zur GND Dokumentation
Eine Einführung in die Arbeit mit der GND-Dokumentation
Für den Online-Workshop am 24. November konnten sich die Teilnehmenden aus der IG MuS und weitere Interessenten unmittelbar mit der GND-Dokumentation befassen. Dazu war zunächst eine Einführung in die Struktur der STA-Dokumentationsplattform mit ihren Bestandteilen Allgemeines, RDA DACH und GND erforderlich. Dies übernahm Andrea Hemmer (DNB). Sie erläuterte zu Beginn die inhaltlichen Abhängigkeiten zwischen RDA DACH und der GND am Beispiel von den Regeln zur Darstellung von Akteuren. Sie präsentierte unterschiedliche Möglichkeiten zur Suche und allgemein Begrifflichkeiten und Funktionalitäten der Plattform. Dann ging sie detailliert auf die Funktionen und Inhalte der GND-Dokumentation ein. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang, dass der bereits erprobte offene Redaktionsprozess für den Standard RDA DACH künftig auch Diskussionen zu den Regeln in der GND-Dokumentation ermöglicht. Damit können community-spezifische Bedarfe durch Anwendergruppen und solche allgemeiner Natur adressiert und transparent umgesetzt werden. Die gesamte text- und abbildungsreiche Präsentation ist nebenstehend nachzulesen.
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Die Folien von Andrea Hemmer (DNB) als PDF.
Feedback gewünscht
Zentrales Element des Workshops war selbstverständlich das eigenständige Testen der Dokumentation durch die Teilnehmenden selbst. Aufgeteilt in kleine Gruppen versuchten sie die nebenstehenden Aufgaben zu lösen. Ausgangspunkt war der Bedarf, einen regelkonformen GND-Datensatz zur Nadia Boulanger anzulegen.
Alle Teilnehmenden lösten die Aufgabe ohne Probleme. Der GND-Datensatz zu “Boulanger, Nadia” sollten mit dem Entitätencode piz, dem Ländercode XA-FXFR, den Lebensdaten * 16. September 1887 † 22. Oktober 1979 korrekt verknüpft werden, außerdem wären die Angaben zum Geburts-, Sterbe- und Wirkungsort als weitere Individualisierungsmerkmale, hier jeweils “Paris”, ebenso wie die Angabe ihres Berufes “Komponistin” ergänzt durch die Bezeichnung der Relationierung zu dem bereits vorhandenen GND Datensatz ihrer Schwester Lilli möglich. Die Leser*innen mögen selbst die Aufgabe in der GND-Dokumentation nachvollziehen, vielleicht zunächst ohne den in der obigen Lösung angegebenen Links zu folgen.
Natürlich fällt es jemandem, der nur sehr selten einen GND-Datensatz anlegen möchte, schwerer, sich in der Dokumentation zurecht zu finden als jemandem, zu dessen täglichen Aufgaben die GND-Arbeit gehört. Die Dokumentation bietet keine Eingabemaske für Entitätstypen, sondern bildet nur die Regeln zu deren Erfassung ab. Im Einzelfall kann eine detaillierte Schreibanweisung beim Anlegen von Datensätzen helfen. Neben kleineren Hinweisen zur Verbesserung der Verständlichkeit, wie der Erläuterung des Bibliotheksterms “Sucheinstieg”, lobten die Teilnehmenden die gute Verständlichkeit der Texte, die Erläuterungen mit Beispielen und das Farbkonzept zur leichteren Orientierung. Der für das zweite Quartal 2026 geplante dritte Feedbackworkshop wird sich dann den bis dahin hoffentlich vorliegenden Trainingsmaterialien zur GND-Doku widmen. Wir werden Sie informieren.
Bis dahin testen Sie gern selbst die GND-Dokumentation und lassen Sie uns Ihren persönlichen Kommentar zukommen. Auf jeder Seite der STA-Dokumentationsplattform finden Sie unten in der Menüleiste ein kleines Sprechblasen-Symbol; dies öffnet eine E-Mail an die Arbeitsstelle für Standardisierung mit dem entsprechenden Weblink in der Betreff-Zeile. Schreiben Sie uns, wenn Sie einen Tippfehler, einen Textfehler, eine Anmerkung oder ein Lob hinterlassen möchten. Wir freuen uns.
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Screenshot der Aufgaben im Feedbackworkshop zur GND-Dokumentation
Dokumentation des vierten projektübergreifenden Agenturentreffens am 30.9. 2025 an der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main
Ein Online-Workshop der IG Archiv zur Erörterung des Bedarfs an Lernangeboten zur Arbeit mit der Gemeinsamen Normdatei (GND)
Die Dokumentation
Rund 80 Teilnehmende folgten der Einladung der Interessengruppe Archiv im Netzwerk der GND sich mit dem Thema “Wie lernt man Normdaten nutzen und schaffen?” aktiv auseinanderzusetzen. Der Workshop war öffentlich und fand am 19. September 2025 online statt. Die Teilnehmenden kamen aus allen Archivsparten und mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen zum Thema Normdaten allgemein und der GND im Archiv im Besonderen. Den unterschiedlichen Voraussetzungen der Teilnehmenden wurde die Veranstaltung gerecht, indem sie einerseits bestehende, zum Teil einführende Handreichungen speziell für Archivmitarbeitende vorstellte, die die IG Archiv jüngst veröffentlicht hat:
Einsatz von GND-Normdaten im Archiv : archivische Relevanzkriterien | Die GND im Archiv : Handreichung zur Nutzung von Normdaten | Tipps & Tricks für die erfolgreiche Nutzung von Tools zum Einsatz der GND im Archiv |
| Version 1.1 (August 2025) | ||
Dazu auch der Vortrag von Dr. Stephanie Marra, Universitätsarchiv Dortmund Zum Lesen klicken | Dazu auch der Vortrag von Dr. Johannes Haslauer, Staatsarchiv Bamberg Zum Lesen klicken |
Zum anderen bot der Vortrag von Barbara Fischer (DNB) zum derzeitigen Angebot von Informations- und Lehrmaterialien zur Nutzung und Mitarbeit in der GND einen Einstieg in die Diskussion zu den spezifischen Bedarfen der Community.
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Letztlich zeigte die Diskussion, dass nach wie vor viele der bestehenden Angebote und Materialien noch nicht hinreichend bekannt sind. Dem will die IG Archiv künftig durch verstärkte Vermittlungsarbeit Rechnung tragen. Aufgeworfene Fragen und Bedarfe betrafen im Weiteren das Angebot an unterstützenden GND-Agenturen in der jeweiligen Region bzw. Archivsparte, die verbesserte Verankerung des Themas Normdaten zur Referenzierung transinstitutioneller Bestände in der Aus- und Fortbildung von Archivar*innen sowie schließlich die Anleitung zur integrierten Nutzung von Normdaten in unterschiedlichen Archiv-Informationssystemen. Thematisiert wurde ebenfalls die Methode der Vermittlung: Kurse mit Interaktionsmöglichkeiten für Lernende erscheinen vielfach attraktiver als Lernangebote zum Selbststudium. Insbesondere dem Thema “GND-Agentur”, Aufgaben und Einrichtung, wurde viel Bedeutung zugesprochen. Darauf soll eine künftige Veranstaltung der IG Archiv näher eingehen.
Veranstaltungshinweise zum Thema Schulung und Normdaten
Ergänzend und erweiternd noch die gesammelten Hinweise der Teilnehmenden zu passenden Veranstaltungen oder Material und eine Sammlung von weiterführenden Links, die im Chat oder auf den Folien Erwähnung fanden:
- BSZ Schulungen: https://wiki.bsz-bw.de/spaces/SWB/pages/3444994/Schulungen für (bibliothekarische) Verbundteilnehmer hier u.a. RDA- und GND-Schulungen, verschiedene Termine pro Jahr
- Archivämter der Landschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen:
- LWL-Archivamt Münster: GND wird integriert behandelt in Fortbildungsseminaren z.B. zur Fotoarchivierung (https://www.lwl-archivamt.de/de/aus-und-fortbildung-fachtagung/fortbildungsseminare/fortbildungsseminare/);
- LVR-Archivamt Pulheim: GND war auch Thema der diesjährigen "Summer Lectures" (siehe Vortrag von Dr. Andreas Marquet, Archiv der sozialen Bewegung der FES: https://afz.lvr.de/de/presse/meldung/meldung_37376.html); ggf. GND thematisiert im Hackathon des LVR-AA zur Sichtbarkeit von ARchivdaten im Archivportal NRW (https://ems.lvr.de/microsite/index.cfm?l=35E27F3C259023AEC3189AF5460F6671&sp_id=1)
- SODa = Datenkompetenzzentrum für Universitätssammlungen (hauptsächlich, aber nicht nur!) bietet Veranstaltungen rund ums Forschungsdatenmanagement sowie OpenRefine-Sprechstunden an: https://sammlungen.io/events bzw. generell zu SODa (Intention, Projekte, Publikationen etc.): https://sammlungen.io/
- Die Vortragsreihe „From Books to Bytes“ stellt regelmäßig aktuelle Themen und relevante Anwendungsfelder vor (alle Vortragsaufzeichnungen auf Youtube vorhanden)
- AS Marburg: in einem mehrtägigen Fortbildungsseminar von Herrn Björn Steffenhagen M.A. (Wiss. Archivar am LA Sachsen-Anhalt) wird die GND-Verwendung im Archiv mit hematisiert, "Semantische Technologien und der Einsatz von Normdaten in der archivischen Erschließung", Link findet auch 2026 wieder statt
- Das Schulungsangebot zum GND Webformular der GND Agentur Leo BW regional Weitere Infos & Anmeldung unter link
Nützliche Links aus dem Chat und von den Folien:
- Einführungsvortrag zur GND in den Archiven: “Einfach normiert für Archive”, 2024, von Barbara Fischer (DNB) https://zenodo.org/records/11086254
- E-Learnings zur GND Nutzung und Anwendung https://gnd.network/Webs/gnd/DE/UeberGND/Infothek/E-Learning/eLearning.html
- Die benutzerfreundliche Recherche von GND IDs unterstützt der GND explorer https://explore.gnd.network/
- Zum öffentlichen Bereich der IG Archiv im STA Community Netzwerk https://wiki.dnb.de/display/STAC/IG+Archiv
- Alle bisher erschienenen Papiere der IG Archiv finden sich hier: https://wiki.dnb.de/display/STAC/IG+Archiv+%7C+Dokumente
- Was sind Normdaten? Ein Video von NFDI4Culture https://av.tib.eu/media/60986
- Die Dokumentation der Regeln zur Erstellung von GND Datensätzen https://sta.dnb.de/doc/GND
- Abgleich 'unsauberer' Ortsnamen mit der GND in OpenRefine: https://histocat.uni-trier.de/#/document/43
Die im Standardisierungsausschuss organisierten Einrichtungen sowie die regionalen und nationalen Bibliotheksverbünde im deutschsprachigen Raum mit ihren weit über 1000 Mitgliedern empfehlen, Normdaten in Kultur und Forschung für das Daten- und Qualitätsmanagement als notwendige Daueraufgaben entsprechend zu behandeln und auszubauen.
Im Rahmen des DFG-geförderte Projekt PID Network Deutschland werden von den Betreibern ausgewählter PID-Systemen Statements formuliert, in denen sie sich zu den Punkten Status Quo, Serviceangebote und Empfehlungen für die zukünftige Nutzung ihres PID-Systems Leitlinien äußern. Diese Statements fließen in eine umfassende nationale PID-Roadmap ein. Die Roadmap wird sich zum einen direkt an Kulturgut bewahrenden Einrichtungen und Forschungsinstitutionen richten und zum anderen an Fördermittelgeber der öffentlichen Hand. Als erste veröffentlicht die Deutsche Nationalbibliothek als Trägerin der Gemeinsamen Normdatei ihr Statement zur GND. Die GND ist die größte Normdatensammlung für Kultur- und Forschungsdaten im deutschsprachigen Raum. Die Metadaten zu Objekten in Wissenschaft und Kultur werden mit der Verwendung von GND-Normdaten mit ihren persistenten Identifikatoren (GND-IDs) sichtbarer und können in internationale Infrastrukturen eingebunden werden. Die GND-IDs fördern die umfassende Vernetzung von Kulturerbe und Wissenschaft. Das Statement findet die volle Unterstützung sowohl der GND-Kooperative selbst als auch des Standardisierungsausschusses als höchstes Steuerungsgremium der GND-Kooperative.
Die Empfehlung in Gänze im nebenstehenden PDF zum Download und zur Weiterverwendung.



















