Zwei bekannte Akteure vereint unter einem neuen Dach
Die GND-Nutzung wird sichtbarer, aber das zu erklären braucht etwas mehr Text.
aus Anlass des GND-Forums Humanities@NFDI am 23. und 24. Juno in Göttingen
Am 23. und 24. Juni 2026 veranstaltet das Kleeblatt der NFDI-Konsortien mit der GND-Zentrale ein gemeinsames GND-Forum zum ersten Mal vor Ort in Göttingen. Viele Leser*innen werden sich an das online GND-Forum NFDI, FID & Co im Dezember 2024 noch erinnern. Wir erwarten gut 80 Personen zu diesem Arbeitstreffen rund um die Gemeinsame Normdatei (GND). Das Kleeblatt, das sind die vier geisteswissenschaftlichen Konsortien NFDI4Culture, NFDI4Memory, NFDI4Objects und Text+, die zusammen das Gros der Geisteswissenschaften abdecken und zugleich auch alle GLAM-Sparten ansprechen. Ziel der NFDI insgesamt ist es, eine nationale Infrastruktur für Forschungs-, Sammlungs- und Metadaten aufzubauen, die gleichermaßen für alle Forschenden zugänglich und nutzbar ist. Doch der Weg dahin ist langwierig, voller Abenteuer, komplexer und intensiver Arbeit. Es braucht sowohl technische Angebote, aber - und wer aus der GND-Gemeinschaft würde das nicht bestätigen - natürlich auch Debatten und einen Rahmen, in dem ein konsensuales Verständnis entwickelt werden kann. Es braucht eine Organisationsstruktur, definierte Workflows, Standards und letztlich eine gemeinsame Sprache, damit das Bezeichnete auch von allen gemeint und gefunden wird. Es braucht so etwas wie eine Lingua Franca.
Vielleicht denken jetzt manche Lesende, dass das pragmatische, nicht immer kunstvolle und sich stets aus vielen Kontexten bedienende Konzept der Lingua Franca gerade das Gegenteil der geordneten, kontrollierten und regelbasierten GND ist. Das stimmt schon und dann wieder doch nicht. Denn, um miteinander handeln zu können, teilen beide Konzepte die Funktionen: Verständigung sicherstellen, Eindeutigkeit bewirken und Brücken schlagen. Auf der einen Seite zwischen Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, und auf der anderen Seite zwischen Ressourcen, die sich in unterschiedlichen Domänen und Kontexten befinden.
Die Eckdaten
Termin
Start: Dienstag, den 23. Juno 11:30 Uhr; Registrierung
Ende: Mittwoch, den 24. Juno 2026 12:30; Veranstaltungsende
Ort
Clubräume der Zentralmensa des Studierendenwerks der Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 4, 37073 Göttingen
Anmeldung bis 16.6.2026
Eine Anmeldung ist erforderlich. Es wird keinen Stream geben können. Die Plätze sind beschränkt. Nutzen Sie zur Anmeldung diesen Link.
Das Konzept “lingua franca”
GND ID gnd/041677455
Die ursprüngliche Bedeutung der lingua franca (Ital. – „fränkische Sprache“) bezieht sich auf eine bestimmte Pidgin-Sprache, die bis ins 19. Jahrhundert an der Süd- und Ostküste des Mittelmeers als Handels- und Verkehrssprache verwendet wurde. Sie basierte auf romanischen Sprachen, aber enthielt Elemente nicht-romanischer Sprachen, hauptsächlich des Arabischen. Heutzutage wird der Begriff lingua franca als Bezeichnung für eine Sprache verwendet, die von Sprechern verschiedener Muttersprachen als gemeinsame Verkehrssprache genutzt wird. Englisch ist heute eine klassische lingua franca.
Textquelle: Glossar ICUD Seminar
Das Göttinger Programm
Das Programm wendet sich an Forschende und Mitarbeitende in den Geisteswissenschaften, deren Fachinformationsdienste, in wissenschaftlichen Bibliotheken, Musik-, Kunst- und Museumsbibliotheken sowie in Einrichtungen des kulturellen Erbes und anderen Sammlungen jeweils mit Bezug zu den NFDI-Konsortien des Kleblatts und zur GND. Das Programmkonzept für dieses GND-Forum vor Ort in Göttingen sieht drei Teile vor. Neben den Inhalten liegt den Veranstaltern besonders die aktive Partizipation aller Forumgäste am Herzen. Das spiegeln die auf den ersten Blick eventuell ungewöhnlichen Bezeichnungen der drei Veranstaltungsteile wider. Am ersten Tag fokussieren wir die praktischen Fragen, um uns am zweiten Tag Zeit für den Austausch zum weiteren gemeinsamen Vorgehen zu nehmen.
Teil 1 Ein Parcours der Tools und Anwendungen
In den vergangenen Jahren sind in den vier Konsortien wie auch in der GND-Zentrale neue Tools, Anwendungen und Services rund um die GND entstanden. Zwölf davon stellen wir den Teilnehmenden in einem Drei-Runden-Parcours vor.
Teil 2 Der Entitätstypen Fishbowl
Die Ursprünge der GND sind tief in den Bedarfen der bibliothekarischen Erschließung verankert. Ihre Regeln basieren im Wesentlichen auf zwei bibliothekarischen Standards, der verbalen Inhaltserschließung (RSWK) und dem RDA-DACH. Durch die Öffnung der GND und dem Wunsch, weitere Anwendergemeinschaften zu integrieren, kommen neue Perspektiven auf die Entitätstypen ins Spiel. Vor allem die Konzepte für “Werke”, “allgemeine und Individualbegriffe”, “Geografika” und “Körperschaften” werden von Forschenden aus den Geisteswissenschaften und dem Kulturbereich gewissermaßen als Maßanfertigungen für Bibliotheken erlebt, während sie von Bibliothekar*innen eher als One-Size-Fits-All betrachtet werden. Im Fishbowl-Format bekommen alle Teilnehmenden die Chance, sich auszutauschen, die Sichtweise des jeweils anderen besser zu verstehen und vielleicht schon Lösungswege zu skizzieren. Vier 40 minütige Fishbowls stehen den Forumgästen offen zum Eintauchen.
Teil 3 Ein Strategie Pow Wow
Pow Wows wurden ursprünglich von indigenen Gruppen in Nordamerika abgehalten, um unterstützt durch ein geregeltes Format zu Beschlüssen zu finden, die die Gemeinschaft als Ganzes betrafen. In einem metaphorischen Sinne nutzen heute auch viele andere Communities den Begriff. Wir wollen damit andeuten, dass hier nicht Top-Down eine Marschrichtung vorgegeben werden soll. Vielmehr versuchen die Veranstalter, möglichst viele der Anwesenden in einen Dialog zu zwei zentralen Fragen einzubeziehen:
- Zwischen Minimum und Maximum: Was können GND und NFDI für ein funktionales Datenökosystem leisten?
- Wie können wir uns gegenseitig unterstützen, um unsere Vorstellungen umzusetzen?
Ausgangspunkte der Diskussion sind einerseits die Eindrücke und Ergebnisse des Vortages. Zum anderen wird Jürgen Kett (DNB) in einem pointierten Vortrag skizzieren, welche Chancen und Herausforderungen das Konzept der GND als Lingua Franca für die geisteswissenschaftlichen Konsortien und für die GND insgesamt bietet. Anschließend diskutiert ein Panel zusammen mit den Teilnehmenden die obigen Fragen sowie weitere auftauchende Aspekte.
Das vollständige Programm und den Link zur erforderlichen Anmeldung finden Sie auf der Veranstaltungsseite der GND-Website. Für diejenigen, die nicht vor Ort in Göttingen dabei sein können, werden wir im Anschluss an die Veranstaltung in diesem Blog die Ergebnisse dokumentieren.
Die Zentralmensa der Göttinger Universität ist der Veranstaltungsort des GND-Forums Humanities@NFDI
Die Veranstalter
(in alphabetischer Reihenfolge)
GND-Zentrale an der Deutschen Nationalbibliothek
Text+ an der SUB Göttingen
Einsteigen in die Normdatenarbeit in Kooperation mit einer Bibliothek
Im ersten Vortrag, unter dem Motto "Together We Create", berichtete Michael Franke-Maier von der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin über die Strukturen der Normdatenarbeit innerhalb der strategischen Allianz zwischen dem Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg, der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Bibliotheksverbund Bayern. Innerhalb der Allianz kann damit auf das Know-how von zwei großen GND-Agenturen (KOBV und BSB/BVB), drei erfahrenen GND-Verbundredaktionen (UB der FU Berlin, BSB und UB Augsburg) und mehrerer dezentraler, sehr gut vernetzter GND-Lokalredaktionen zurückgegriffen werden.
Für den Teilbestand Sacherschließung übernimmt die Verbundredaktion an der Universitätsbibliothek der FU Berlin für den gesamten KOBV die redaktionellen Arbeiten, während die Verbundredaktion der Bayerischen Staatsbibliothek für die Entitäten Personen, Geografika, Körperschaften und Konferenzen, Schriftdenkmäler und Werke mit geistigem Schöpfer für ihre Institution und den BVB zuständig ist. Die Redaktion für Sachbegriffe und anonyme Werke der Sacherschließung für BSB und BVB übernimmt die Verbundredaktion an der Universitätsbibliothek in Augsburg.
Wichtig für den Gesamtworkflow der GND-Agentur des KOBV ist die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Formalerschließung. Während dort die Formalerschließung auch durch dezentrale Lokalredaktionen erfolgt, wird Normdatenarbeit für die Inhaltserschließung an der Universitätsbibliothek der Freien Universität zentral durchgeführt.
Neben der Neuerfassung von GND-Entitäten auf Level 1 arbeitet die GND-Verbundredaktion für die Inhaltserschließung auch in GND-Gremien mit, führt Regelwerksschulungen (RSWK) durch und berät KOBV-Teilnehmerbibliotheken bei Fragen. Dabei arbeitet sie mit den GND-Anwenderbibliotheken des KOBV, mit verschiedenen Fachinformationsdiensten (Sozial- und Kulturanthropologie an der HU Berlin, Anglo-American Culture & History an der FU Berlin und Gender an der HU Berlin) und weiteren Forschungseinrichtungen, z. B. der Baltisch Historischen Kommission, zusammen. Insgesamt wurden in den Jahren 2024 und 2025 über 700 Neuansetzungen oder Upgrades in der GND in den Entitäten Personen, Körperschaften, Konferenzen, Geografika, Werke und Sachbegriffe gemacht. Für die Zusammenarbeit mit Lokalredaktionen, den Fachinformationsdiensten und dem Projekt „Critical Library Perspectives“ wurden unterschiedliche Workflows vereinbart. Eine länger andauernde Diskussion ging z. B. der Ansetzung des Sachbegriffs „Gender“ in der GND voraus, der im Februar 2024 realisiert wurde. Weitere GND-Einträge mit Genderbezug werden überarbeitet.
In seinem Fazit stellte der Referent fest, dass Bibliotheken – abhängig von Personalkapazitäten – immer für eine Kooperation offen sind und auch unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit möglich sind. Metadaten (und Normdaten) erweisen sich letztlich als Schlüssel für den Zugang zu Wissen (DBV-Positionspapier vom Dezember 2025). Die GND lebt von der Kooperation und entwickelt sich täglich weiter.
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Notizen aus der Breakout Session
In der ersten Breakoutsession zum Vortrag von Michael Franke-Maier wurde deutlich, dass die Unterschiedlichkeit der erfassten Entitäten, aber auch die Workflows in den Partnereinrichtungen die Arbeit der GND-Agentur abwechslungsreich gestalten. Eine Herausforderung ist etwa auch die Anlage fiktiver – etwa literarischer – Personen als Entität, weil Personendatensätze keinen „Creator“ vorsehen. Auch lasse sich die Realität nicht immer normieren – beispielsweise ist es bei nordamerikanischen Reservaten nicht leicht zu entscheiden, ob diese als Geografika oder ggf. sogar – abhängig von deren Organisationsgrad – als eine Gebietskörperschaft in der GND erfasst werden. In der Community der Critical Libraries werden auch diskriminierende Begriffe diskutiert. Die Ansetzung von Normdaten muss auch insgesamt durch Diskussionen mit anderen (Fach-) Communities, etwa Archiven, weiterentwickelt werden. So gibt es etwa eine von Bibliotheken und Archiven gemeinsam geführte Diskussion zur Weiterentwicklung der Ansetzung von Ghettos zur Zeit des Nationalsozialismus, jedoch ohne Blaupause oder Erfahrung der Zusammenarbeit mit den bisher unterschiedlichen Erschließungskulturen. Es stellte sich auch die Frage nach Möglichkeiten der Normierung und Standardisierung in der archivischen Erschließung, der besonders nachdrücklich von der technischen Seite gefordert wird.
Kultur.Gut.Normieren mit den GND-Webformularen
Im zweiten Vortrag stellte Jens M. Lill vom Bibliotheksservicezentrum Konstanz die von der DNB bereitgestellten GND-Webformulare zur Eingabe von Personen und Körperschaften vor. Durch ihre einfache, bequeme und direkte Nutzbarkeit bieten sie einen niederschwelligen Zugang zur produktiven Neuansetzung von GND-Datensätzen. Sie zeichnen sich durch ein einfaches Design und intuitive Bedienbarkeit ohne Regelwerkskenntnisse aus, was sie für nicht-bibliothekarische Anwender*innen leicht nutzbar macht. Die abgespeicherten Eingaben landen unmittelbar in der GND und können sofort nachgenutzt werden. Gleichzeitig findet ein einfacher Dublettencheck statt. Möglich sind sowohl eine Neueingabe als auch eine Ergänzung von bereits vorhandenen Datensätzen. Nicht möglich ist allerdings die Zusammenführung von Dubletten, die dann in der redaktionellen Bearbeitung jeweils miteinander verlinkt werden. Hinweise oder Korrekturwünsche können über eine Korrekturanfrage bei der DNB hinterlegt oder bei der zuständigen GND-Agentur eingebracht werden. Voraussetzung für die Nutzung der GND-Webformulare ist die Registrierung bei der DNB fürs Log-in, ein sog. ISIL (International Standard Identifier for Libraries and Related Organizations) und die redaktionelle Betreuung durch eine GND-Agentur oder Bibliothek. Die GND-Agentur LEO-BW-Regional bietet außerdem regelmäßig Schulungen an. Inzwischen ist auch eine Agenturhandreichung für das Webformular vorhanden. Wichtig für die Eingabe neuer Datensätze sind auch die Beachtung der Eignungskriterien, ein berechtigter Bedarf, eine freie CC0-Lizenz, verlässliche Quellenangaben und Regelkonformität.
In seinem Fazit betonte der Referent die durchweg positiven Erfahrungswerte mit den bislang ca. 5500 neu eingebrachten Datensätzen. Zu den bisher vorhandenen Webformularen für Personen und Körperschaften/Organisationen soll noch 2026 ein Webformular für Gebietskörperschaften in dem Entitätstyp Geografika hinzukommen.
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Zusammenfassung der Breakout Session
In der zweiten Breakoutsession führte Jens M. Lill die Webformulare für Personen und Körperschaften anhand von Produktivdatensätzen vor (bzw. wurden auch neue Personendatensätze angelegt) und beantwortete Rückfragen aus dem Kreis der Teilnehmenden. Seitens der GND-Agentur LEO-BW-Regional besteht ein Angebot von 2 Schulungen im Jahr für Kultureinrichtungen aus Baden-Württemberg. Die nächste wird voraussichtlich im November/Dezember 2026 stattfinden.
Außerdem wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken beleuchtet und folgende Erfahrungen geäußert: Die gemeinsame Arbeit der GND-Agentur wird durch die Zusammenarbeit besonders abwechslungsreich, Neuerungen und Weiterentwicklungen in der Normdaten-Arbeit werden angestoßen, die eigene Arbeitsweise bereichert. Als aktuelles Beispiel dafür kann die Arbeit an der Ansetzung von Normdaten für NS-Ghettos dienen. Der Druck zur Standardisierung, der durch die technische Bedingtheit entsteht, wird auf archivischer Seite mitunter als Herausforderung wahrgenommen und zeigt unterschiedliche Erschließungstraditionen auf.
Data Literacy und GND-Referenzierung – praktische Erfahrungen aus dem Staatsarchiv Bamberg
Der dritte Vortrag "Data-Literacy und GND-Referenzierung am Staatsarchiv Bamberg " von Maximilian Stimpert war ein Fortsetzungsbericht basierend auf dem Projekt „Hands-on Normdaten!“, vom dem bereits beim 4. GND-Forum im September 2024 berichtet wurde. Data Literacy, d. h. Datenkompetenz (Daten lesen, erheben und verstehen) stellt ein zentrales Gebiet für Archivar*innen dar. Einzelne Themenfelder sind die Erschließung, die Bereitstellung von Informationen in Findmitteln und die Normdatenarbeit als Tool zur Sicherung der Datenqualität. Als Praxisbeispiel wurde die Einbindung von Personennormdaten ins AFIS aufgezeigt. Dabei kamen die Entitäten Ortsnamen, Personennamen und Sachbegriffe zum Einsatz. Im Zuge des Projekts gab hatte es eine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek und der GND-Agentur Bayerische Staatsbibliothek/Bibliotheksverbund Bayern gegeben. Die in den Erschließungsdaten vorhandenen Metadaten über Personen – beispielweise Angaben über Geschlecht, Beruf, Wirkungsort und Wirkungsdatum – stellen in der Regel eine gute Grundlage dar, um neue GND-Datensätze anzulegen. Als Beispiel führte der Referent den Wirkungskreis eines Bamberger Domkanonikers und der mit ihm verbundenen Personen, Orte und Körperschaften aus. Bei einer Bearbeitungsdauer von vier Wochen konnten insgesamt zwei Archivbestände, 685 Verzeichnungseinheiten und 761 Entitäten bearbeitet sowie 324 GND-Datensätze eingebunden werden. In seinem Fazit stellte er kurz und knapp fest: Mitmachen lohnt sich!
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Angeregte Diskussion in der Breakout Session
Die dritte Breakoutsession widmete sich dem Impulsvortrag von Maximilian Stimpert. Es wurde über die Frage gesprochen, wie man am besten die Metadaten vorhält, die zur Anlage neuer benötigter Datensätze in der GND dienen können. Herr Stimpert berichtete, dass dies beim Staatsarchiv Bamberg bislang parallel in einer Excel-Tabelle in entsprechend strukturierter Form erfolge. Herr Haslauer wies auf den Beispielworkflow für den Import von Personendatensätzen in die GND hin, den das Staatsarchiv Bamberg zusammen mit den GND-Agenturen BSB/BVB und Text+ (SUB Göttingen) zur Nachnutzung entwickelt hat (siehe Beschreibung und Links in der IG-Handreichung "Tipps & Tricks für die erfolgreiche Nutzung von Tools zum Einsatz der GND im Archiv", Abschnitt IV 3).
Der Erfahrungsaustausch über den GND-Abgleich anhand der lobid-gnd-Schnittstelle in OpenRefine sowie über die ins AFIS implementierte SRU-Schnittstelle zeigte, dass die automatisierte Vorgehensweise zwar bei bestimmten Szenarien vorteilhaft genutzt werden kann (v.a. bei vielen gleichen Entitäten in den Datensätzen), darüber hinaus aber an Grenzen stoße, sodass immer noch in größerem Maß intellektuelle, händische Arbeiten erforderlich sind. Daher gingen mit dieser Qualitätssicherung nicht unerhebliche Aufwände einher. Je eindeutiger bzw. besser strukturiert die Daten jedoch vorliegen, desto besser funktioniere der Abgleich. Betont wurde die Bedeutsamkeit, auch Körperschaften mit der GND zu verknüpfen, da sich hiermit Bestands- bzw. Provenienzbildner abbilden lassen. Ob die empfehlenswerte Verknüpfung von GND-IDs auf Bestandsebene möglich ist, ist jedoch vom eingesetzten AFIS abhängig. Grundsätzlich ist beispielsweise die Möglichkeit zur Einbindung von Körperschafts-GND-Datensätzen in die VZEs bei den Staatlichen Archiven Bayerns in Planung.
Festgehalten wurde auch, dass eine Weiterentwicklung der AFIS-Systeme vor allem in zwei Richtungen wünschenswert wäre. Dies beziehe sich einerseits auf möglichst flexible und zielführende Abgleichfunktionen (Abgleich über mehrere Felder), so dass ein aufwändiger Ex- und Import der Daten zur Bearbeitung mit Tools außerhalb des AFIS überflüssig werde. Zum anderen gehe es um die Bereitstellung von Export-Workflows, mit denen Metadaten über die Entitäten beispielsweise in einem Thesaurus strukturiert erfasst und anschließend automatisiert im MARC-Format der GND zugeführt werden können.
Unstrittig waren die Aufwände, die mit der Aufnahme von Entitäten einhergehen, etwa mit der Erfassung mehrerer Personen (z.B. Korrespondenzpartnern) je Verzeichnungseinheit. Betont wurde aber auch, dass die GND-Referenzierung gerade im Archivportal-d die Aufmerksamkeit und die Reichweite steigere. Im Hinblick auf die strategische Ausrichtung von Archiven trage die GND-Nutzung bei der Erschließung zu erhöhter Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und Interoperabilität der Daten bei sowie auch zu deren Qualität und zur automatisierten Nachnutzbarkeit etwa durch die Digital Humanities, die auf qualitativ hochwertige Daten angewiesen seien. Datenbereinigung und Homogenisierung seien daher wichtige Arbeitsziele für die Archive. Inwiefern eine KI-gestützte Entitätenerkennung und Verlinkung mit der GND in der Zukunft zuverlässig möglich sein wird, bleibt abzuwarten.
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Notizen aus der Breakout Session
Die vierte Breakoutsession nutzten viele der Teilnehmenden um sich über den künftigen Dienst GNDplus tiefergehend zu informieren. Die Referentin Sarah Hartmann betonte nochmals, dass Ergänzungen und neu vorgeschlagene Entitäten in GNDplus zwar in einer eigenen Datenbank liegen, aber über den GND Explorer angezeigt werden. Es wurde angeregt, dass die Daten aus GNDPlus auch in LOBID eingebunden werden sollten. Vorgeschlagene Entitäten oder Korrekturen können, wenn sie den Regeln entsprechen und die technischen Möglichkeiten vorliegen, später in die GND übernommen werden. Nicht in allen Fällen wird dies allerdings möglich sein, z. B. weil das Format der GND dies nicht zulässt. Die Übernahme in die GND soll über ein redaktionelles Verfahren gesteuert werden. Beim Anlegen eines neuen Datensatzes in GNDplus wird sofort ein Persistent Identifier vergeben, der auch direkt zurück geliefert wird. Identifier von Entitäten, die nicht mehr gültig sind (z.B. bei Umlenkungen oder Zusammenlegung von Dubletten), bleiben erhalten bzw. es wird dokumentiert, dass diese nicht mehr verwendet werden. Weitere Anwendungsmöglichkeiten für GNDplus können etwa akademische Jahresfeiern als Veranstaltungen oder aber generell als Sachbegriff sein. Auch im Bereich GNDPlus bedarf es einer Registrierung und der Kooperation mit einer Redaktion/Agentur, die langfristig die Pflege der Daten gewährleistet. Sie entscheidet auch über die Übernahme eines Datensatzes. In GNDplus kann auch kooperativ an einem Datensatz gearbeitet werden. Dies ist ein Vorteil, wenn in einer Institution nicht genügend Merkmale (Metadaten zu der jeweiligen Entität) für einen vollständigen Datensatz vorliegen. Es könnte dann z. B. eine andere Institution weitere Merkmale (Metadaten) ergänzen. Historische Geokoordinaten können auch, entsprechend gekennzeichnet, ergänzt werden.
In GNDplus wird kein allumfassende neues Datenmodell für alle community-spezifischen Metadaten verwendet, sondern es werden für bestimmte Anwendungskontexte konkrete Lösungen für spezifische Bedarfe, z. B. für ergänzende Merkmale, die nicht in der GND vorgehalten werden können, gefunden.
Die Archiv-Community rund um die Gemeinsame Normdatei (GND) ist sowohl engagiert als auch treu. Ein Beleg für diese Aussage: Wir stehen kurz vor dem sechsten GND Forum Archiv in fünf Jahren und erwarten wieder über einhundert interessierte Gäste. Es sollte Sie daher nicht überraschen, wenn das Motto unter dem dieses GND Forum steht, “Mitmachen!” lautet. Genau – mit einem Ausrufezeichen. “Mitmachen” ist nicht nur ein Label, mit dem man viele der Beiträge, die Teil des Programms sein werden, kennzeichnen kann, sondern zugleich eine Einladung an alle Institutionen und Mitarbeitenden im breiten Feld der Archive, die GND aktiv zu nutzen und mitzuwirken. Wie das möglich ist und was das möglicherweise an Arbeit und an Aufbau von Infrastruktur bedeutet, wird Gegenstand unter anderem des Publikumsgesprächs “Wann macht die Gründung einer GND-Agentur Sinn?” mit den Expert*innen sein. Eine Übersicht zum Programm bietet der Eintrag auf der GND-Website, alle Details zu den Referent*innen und Uhrzeiten hat die Interessengruppe Archiv im STA-Community Wiki veröffentlicht. Wie schon gewohnt, werden auch in diesem GND Forum die Formate Vortrag und Impuls mit Formaten der Publikumsbeteiligung rhythmisiert. Das heißt, direkt am 16. März 2026 im 6. GND Forum Archiv können auch Sie aktiv mitmachen.
Die Eckpunkte der Veranstaltung:
Termin: 16. März 2026, von 09:30 bis 13:00 Uhr
Ort: online, eine Anmeldung ist nicht erforderlich
Zielgruppen: Mitarbeitende und Interessierte in Archiven, Bibliotheken und darüber hinaus
Die Veranstalter sind:
Aufmerksame Fans des Formats bemerken sicherlich, dass seit dem letzten Forum (April 2025) ein neuer Partner hinzugekommen ist.
Zu den vorangegangenen GND-Foren Archiv:
#5 GND Forum Archiv, 4. April 2025 (Dokumentation)
#4 GND Forum Archiv, 23. September 2024 (Dokumentation)
#3 GND-Forum Archiv, 24. November 2023 (Dokumentation)


















