Blog-Eintrag vom April, 2026

Im Maschinenraum der GND

Der Beitrag erschien zuerst im Blog der Deutschen Nationalbibliothek.


Alle regelmäßigen Leser*innen dieses Blog wissen inzwischen, Normdaten sind systemkritische Infrastruktur. Sie helfen ebenso zuverlässig dabei, Publikationen in Bibliothekskatalogen zum Klimawandel zu finden, wie im Archivportal D Akten, die in irgendeiner Weise mit der Stadt Ulm verknüpft sind. Das Theatermuseum in Düsseldorf verwendet die GND-Daten, Forschende im NFDI-Konsortium Text+ reichern ihre Forschungsdaten mit GND-IDs an und die Praxisregeln der DFG empfehlen ihre Nutzung. Selbst das “Halluzinieren” von Künstlicher Intelligenz in Large Language Models kann in Verbindung mit Normdaten reduziert werden. GND everywhere! 

Aber wie das mit Infrastruktur so ist, oft droht dabei in Vergessenheit zu geraten, dass es engagierte, zuverlässige und versierte Menschen braucht, die tagtäglich dafür sorgen, dass aus dem Hahn sauberes Wasser kommt, die Krankenhäuser funktionieren und der Müll entsorgt wird. Das gilt auch für die Gemeinsame Normdatei (GND). Viele denken jetzt vielleicht an die fleißigen Redakteur*innen, die durchschnittlich über 700 neue Datensätze anlegen. Nicht mitgezählt ihre Korrekturen, Aufarbeitungen und Ergänzungen der über 10 Millionen Datensätze. Doch es gibt neben dieser inhaltlichen Tätigkeit noch die technische Seite der GND-Bereitstellung. Um die geht es in diesem Beitrag. Gemeinsam mit meinem Kollegen Felix Riedel wollen wir heute in den “Maschinenraum der GND” steigen und schauen, welche Arbeiten dort anfallen, die das Getriebe der GND am Laufen halten.


Im Maschinenraum der GND. Bildnachweis: Motiv mit KI (Firefly) kreiert.

Der Maschinist der GND

Wenn zum Beispiel das Expertenteam Qualität einen wiederkehrenden Fehler in den Daten korrigieren will, dann landet dieser Vorgang auf seinem Schreibtisch. In einem ersten Schritt sucht Felix Riedel zunächst in allen vorliegenden GND-Daten nach diesem Fehler. Dabei nutzt er meistens ein im Haus entwickeltes Tool (Pica rs). Mit diesem Werkzeug kann er beispielsweise all diejenigen Datensätze identifizieren, bei denen die Angabe zur GND-Systematik fehlt oder bei denen die Quellenangaben nicht hinreichend dokumentiert sind. Als Ergebnis erhält er eine Liste mal mit hundert Datensätzen, manchmal aber auch mit zigtausend Einträgen. Selbstverständlich wird weder er noch ein anderer diese Menge händisch bereinigen können. Jetzt muss Felix Riedel kreativ werden. Wie lässt sich ein kleines Skript schreiben, mit dem zuverlässig die Massenkorrektur an den identifizierten Datensätzen ausgeführt werden kann? Manchmal ist der erste Ansatz nicht gleich der richtige. Unterstützt durch entsprechende Validationsverfahren, arbeitet sich Felix Riedel Stück für Stück voran, bis schließlich der Fehler behoben ist. In den letzten Jahren hat Felix Riedel hier recht viel Erfahrung sammeln können, die er auch entsprechend dokumentiert. In den nächsten Monaten ist geplant, dass diese Dokumentation Teil der Information auf der STA-Dokumentationsplattform wird, damit mehr Menschen von Felix Riedel Erfahrung profitieren können.

Einmal Pica und zurück

Ein anderes Arbeitsfeld ist die Datenkonversion. Die DNB und andere Bibliotheken nutzen für interne Arbeiten mit der GND das Pica-Format. Da dieses Format jedoch nicht von allen Partnern in der Kooperative genutzt wird, müssen die Daten von Pica nach Marc 21 (auch nach Marc XML) und zurück konvertiert werden. Dabei achtet Felix Riedel darauf, dass bei der Konversion die Informationen möglichst vollständig übertragen werden. Die Datenkonversion läuft nicht vollautomatisch ab. Ohne Monitoring können sich Lücken oder Fehler einschleichen. Zum Beispiel kann es passieren, dass bestimmte Pflichtfelder nicht mitkonvertiert werden oder Feldeigenschaften falsch angewandt wurden, was zu Fehlermeldungen führt. 

Das Nadelöhr

Sein drittes Arbeitsfeld gilt den Datenimporten. Zum Beispiel hat er den Datenimport von mehreren 10.000 Daten aus der Theaterdatenbank Ulrich in die GND begleitet. So ein Datenimport kommt bei Felix Riedel oft als MarcXML-Datei an. Die Daten konvertiert er in das Pica-Format, damit sie im Approvalsystem der GND validiert werden können. Jetzt bekommt er eine erste Liste mit Fehlermeldungen. Oft sind es drei bis vier kleine Fehler, die sich dann aber durch fast alle Daten durchziehen. Diese als Fehlertyp zu identifizieren ist meist intellektuelle Handarbeit. Leider sind es in den vielen unterschiedlichen Datenlieferungen nicht immer dieselben Fehler. Aufgrund der hohen Variabilität der von den Datengebern gelieferten Daten variieren die Fehler entsprechend. Daher gehen die Testdaten zurück an die Datengeber mit der Bitte, den Fehlertyp zu korrigieren. Wenn das geschehen ist, wird der Vorgang mit neuen Testdaten wiederholt, in der Hoffnung, dass sich keine neuen Fehler eingeschlichen haben. Erst wenn die Validierung widerspruchslos bleibt, überführt Felix Riedel die Daten in das Produktivsystem der GND. Ein Vorgang, der für alle Beteiligten manchmal zäh und nervenaufreibend ist. Ein Hinweis von Felix Riedel an die Datengeber: Die Validation springt vor allem auf Formalfehler an. Diese kann man vermeiden, wenn man die Daten, die man in die GND einbringen möchte, so regelkonform wie möglich erstellt. Dabei helfen zum einen die GND-Dokumentation und die Informationsseite zu den Validierungen im öffentlich zugänglichen Wiki der DNB. 

Schließlich obliegt es Felix Riedel, die Wünsche aus dem Releaseprozess zur GND-Dokumentation in ein technisches Format zu transponieren. Etwa wenn ein neues Feld in das Datenformat eingefügt werden soll. Hierbei muss Felix Riedel die internationalen Standards und die technischen Abhängigkeiten berücksichtigen. Die eigentliche Umsetzung übernehmen dann jedoch Fachleute aus der IT-Abteilung der DNB.

Felix Riedel mag seine Arbeit. Sie ist abwechslungsreich und bietet ihm viel Gelegenheit, in der Vielfalt der Daten immer neue Lösungen für immer neu auftretende Fehler zu finden. Besonders schätzt er jedoch den direkten Austausch mit den Partnern im GND-Netzwerk. Da kann er mal den Maschinenraum verlassen.




Felix Riedel zu Besuch bei der Autorin im Leipziger Büro, credit AfS (DNB), 2026, CC BY
Die Archivwelt macht mit
Die Dokumentation zum 6. GND-Forum Archiv 
ein Beitrag von Renz, Johannes für die IG Archiv


Unter dem Motto „Mitmachen“ fand am Montag, den 16. März 2026 das nunmehr 6. GND-Forum statt. Mit bis zu 101 zugeschalteten Personen blieb die Anzahl der Teilnehmenden weitgehend stabil. Im Organisationsteam waren Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsstelle für Standardisierung an der DNB, dem Bundesarchiv, dem Hessischen Landesarchiv, der Staatlichen Archive Bayerns, dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, dem Bundesarchiv, dem Landesarchiv Baden-Württemberg mit der dort angesiedelten GND-Agentur LEO-BW-Regional, dem Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt, der Universität Hohenheim und der Technischen Universität Dortmund vertreten.

Dr. Patrick Leiske (Landesarchiv Baden-Württemberg) und Dr. des. Johannes Haslauer (Staatsarchiv Bamberg) begrüßten die Teilnehmenden, stellten den Programmablauf kurz vor und gaben organisatorische Hinweise.

Das Programm. Zum Vergrößern bitte draufklicken



1. Neuigkeiten aus dem GND Kontext 

Barbara Fischer von der Deutschen Nationalbibliothek berichtete über die seit April 2025 erfolgten Neuerungen. Eine Momentaufnahme am Tag der Veranstaltung ergab eine Anzahl von inzwischen 10.239.824 Datensätzen in der GND. Auch auf der GND-Webseite gibt es einige neue Inhalte. So wurde etwa die Startseite aktualisiert, neue Partner gewonnen, die Infothek nach der Anregung des 5. GND Forum Archiv nach thematischen Zugängen neu geordnet und mit neuen Inhalten ergänzt. Auch die GND Dokumentation  mit ihren Regeln zur Erfassung von GND Entitäten ist jetzt über die GND Website erreichbar. 14 neue Blogbeiträge zu diversen Aktivitäten rund um die GND wurden verfasst. Der GND-Explorer befindet sich inzwischen mit Version 2.1 im Produktivsystem. Die Vernetzung zu anderen Datenportalen wie Wikidata wurde verstärkt. Neu hinzu kam auch eine DDC-Klassifizierung. Ab April 2026 soll Version 2.2 mit einem Verzeichnis der Nutzung von GND IDs durch externe Partner (z. B. Beacon Dateien) bereitstehen. Über den GND-SPARQL-Endpoint sind die Ergebnisse der Suche auch maschinell auslesbar und nutzbar.
Für den Veranstaltungsbereich haben sich die GND-Foren als Dialogräume für Communities etabliert. Seit dem 5. GND-Forum im April 2025 haben ein Workshop der IG Archiv zum Thema Schulung (Dokumentation) sowie ein projektübergreifendes Treffen der neuen Agenturen (Dokumentation) stattgefunden. Die IG Museen hat zwei Workshops zur GND-Dokumentation ausgerichtet. Für Juni 2026 ist ein GND-Forum Humanities @NFDI geplant. Die bereits lange geplante Onlinestellung der GND-Dokumentation mit den Regeln für Akteure (Personen, Familien, Körperschaften, Konferenzen und Gebietskörperschaften) und Geografika konnte realisiert werden. Im Zuge der Verstetigungsmaßnahmen konnte die neue und überregional tätige GND-Agentur „Bauwerke“ (Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte, Bildarchiv Foto Marburg) in den Dauerbetrieb übergehen. Die regionale Agentur für Archive in Berlin und Brandenburg am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Fokus auf Personen, Körperschaften und Geografika) nahm den Pilotbetrieb auf. Etliche Fachinformationsdienste bieten Beratung und Normdaten on demand an und bilden seit kurzem eine eigene Interessengruppe. Im Ausblick wurde abschließend der neue partizipative Datenraum GNDplus vorgestellt. Es soll ein Inkubator (neue Entitäten anlegen, diskutieren und zur Aufnahme in die GND vorschlagen), ein Feedback-Dienst (Änderungsvorschläge für bestehende GND-Entitäten anlegen) und ein Anreicherungsdienst (Zusatzinformationen zu Entitäten anlegen) entstehen. In Zukunft soll auch das Thema "GND und KI" vermehrt in den Fokus genommen werden. Durch den Abgleich mit der GND soll es in generativen KI-Anwendungen weniger Gefährdung durch das "Halluzinieren" von Information geben. Ein Überblick über die wachsende GND-Community machte deutlich: Die GND wird vielfältiger, umfassender, diverser, vernetzter und damit attraktiver und resilienter für Archive, Bibliotheken, Museen, Verwaltungen und die „Künstliche Intelligenz“.

Die Folien des Vortrages. Zum Vergrößern bitte draufklicken

2. Bericht aus den AGs 

Andrea Langner, Hessischen Landesarchiv, berichtete über die Aktivitäten der einzelnen Arbeitsgruppen. Die Arbeit sowohl der AG Tools und Technik als auch der AG Wissensvermittlung ruhen derzeit. Bisherige Arbeitsergebnisse sind eine Handreichung zu Tools und Technik, den Umgang mit den einzelnen AFISsen und zu Einsatzmöglichkeiten der GND im Archiv. Geplant ist hierfür auch eine englische Version. Im Rahmen einer möglichen Reaktivierung der AG Tools und Technik wäre z. B. die Einrichtung eines Gesprächsforums denkbar.

Die AG Archivische Erschließung mit der GND befindet sich weiterhin im Austausch rund um die Erschließung mit Normdaten. Veröffentlicht wurde bisher ein Positionspapier zum Einsatz von GND-Normdaten im Archiv (archivische Relevanzkriterien). Die offenen Sitzungen finden 1-2 Mal jährlich statt. Zuletzt wurde die Arbeit mit Normdaten in verschiedenen AFISsen thematisiert (ActaPro, Augias, Arcinsys, ausstehend u. a. ScopeArchiv) thematisiert. Die nächste Sitzung findet am 22. Mai 2026 statt.

Im zweiten Teil gab Dr. Mirjam Sprau, Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt, einen Überblick über die künftige Strategie der IG Archiv. Es gibt bereits mehrere Ideen für neue Formate und Inhalte. So plant die AG Erschließung ein neues Stammtischformat und die Einrichtung einer Unterarbeitsgruppe Standardisierung, die AG Information und Wissensvermittlung eine neue Handreichung zur Kommunikation („Wie überzeuge ich meine(n) Chef(in)?“).

Abschließend wurde eine Umfrage über die weitere Beteiligung an der IG Archiv durchgeführt. Für eine Beteiligung an der UAG Standardisierung meldeten sich 28 Personen, für die Beteiligung an der neuen Handreichung 15 Personen. Für letztere wird noch ein(e) Koordinator(in) gesucht.

3. Vom Mitmachen (Vortragsblock)

Der Hauptteil des 6. GND-Forums bot insgesamt vier Impulsvorträge. Sie alle vereinte die Perspektive des Mitmachens, also selbst GND-Datensätze anlegen, mit unterschiedlichen Mitteln.


Einsteigen in die Normdatenarbeit in Kooperation mit einer Bibliothek

Im ersten Vortrag, unter dem Motto "Together We Create", berichtete Michael Franke-Maier von der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin über die Strukturen der Normdatenarbeit innerhalb der strategischen Allianz zwischen dem Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg, der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Bibliotheksverbund Bayern. Innerhalb der Allianz kann damit auf das Know-how von zwei großen GND-Agenturen (KOBV und BSB/BVB), drei erfahrenen GND-Verbundredaktionen (UB der FU Berlin, BSB und UB Augsburg) und mehrerer dezentraler, sehr gut vernetzter GND-Lokalredaktionen zurückgegriffen werden. 

Für den Teilbestand Sacherschließung übernimmt die Verbundredaktion an der Universitätsbibliothek der FU Berlin für den gesamten KOBV die redaktionellen Arbeiten, während die Verbundredaktion der Bayerischen Staatsbibliothek für die Entitäten Personen, Geografika, Körperschaften und Konferenzen, Schriftdenkmäler und Werke mit geistigem Schöpfer für ihre Institution und den BVB zuständig ist. Die Redaktion für Sachbegriffe und anonyme Werke der Sacherschließung für BSB und BVB übernimmt die Verbundredaktion an der Universitätsbibliothek in Augsburg.

Wichtig für den Gesamtworkflow der GND-Agentur des KOBV ist die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Formalerschließung. Während dort die Formalerschließung auch durch dezentrale Lokalredaktionen erfolgt, wird Normdatenarbeit für die Inhaltserschließung an der Universitätsbibliothek der Freien Universität zentral durchgeführt.

Neben der Neuerfassung von GND-Entitäten auf Level 1 arbeitet die GND-Verbundredaktion für die Inhaltserschließung auch in GND-Gremien mit, führt Regelwerksschulungen (RSWK) durch und berät KOBV-Teilnehmerbibliotheken bei Fragen. Dabei arbeitet sie mit den GND-Anwenderbibliotheken des KOBV, mit verschiedenen Fachinformationsdiensten (Sozial- und Kulturanthropologie an der HU Berlin, Anglo-American Culture & History an der FU Berlin und Gender an der HU Berlin) und weiteren Forschungseinrichtungen, z. B. der Baltisch Historischen Kommission, zusammen. Insgesamt wurden in den Jahren 2024 und 2025 über 700 Neuansetzungen oder Upgrades in der GND in den Entitäten Personen, Körperschaften, Konferenzen, Geografika, Werke und Sachbegriffe gemacht. Für die Zusammenarbeit mit Lokalredaktionen, den Fachinformationsdiensten und dem Projekt „Critical Library Perspectives“ wurden unterschiedliche Workflows vereinbart. Eine länger andauernde Diskussion ging z. B. der Ansetzung des Sachbegriffs „Gender“ in der GND voraus, der im Februar 2024 realisiert wurde. Weitere GND-Einträge mit Genderbezug werden überarbeitet.

In seinem Fazit stellte der Referent fest, dass Bibliotheken – abhängig von Personalkapazitäten – immer für eine Kooperation offen sind und auch unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit möglich sind. Metadaten (und Normdaten) erweisen sich letztlich als Schlüssel für den Zugang zu Wissen (DBV-Positionspapier vom Dezember 2025). Die GND lebt von der Kooperation und entwickelt sich täglich weiter. 

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Notizen aus der Breakout Session

In der ersten Breakoutsession zum Vortrag von Michael Franke-Maier wurde deutlich, dass die Unterschiedlichkeit der erfassten Entitäten, aber auch die Workflows in den Partnereinrichtungen die Arbeit der GND-Agentur abwechslungsreich gestalten. Eine Herausforderung ist etwa auch die Anlage fiktiver – etwa literarischer – Personen als Entität, weil Personendatensätze keinen „Creator“ vorsehen. Auch lasse sich die Realität nicht immer normieren – beispielsweise ist es bei nordamerikanischen Reservaten nicht leicht zu entscheiden, ob diese als Geografika oder ggf. sogar – abhängig von deren Organisationsgrad –  als eine Gebietskörperschaft in der GND erfasst werden. In der Community der Critical Libraries werden auch diskriminierende Begriffe diskutiert. Die Ansetzung von Normdaten muss auch insgesamt durch Diskussionen mit anderen (Fach-) Communities, etwa Archiven, weiterentwickelt werden. So gibt es etwa eine von Bibliotheken und Archiven gemeinsam geführte Diskussion zur Weiterentwicklung der Ansetzung von Ghettos zur Zeit des Nationalsozialismus, jedoch ohne Blaupause oder Erfahrung der Zusammenarbeit mit den bisher unterschiedlichen Erschließungskulturen. Es stellte sich auch die Frage nach Möglichkeiten der Normierung und Standardisierung in der archivischen Erschließung, der besonders nachdrücklich von der technischen Seite gefordert wird.

Kultur.Gut.Normieren mit den GND-Webformularen

Im zweiten Vortrag stellte Jens M. Lill vom Bibliotheksservicezentrum Konstanz die von der DNB bereitgestellten GND-Webformulare zur Eingabe von Personen und Körperschaften vor. Durch ihre einfache, bequeme und direkte Nutzbarkeit bieten sie einen niederschwelligen Zugang zur produktiven Neuansetzung von GND-Datensätzen. Sie zeichnen sich durch ein einfaches Design und intuitive Bedienbarkeit ohne Regelwerkskenntnisse aus, was sie für nicht-bibliothekarische Anwender*innen leicht nutzbar macht. Die abgespeicherten Eingaben landen unmittelbar in der GND und können sofort nachgenutzt werden. Gleichzeitig findet ein einfacher Dublettencheck statt. Möglich sind sowohl eine Neueingabe als auch eine Ergänzung von bereits vorhandenen Datensätzen. Nicht möglich ist allerdings die Zusammenführung von Dubletten, die dann in der redaktionellen Bearbeitung jeweils miteinander verlinkt werden. Hinweise oder Korrekturwünsche können über eine Korrekturanfrage bei der DNB hinterlegt oder bei der zuständigen GND-Agentur eingebracht werden. Voraussetzung für die Nutzung der GND-Webformulare ist die Registrierung bei der DNB fürs Log-in, ein sog. ISIL (International Standard Identifier for Libraries and Related Organizations) und die redaktionelle Betreuung durch eine GND-Agentur oder Bibliothek. Die GND-Agentur LEO-BW-Regional bietet außerdem regelmäßig Schulungen an. Inzwischen ist auch eine Agenturhandreichung für das Webformular vorhanden. Wichtig für die Eingabe neuer Datensätze sind auch die Beachtung der Eignungskriterien, ein berechtigter Bedarf, eine freie CC0-Lizenz, verlässliche Quellenangaben und Regelkonformität.

In seinem Fazit betonte der Referent die durchweg positiven Erfahrungswerte mit den bislang ca. 5500 neu eingebrachten Datensätzen. Zu den bisher vorhandenen Webformularen für Personen und Körperschaften/Organisationen soll noch 2026 ein Webformular für Gebietskörperschaften in dem Entitätstyp Geografika hinzukommen.

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Zusammenfassung der Breakout Session

In der zweiten Breakoutsession führte Jens M. Lill die Webformulare für Personen und Körperschaften anhand von Produktivdatensätzen vor (bzw. wurden auch neue Personendatensätze angelegt) und beantwortete Rückfragen aus dem Kreis der Teilnehmenden. Seitens der GND-Agentur LEO-BW-Regional besteht ein Angebot von 2 Schulungen im Jahr für Kultureinrichtungen aus Baden-Württemberg. Die nächste wird voraussichtlich im November/Dezember 2026 stattfinden.

Außerdem wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken beleuchtet und folgende Erfahrungen geäußert: Die gemeinsame Arbeit der GND-Agentur wird durch die Zusammenarbeit besonders abwechslungsreich, Neuerungen und Weiterentwicklungen in der Normdaten-Arbeit werden angestoßen, die eigene Arbeitsweise bereichert. Als aktuelles Beispiel dafür kann die Arbeit an der Ansetzung von Normdaten für NS-Ghettos dienen. Der Druck zur Standardisierung, der durch die technische Bedingtheit entsteht, wird auf archivischer Seite mitunter als Herausforderung wahrgenommen und zeigt unterschiedliche Erschließungstraditionen auf.

Data Literacy und GND-Referenzierung – praktische Erfahrungen aus dem Staatsarchiv Bamberg

Der dritte Vortrag "Data-Literacy und GND-Referenzierung am Staatsarchiv Bamberg " von Maximilian Stimpert war ein Fortsetzungsbericht basierend auf dem Projekt „Hands-on Normdaten!“, vom dem bereits beim 4. GND-Forum im September 2024 berichtet wurde. Data Literacy, d. h. Datenkompetenz (Daten lesen, erheben und verstehen) stellt ein zentrales Gebiet für Archivar*innen dar. Einzelne Themenfelder sind die Erschließung, die Bereitstellung von Informationen in Findmitteln und die Normdatenarbeit als Tool zur Sicherung der Datenqualität. Als Praxisbeispiel wurde die Einbindung von Personennormdaten ins AFIS aufgezeigt. Dabei kamen die Entitäten Ortsnamen, Personennamen und Sachbegriffe zum Einsatz. Im Zuge des Projekts gab hatte es eine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek und der GND-Agentur Bayerische Staatsbibliothek/Bibliotheksverbund Bayern gegeben.  Die in den Erschließungsdaten vorhandenen Metadaten über Personen – beispielweise Angaben über Geschlecht, Beruf, Wirkungsort und Wirkungsdatum – stellen in der Regel eine gute Grundlage dar, um neue GND-Datensätze anzulegen. Als Beispiel führte der Referent den Wirkungskreis eines Bamberger Domkanonikers und der mit ihm verbundenen Personen, Orte und Körperschaften aus. Bei einer Bearbeitungsdauer von vier Wochen konnten insgesamt zwei Archivbestände, 685 Verzeichnungseinheiten und 761 Entitäten bearbeitet sowie 324 GND-Datensätze eingebunden werden. In seinem Fazit stellte er kurz und knapp fest: Mitmachen lohnt sich!

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Angeregte Diskussion in der Breakout Session

Die dritte Breakoutsession widmete sich dem Impulsvortrag von Maximilian Stimpert. Es wurde über die Frage gesprochen, wie man am besten die Metadaten vorhält, die zur Anlage neuer benötigter Datensätze in der GND dienen können. Herr Stimpert berichtete, dass dies beim Staatsarchiv Bamberg bislang parallel in einer Excel-Tabelle in entsprechend strukturierter Form erfolge. Herr Haslauer wies auf den Beispielworkflow für den Import von Personendatensätzen in die GND hin, den das Staatsarchiv Bamberg zusammen mit den GND-Agenturen BSB/BVB und Text+ (SUB Göttingen) zur Nachnutzung entwickelt hat (siehe Beschreibung und Links in der IG-Handreichung "Tipps & Tricks für die erfolgreiche Nutzung von Tools zum Einsatz der GND im Archiv", Abschnitt IV 3).
Der Erfahrungsaustausch über den GND-Abgleich anhand der lobid-gnd-Schnittstelle in OpenRefine sowie über die ins AFIS implementierte SRU-Schnittstelle zeigte, dass die automatisierte Vorgehensweise zwar bei bestimmten Szenarien vorteilhaft genutzt werden kann (v.a. bei vielen gleichen Entitäten in den Datensätzen), darüber hinaus aber an Grenzen stoße, sodass immer noch in größerem Maß intellektuelle, händische Arbeiten erforderlich sind. Daher gingen mit dieser Qualitätssicherung nicht unerhebliche Aufwände einher. Je eindeutiger bzw. besser strukturiert die Daten jedoch vorliegen, desto besser funktioniere der Abgleich. Betont wurde die Bedeutsamkeit, auch Körperschaften mit der GND zu verknüpfen, da sich hiermit Bestands- bzw. Provenienzbildner abbilden lassen. Ob die empfehlenswerte Verknüpfung von GND-IDs auf Bestandsebene möglich ist, ist jedoch vom eingesetzten AFIS abhängig. Grundsätzlich ist beispielsweise die Möglichkeit zur Einbindung von Körperschafts-GND-Datensätzen in die VZEs bei den Staatlichen Archiven Bayerns in Planung.
Festgehalten wurde auch, dass eine Weiterentwicklung der AFIS-Systeme vor allem in zwei Richtungen wünschenswert wäre. Dies beziehe sich einerseits auf möglichst flexible und zielführende Abgleichfunktionen (Abgleich über mehrere Felder), so dass ein aufwändiger Ex- und Import der Daten zur Bearbeitung mit Tools außerhalb des AFIS überflüssig werde. Zum anderen gehe es um die Bereitstellung von Export-Workflows, mit denen Metadaten über die Entitäten beispielsweise in einem Thesaurus strukturiert erfasst und anschließend automatisiert im MARC-Format der GND zugeführt werden können.
Unstrittig waren die Aufwände, die mit der Aufnahme von Entitäten einhergehen, etwa mit der Erfassung mehrerer Personen (z.B. Korrespondenzpartnern) je Verzeichnungseinheit. Betont wurde aber auch, dass die GND-Referenzierung gerade im Archivportal-d die Aufmerksamkeit und die Reichweite steigere. Im Hinblick auf die strategische Ausrichtung von Archiven trage die GND-Nutzung bei der Erschließung zu erhöhter Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und Interoperabilität der Daten bei sowie auch zu deren Qualität und zur automatisierten Nachnutzbarkeit etwa durch die Digital Humanities, die auf qualitativ hochwertige Daten angewiesen seien. Datenbereinigung und Homogenisierung seien daher wichtige Arbeitsziele für die Archive. Inwiefern eine KI-gestützte Entitätenerkennung und Verlinkung mit der GND in der Zukunft zuverlässig möglich sein wird, bleibt abzuwarten.

GNDplus 

Den Abschluss des Blocks bildete der Vortrag von Sarah Hartmann, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle für Standardisierung, über das neue Angebot GNDplus, welches aus dem Arbeitstitel „GND Community Space“ hervorging. Grundidee war es einen Datenraum zur Verfügung zu stellen, in welchem die „offizielle“ GND um weitere Funktionen ergänzt werden kann. Die Abspeicherung der von Nutzer*innen generierten Daten soll (zunächst) in einer separaten Datenbank erfolgen. Dadurch kann eine größere Community aktiv zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Datenbestands beitragen. Mögliche Schwellen für den Einstieg in die GND sollen dabei gesenkt, eine aktive Mitarbeit vereinfacht werden. Der Datenraum wird mit einer Durchlässigkeit zur GND ausgestaltet, was eine spätere Übernahme von GND Plus-Daten in die „offizielle“ GND ermöglichen soll. Grundfunktionen sind ein Anreicherungsdienst für zusätzliche Informationen, ein Inkubator zur Erfassung/Diskussion neuer Entitäten und ein Feedback-Dienst für Änderungsvorschläge. Zielgruppe sind alle Gedächtnisinstitutionen, eine aktive Einbindung der Community das Ziel. Weitere Entwicklungsschritte sind abhängig vom Bedarf der Communities und der Finanzierungsmöglichkeiten geplant. Der Service wird schrittweise durch Teilprojekte weiterentwickelt. In einem Testrelease, der noch für das 1. Halbjahr 2026 geplant ist, soll die Anreicherung mit dem Schwerpunkt Geokoordinaten erprobt werden. Mögliche Use Cases sind die Anreicherung mit zusätzlichen Identifikatoren, Bilddateien oder Provenienzmerkmalen.

Auch in GNDplus muss darauf geachtet werden, dass keine Dubletten in der GND entstehen. Es können vorhandene Daten der offiziellen GND über den Identifier (ID-Nummer) geladen und danach können in GNDplus Ergänzungen wie z. B. Anreicherung mit Geokoordinaten, vorgenommen werden. In der ersten Phase von GNDplus geht es um Anreicherungen von vorhandenen Entitäten der GND. In einer weiteren Phase sollen dann auch Ergänzungen zu GND-Datensätzen und das Anlegen von neuen Entitäten möglich sein. Ebenso können Vorschläge auch wieder zurückgezogen werden. Der Identifikator bleibt in diesem Fall aber bestehen und erhält einen Hinweis, dass die Daten gelöscht wurden. Die Anzeige der Metadaten soll im GND-Explorer, gekennzeichnet als Community-Daten, erfolgen. Geplant ist auch eine API-Abfrage über das JSON-Format.

 


Die Folien des Vortrages. Zum Vergrößern bitte draufklicken


Notizen aus der Breakout Session

Die vierte Breakoutsession nutzten viele der Teilnehmenden um sich über den künftigen Dienst GNDplus tiefergehend zu informieren. Die Referentin Sarah Hartmann betonte nochmals, dass Ergänzungen und neu vorgeschlagene Entitäten in GNDplus zwar in einer eigenen Datenbank liegen, aber über den GND Explorer angezeigt werden. Es wurde angeregt, dass die Daten aus GNDPlus auch in LOBID eingebunden werden sollten. Vorgeschlagene Entitäten oder Korrekturen können, wenn sie den Regeln entsprechen und die technischen Möglichkeiten vorliegen, später in die GND übernommen werden. Nicht in allen Fällen wird dies allerdings möglich sein, z. B. weil das Format der GND dies nicht zulässt. Die Übernahme in die GND soll über ein redaktionelles Verfahren gesteuert werden. Beim Anlegen eines neuen Datensatzes in GNDplus wird sofort ein Persistent Identifier vergeben, der auch direkt zurück geliefert wird. Identifier von Entitäten, die nicht mehr gültig sind (z.B. bei Umlenkungen oder Zusammenlegung von Dubletten), bleiben erhalten bzw. es wird dokumentiert, dass diese nicht mehr verwendet werden. Weitere Anwendungsmöglichkeiten für GNDplus können etwa akademische Jahresfeiern als Veranstaltungen oder aber generell als Sachbegriff sein. Auch im Bereich GNDPlus bedarf es einer Registrierung und der Kooperation mit einer Redaktion/Agentur, die langfristig die Pflege der Daten gewährleistet. Sie entscheidet auch über die Übernahme eines Datensatzes. In GNDplus kann auch kooperativ an einem Datensatz gearbeitet werden. Dies ist ein Vorteil, wenn in einer Institution nicht genügend Merkmale (Metadaten zu der jeweiligen Entität) für einen vollständigen Datensatz vorliegen. Es könnte dann z. B. eine andere Institution weitere Merkmale (Metadaten) ergänzen. Historische Geokoordinaten können auch, entsprechend gekennzeichnet, ergänzt werden.

In GNDplus wird kein allumfassende neues Datenmodell für alle community-spezifischen Metadaten verwendet, sondern es werden für bestimmte Anwendungskontexte konkrete Lösungen für spezifische Bedarfe, z. B. für ergänzende Merkmale, die nicht in der GND vorgehalten werden können, gefunden.

Die Infografik zeigt das Aufgabenspektrum einer GND-Agentur. Sie diente als Hintergrund für die Podiumsdiskussion. Bildnachweis: Kett (DNB), 2024, CC BY SA. Zum Vergrößern bitte draufklicken

4. Podiumsdiskussion „Wir sind eine Agentur“- Anforderungen und Erfahrungen

Unter der Moderation von Frau Dr. Mirjam Sprau berichteten mehrere für unterschiedliche Agenturen tätige Personen über ihre Erfahrungen. Es wurde eine Infografik (nebenstehend) mit den verschiedenen Agenturaufgaben gezeigt und daraus folgende Leitfragen generiert: Welche Agenturaufgaben machen am meisten Spaß? Was trägt die Agentur? Wo ist sie angesiedelt? Wie lange besteht sie schon? Was sind Arbeitsschwerpunkte, Ziele oder mögliche künftige Arbeitsbereiche?

Dr. Patrick Leiske und Jens Lill von der Agentur LEO-BW-Regional hoben dabei die Öffentlichkeits- und Communityarbeit, den Austausch, die Redaktionsarbeit und die Schulungen als wichtige Aufgaben hervor, die auch einen gewissen Spaßfaktor beinhalten können. Die in Kooperation betriebene Agentur ist an das vom Landesarchiv Baden-Württemberg verantwortete Landeskunde-Portal LEO-BW angedockt. Die Protoagentur MusIS war am Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg in Form einer Fachredaktion für Museen und Sammlungen bereits vorhanden. In der Einstiegsphase ist ein bibliothekarischer Tandempartner auf jeden Fall von Vorteil. Für die Finanzierung stünden leider nur Bordmittel zur Verfügung, so dass die Agentur trotz ihrer Etablierung seit etwas mehr als fünf Jahren nach wie vor in Nebenarbeit als Zwei-Mann-Betrieb mit redaktioneller Unterstützung durch zwei weitere Personen betrieben werden muss. Der Arbeitsalltag ist geprägt von der Redaktionsarbeit als Tagesgeschäft, der Mitorganisation der GND-Foren, der Mitarbeit im GND-Ausschuss, der Regelwerksarbeit (z. B. für NS-Ghettos) und automatisierten GND-Einspielungen für das Wiedergutmachungsprojekt. Als künftige Aufgaben wären ein informeller Austausch zwischen den einzelnen Agenturen und regelmäßige Lobbyarbeit denkbar.

Gudrun Hoinkis von der GND-Agentur Berlin-Brandenburg benannte die Redaktion von Personennormdaten im bibliothekarischen Bereich, aber auch anderer Entitäten und die Arbeit mit verschiedenen Projektpartnern als diejenigen Aufgaben, die ihr am meisten Freude bereiten. Auch ihre Agentur wird nicht in Vollzeit betreut. Es ist vielmehr ein Stellenanteil für die Arbeit in der Agentur reserviert. Sie wurde im Jahr 2024 gegründet und hatte anfangs vier, jetzt nur noch drei Mitarbeitende. Es wird derzeit mit drei Archiven zusammengearbeitet, die Dateneingabe erfolgt dort über die GND-Webformulare. Außerdem werden Redaktionsarbeiten geleistet. Häufigste Aufgaben sind Redaktion, Qualitätssicherung und die Abgleichung eingereichter Listen mit OpenRefine. Für die Zukunft erhofft sie sich mehr Körperschaften für die GND, für die bisher wenig Bedarfe gemeldet wurden und mehr Communityarbeit.

Abschließend berichtete Dr. Anne Purschwitz von der geplanten GND-Agentur der Geschichtswissenschaften. Grundlage ist das Projekt NFDI4Memory, dessen erste Förderungsphase von fünf Jahren zur Hälfte geschafft ist. Ihre Agentur befindet sich derzeit in Gründung. Es erfolgt bereits jetzt Beratung und Support kleiner Projekte, aber auch Aufklärungsarbeit. Derzeit sind (in Teilzeit) fünf Kolleg*innen und ein Bibliothekar für Schulungen beschäftigt, wünschenswert seien allerdings zwei dauerhafte Personalstellen. Deren Finanzierung ist bisher aber ungeklärt. Mehr Klarheit soll die Ermittlung von GND-Bedarfen bei Historiker*innen, in Archiven, Citizen Sciences etc. bringen. Ziele der Agentur sind die bessere Verknüpfung historischer Ressourcen, eine gemeinsame Nutzung und Pflege von Normdaten, sowie die Priorisierung der Ansetzungen. Bisher sei die Redaktionsarbeit aber noch nicht produktiv. Es besteht vielmehr eine Sammlung von Informationen zu künftigen GND-Datensätzen. Wichtig für die Zukunft wäre daher ein Überblick, wer alles in GND-Projekten arbeitet, eine Verknüpfung von Informationen, Sammlung und Abgleich lebender Forschungsdaten und ein gegenseitiges Sichtbarmachen von Projekten. Eine Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives und dem Buchenwald-Projekt soll den Zugang zu Ressourcen erleichtern.

Abschließend betonte Dr. Mirjam Sprau, dass Agenturen nicht die Rollen von Gatekeepern, sondern von Vermittlern hätten. Außerdem müssen sich die technischen Voraussetzungen für die Arbeit mit der GND verbessern, wobei auch die Softwareanbieter gefordert seien. Hierfür müsse auch die Kommunikation zwischen Anwendern und Entwicklern verbessert werden. Außerdem rief sie zur Kontaktaufnahme mit den Agenturen auf.

5. Resümee und Ausblick

In ihrem Schlussstatement betonte Dr. Stephanie Marra von der TU Dortmund, dass die Zusammenarbeit in der GND-Community zwar komplex, aber wirkungsvoll sei. Sie regte die Weiterentwicklung hilfreicher Werkzeuge wie der Webformulare, des GND-Explorers oder GNDplus an und wünscht sich weiterhin ein kontinuierliches Wachstum der GND-Community. Immer wieder entstehen neue Fachinformationsdienste und neue Entitäten. Anlässlich des 6. GND-Forums wurde nun erstmalig eine Podiumsdiskussion als vielversprechendes neues Format durchgeführt. Sie rief Neueinsteiger*innen auf, künftig mitzumachen und persönliche Belange einzubringen und wies abschließend auf kommende Veranstaltungen, namentlich die Sitzungen der AG archivische Erschließung und der Agentur Standardisierung, den Deutschen Archivtag in Hof und den SODa-Selbstlernkurs Open Refine hin.

Die abschließende Umfrage bestätigte das Orga-Team bei ihren Planungen für ein 7. GND-Forum - das Interesse ist weiterhin rege! Verschiedene Themenvorschläge wurden bereits geäußert -  „Überzeugen!“, „Motivieren!“, „Infrastrukturieren!“ oder „Steter Tropfen…“. Das Orga-Team nimmt die Rückmeldungen für das 6. und die Vorschläge für das 7. Forum in ihre weiteren Teamsitzungen mit und wird auch überlegen, ob das nächste Forum einmal wieder in Präsenz stattfinden kann. Über neue Gesichter im Orga-Team (egal aus welcher Archivgutsparte, egal aus welcher institutionellen Rolle heraus) freuen wir uns sehr. Nehmt bei Interesse einfach Kontakt mit uns auf!

Die Veranstalter des 6. GND Forums "Mitmachen!":

In den folgenden Monaten möchten wir an dieser Stelle die unterschiedlichen Agenturen im GND Netzwerk mit Fokus auf ihre Besonderheiten vorstellen. Den Anfang macht die schweizer GND-Agentur SLSP. 

Ein Beitrag von Hans Schürmann, Vertreter der Agentur im GND-Ausschuss


Die GND-Agentur SLSP mit verteilten Redaktionen

Die Swiss Library Service Plattform AG (SLSP) ist eine junge Einrichtung. Ende 2020 sind die von SLSP betriebenen Systeme Alma, Primo VE u.a. produktiv gegangen und lösten damit die Aleph-Systeme des Informationsverbundes Deutschschweiz (IDS) ab. Der IDS war strukturell eine Koordination von IDS-Teilverbünden, die einen gemeinsam verwalteten GND-Spiegel pflegten, während die bibliographischen Daten in ihren je eigenen Aleph-Systemen gehalten wurden. Mit SLSP hat sich die Situation systemtechnisch massgeblich vereinfacht. Die GND ist in der Community Zone in Alma zentral verwaltet und die bibliographischen Daten werden in der Network Zone in Alma von SLSP als ein Einheitskatalog gepflegt. Alma ist der primäre Zugang zu den bibliographischen und den GND-Daten. So überzeugend die technische Vereinfachung in der Arbeit mit der GND in Alma war, so komplex stellte sich die Implementierung letztendlich heraus. Aufbauend auf der Pionierarbeit des Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH (OBVSG) hat die Alma GND-Anwendergruppe (AGA) der Deutschsprachige Ex-Libris-Anwendergruppe (DACHELA) gemeinsam mit der DNB und Clarivate / Ex Libris die Systemarchitektur laufend verbessert, so dass wir heute eine funktionierende Umgebung haben.

Damit waren die organisatorischen Herausforderungen für die GND-Agentur SLSP noch nicht gelöst. Es war von Anfang an klar, dass SLSP als Servicedienstleisterin der technischen Infrastruktur für die Bibliotheken als einzige als GND-Agentur in Frage kam. Gleichzeitig hatte SLSP nicht die Ressourcen, in der GND-Agentur SLSP die Redaktionsarbeit selbst zu leisten. SLSP stand also vor der Frage, wie eine GND-Agentur mit ihren Rechten und Pflichten betrieben werden kann, ohne überhaupt irgendeine GND-Redaktion zu haben. Die Lösung bestand darin, dass SLSP den Expert Pool GND Editorial Board ins Leben gerufen hat, bestehend aus Personen aus den Bibliotheken, die in ihren Bibliotheksnetzwerken, die in Alma als Institution Zones (IZ) repräsentiert sind, die Redaktionsarbeit organisieren und die konkreten Aufgaben erledigen. Im Expert Pool GND Editorial Board sind die Redaktionen der IZs Region Zentralschweiz, Universitätsbibliothek Basel, Universitätsbibliothek Bern, Aargauer Bibliotheksnetzwerk, Universitätsbibliothek St. Gallen, Zentralbibliothek Zürich und ETH Zürich vertreten. Diese sieben IZs betreuen insgesamt mehr als 300 mit der GND arbeitende Institutionen.

Nicht jede Bibliothek, die mit der GND arbeitet, ist in einer IZ mit GND-Redaktion. Der Expert Pool GND Editorial Board hat dafür gesorgt, dass diese Bibliotheken Anschluss an eine Redaktion finden. Dabei ist es der GND-Redaktion selbst überlassen, mit der GND-nutzenden Bibliothek eine Vereinbarung abzuschliessen, die den Aufwand für die Betreuung regelt. Die Rechte und Pflichten sowie die Aufwandabschätzung haben der Expert Pool GND Editorial Board festgelegt. Ob die Leistungen der Redaktion kostenpflichtig sind, bleibt in der Entscheidung der Redaktion, ebenso die Höhe der Abgeltung, abhängig von der jeweiligen Kostenstruktur der Redaktion. So konnte zum Beispiel die IZ Zentralbibliothek Solothurn über die GND-Redaktion der IZ Universitätsbibliothek Bern an die GND-Agentur angeschlossen werden. Weitere Bibliotheken werden folgen.

Der Zugang zur GND ist in SLSP noch weiter geöffnet. Es gibt noch entferntere Institutionen, die keinen Zugang zu den Systemen von SLSP haben und trotzdem mit den Institutionen in SLSP eng zusammenarbeiten. Sie nutzen die GND via Webformular und sind via MOC (Marc Organization Code) an eine bestehende GND-Redaktion angeschlossen. Sie übernimmt dann die Pflege der über das Webformular angelegten Datensätze. Damit ist auf einfache Weise systemfremden Institutionen ein Zugang zur GND gegeben.

Die so strukturierte Organisation funktioniert nur, wenn die Erfassungs- und Redaktionsprozesse sowie die Workflows gut und transparent dokumentiert und vermittelt werden. Diese Arbeit leistet der Expert Pool GND Editorial Board zusammen mit der GND-Agentur SLSP. Für alle Beteiligten ist es eine Win-Win-Situation. Einerseits profitiert die GND-Kooperative von der Arbeit an der GND, andererseits können die beteiligten Institutionen etablierte Infrastruktur, funktionierende Prozesse und stabile Daten nutzen.

Sie erreichen die GND-Agentur der SLSP über diesen Link.