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Ein Forschungsprojekt zur Archivierung von AV Materialien. Federführung Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) und Zuse Institut Berlin (ZIB).

Problemstellung:
Bei der Digitalisierung von Filmmaterial fallen diverse Bild-und Tondigitalisate zeitversetzt an. Es ist nicht immer möglich, diese Items oder data objects gleichzeitig zu einem Archival Information Packet  (OAIS AIP1) zusammenzufassen. Trotzdem sollen die zeitlich verteilt eintreffenden Datenkonvolute kontinuierlich in die Langzeitarchivierung (LZA) überführt werden.

Lösungsansatz:

Persistente Identifikatoren (PID) sollen für alle Archivpakte auf den Erfassungsebenen Werk, Fassung (im Archivkontext version) und item (oder data object) eingesetzt werden, und aufeinander referenzieren. So werden eindeutige Beziehungen der Datenpakete zueinander und zu einem Ganzen möglich. Das heißt, in jedem AIP sind die Metadaten (nach FIAF D7) Manifestation/Item Physical Description sowie die Kernmetadaten zur Identifikation des Werkes in Form des Minimum-Sets EN 15744 hinterlegt. Über eine Rechercheoberfläche sind diese Metadaten durchsuchbar.

Als Teil der Langzeit-Archivierungsstrategie des SDK -ZIB Projekts werden die Metadaten automatisch aus der SDK internen Adlib-Datenbank extrahiert und in eine Metadatendatei im METS Format geschrieben, welche das Datenpaket umfassend beschreibt. METS ist der etablierte Standard in der Langzeitarchivierung, um Strukturen und deskriptive Informationen zu erfassen.

Das METS-Format dient als Container, in dem die eigentlichen Metadaten die dem Archivpaket beigegeben werden sollen, erfasst werden.

Jeder METS-Container in jedem Datenpaket enthält:

  • die bei Datenübernahme erhobenen Checksummen auf Dateiebene

  • den Minimum-Set Standard EN 15744 zur Identifikation des filmografischen Werks und

  • die Metadaten Manifestation/Item Physical Description (nach FIAF D7) zum jeweiligen Datenpaket und

  • Persistente Identifikatoren aus dem PID System

Mit diesem Vorgehen werden zwei Ziele erreicht:

  1. Persistente Identifikatoren ermöglichen es, einzelne Teile bspw. einer Restaurierung zeitlich versetzt in die Langzeitarchivierung zu überführen, ohne die Beziehungen der einzelnen Teile zueinander und zu einem übergeordneten Ganzen zu verlieren. Das PID-System wird nicht in einem proprietären System in der Institution betrieben, sondern außerhalb des Archivs im Web. Die Verwendung etablierter Standards und eine Offenheit für andere Identifikatorensysteme befördert eine breite Akzeptanz in der Community. Durch das Identifikatorensystem werden die Werks-, Versions- und Objekt-Metadaten auch nach außen sichtbar.

  2. Über eine Oberfläche kann auf allen erfassten Ebenen in den Metadaten recherchiert werden. Ein PID-System mit darin erfassten standardisierten Kernmetadaten kann ohne Probleme zu einer Art Verbundkatalog der AV-Materialien sammelnden Institutionen werden. Die Recherche auf der Oberfläche des PID-Systems führt dann beispielsweise auf die wesentlich umfangreicheren Metadaten der SDK-Datenbank auf deren Website. Die Zuordnungen der Metadaten im PID-System zu den Datenpaketen im Langzeitarchiv und zu der SDK-Datenbank bleiben durch die Identifikatoren erhalten. Über diese Referenz wird es zukünftig möglich sein, einzelne Teile einer Fassung aus dem digitalen Langzeitarchiv anzufordern.


Aufgaben:

Teilaufgabe 1:

Metadaten des Identifikatoren-Systems.

Der EN 15744-Standard dient der Basis-Identifikation von audiovisuellen Werken auf der Werksebene (max. 15 Felder). Es liegt bisher keine standardisierte XML-Umsetzung des EN 15744 vor. Das Minimum-Set definiert die Datenelemente, die die Interoperabilität zwischen multilingualen kinematografischen Katalogen ermöglichen. Bisher entwickeln Institutionen eigene XML-Schemata für EN 15744 oder nutzen Elemente des EN 15907 in eigenen Austauschschemata.

Ziel ist es, den Metadatensatz EN 15744 in ein standardisiertes XML-Schema zu übertragen, um ihn in ein METS einbetten zu können. Dazu wird EN 15744 in EBUCore implementiert und durch das EBUCore-XML-Schema umgesetzt.

EBUCore ist ein verbreiteter, aktiver und akzeptierter internationaler Standard für Medien-metadaten, dabei liegt der Fokus von EBUCore bisher auf der Beschreibung der physischen (technischen) Charakteristika. Es ist daher als Zielformat für diesen Teil der zu den Archivpaketen abzulegenden Metadaten sehr gut geeignet. Da es sich aber bei den filmografischen Daten aus EN 15744 um ein recht übersichtliches Minimum-Set handelt, ist dieses ebenfalls gut in EBUCore darstellbar. Dabei wird EN 15744 streng nach den Vorgaben in EBUCore implementiert und nicht verändert. Zusätzlich, auf gleicher Ebene, werden die Manifestation/Item Physical Vorgaben der FIAF angegeben, wobei eine grundsätzliche hierarchische Kapselung eben solcher Elemente erfolgt, die das Format des im Datenpaket archivierten Items betreffen. Der Metadatensatz wird um eine zusätzliche Ebene "Version" ergänzt, das aus den in der Kinemathek erfassten Manifestationsfeldern extrahiert wird. Das Werk, die Version und das data object mit dem Item erhalten jeweils einen PID.

Teilaufgabe 2:

Bereitstellung eines Testsystems zur Recherche.

Basierend auf dem handle System wird ein Testdatensatz mit den unter Teilaufgabe 3 definierten Metadatenfeldern entwickelt.

Teilaufgabe 3:

Schnittstelle PID-System und Adlib Datenbank:

Beim Anlegen von Werken und Items in der SDK-Datenbank werden über eine Schnittstelle zum PID-System automatisiert Identifikatoren erzeugt und in Adlib übernommen. Die dazugehörigen deskriptiven Metadaten werden automatisch aus Adlib extrahiert und im PID-System mit den Identifikatoren verknüpft.2



1 Archival Information Package, Ein Archivpaket aus Inhalt und Metadaten in der LZA. Der Inhalt kann beispielsweise ein Bild sein, während die Metadaten weitere Informationen zum Objekt liefern.

2 Sowohl Adlib, als auch alle gängigen PID-Systeme besitzen gut dokumentierte Schnittstellen, die es ermöglichen, Metadaten automatisiert auszutauschen. Die im Projekt „Datenübernahme im Filmarchiv“ entwickelte Schnittstelle, mit der Metadaten in Adlib geschrieben werden, kann weitestgehend nachgenutzt werden.

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