Blog-Eintrag vom Mai, 2026

Die GND-Nutzung wird sichtbarer, aber das zu erklären braucht etwas mehr Text.

Dieser Beitrag entstand in der Zusammenarbeit mit Hubrich, Jessica und Glagla-Dietz, Stephanie .

Motivation die GND zu nutzen

Wenn es zu den Arbeitsaufgaben gehört, für die Nutzung der Gemeinsamen Normdatei (GND) zu werben, dann sollte man schon ein paar gute Argumente im Portfolio haben. Denn Normdaten zu nutzen, macht Arbeit. Das ist nicht nur der Einwand von Frau Dr. Anna Mayer in unserer fiktiven Geschichte zur Nutzung der GND im E-Learning, sondern auch von ganz realen Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die eigenen Sammlungen und Sammlungssobjekte mit Metadaten und - wo immer es möglich ist - auf Normdaten rekurrierend zu beschreiben, ist aufwändig. Im Forschungsprojekt den Text, die Bilder und andere Ausdrucksformen mit Normdaten zu annotieren, braucht Zeit. Oder Normdaten in Verwaltungsprozessen einzusetzen, um Eindeutigkeit für die bezeichneten Entitäten zu gewährleisten, das ist mit Aufwand verbunden. Dieser Aufwand lässt sich nur sehr begrenzt automatisieren. Das Recherchieren des passenden GND-Datensatzes macht Arbeit. Die Verknüpfung mit der korrekten GND-Nummer oder dem Identifikator macht Arbeit, und das Klären von Zweifeln, ob der gefundene GND-Datensatz tatsächlich zu der Aussage passt, für den man ihn verwenden will, ist aufgrund der eigenen Datenlage oft mehr als mühsam. Es ist bislang auch keine Tätigkeit, die man an einen KI-Assistenten delegieren könnte. Denn um sicher den richtigen GND-Datensatz aus über zehn Millionen Datensätzen herauspicken zu können, braucht man Expertise, Kontextwissen und last but not least auch ein wenig Glück. Schließlich besteht immer das Risiko, dass die GND die gewünschte Entität noch nicht enthält. Wie man sich dann behelfen kann, soll heute nicht unser Thema sein, Hinweise hält aber unser E-Learning mit Frau Batic bereit.

Sichtbarkeit

Eines der Argumente sich die Arbeit dennoch zu machen, neben der erzielten Eindeutigkeit in der Verwendung von Normdaten, der Arbeitseffizienz und der Kontextualisierung der getroffenen Aussage durch die Wahl der GND-Entität, ist die verbesserte Sichtbarkeit der eigenen Daten. Auf unserer Website schreiben wir zur Sichtbarkeit:

“Denn mit Normdaten steigt die Sichtbarkeit der eigenen Daten im Netz. Ein wachsendes Angebot an Plattformen wie z. B. Wikipedia, die Deutsche Digitale Bibliothek, das Archivportal D, die Nationalbibliografie, die Verbundkataloge und viele weitere nutzen die GND, um ihre Daten durch Verlinkungen sichtbarer zu machen. (…) Alle Daten, die an den Normdatensatz zu Clara Schumann geknüpft sind, vom Wikipedia-Eintrag, ihren Werken und deren Interpretationen, über Bilder und Artikel zu Clara Schumann bis hin zu den von ihr bevorzugten Instrumenten, bilden einen Einstieg, über den man zu weiteren Datensätzen kommen kann. Derart vernetzt schaffen Normdaten deutlich mehr Einstiege als etwa die museumseigene Webseite allein.”

In den hier verlinkten Folien haben wir die zentralen Vorteile der Nutzung der GND kurz zusammengefasst. 

Sichtbar werden

GND Explorer 2.2 - neue Funktionen

Aber was tun wir an der Deutschen Nationalbibliothek, um dieses Versprechen nach mehr Sichtbarkeit für die Sammlungs- und Forschungsdaten durch die Nutzung der GND-IDs einzulösen? Denn der Aufwand, die harte und mühevolle Arbeit, soll sich ja lohnen. Am besten messbar, damit man sie leichter gegenüber Vorgesetzten und Fördermittelgebern rechtfertigen kann. Schon in unserem letzten Blogpost zu den neuen Entwicklungen des GND Explorers haben wir in der Faktenblattansicht zu jeder Entität die Listung nicht nur weiterer Identifikatoren, wie Wikidata oder VIAF, sondern auch zu jedem Datensatz den sogenannten BEACON-Aggregator der Ludwig-Maximilian-Universität aufgeführt. Im letzten Herbst stellten wir in Aussicht, die Darstellung der externen GND-Nutzung schon bald zu verbessern. Genau da können wir nun Vollzug melden. 

Wer den GND Explorer noch nicht kennt und als Recherchetool für GND-IDs ausprobiert hat, hier eine ultrakurze Einführung: Der GND Explorer verzeichnet tagesaktuell alle GND-Entitäten, die es gibt. Täglich kommen 600 bis 700 neue Entitäten von über tausend neuen Einrichtungen hinzu, viele tausend werden um Informationen erweitert. Damit man die gewünschte Entität leicht findet oder vielleicht auch ein ganzes Set von Entitäten nach bestimmten Kriterien zusammenstellt, kann man zwischen unterschiedlichen Ansichten wechseln, man kann die Trefferliste durch Facetten verfeinern und sich den Kontext einer Entität, ob im Wissensgraph, der Relationenvisualisierung, in der Karte oder in der Hierarchieansicht, visualisieren lassen. Alles mit nur ein paar Klicks. Mit dem SPARQL-Endpunkt zur GND geht das natürlich auch. Dort kann man die Ergebnisse zudem leicht exportieren. Die Integration des SPARQL-Dienstes in den GND Explorer ist übrigens schon als Wunsch an uns herangetragen worden. Aber für Menschen dürfte der GND Explorer attraktiver sein. Schließlich wird jeder einzelne GND-Datensatz umfassend im Faktenblatt des Explorers dargestellt. 


Nutzung der GND durch Partner

Die jetzt produktiv genommenen Neuerungen betreffen jede GND-Entität und sind über die rechte Navigationsleiste aus jeder anderen Sicht erreichbar.  In der Navigationsleiste gibt es jetzt ein neues Icon “Partnernetzwerk”, das alle uns bekannten Aggregationen von externen GND-Nutzungen anzeigt. Voraussetzung ist jedoch für die Anzeige im Explorer, dass es zu jedem GND-Datensatz einen Eintrag gibt, selbst wenn dieser einstweilen noch keine Verknüpfung aufweist. Daher können wir zum Beispiel nicht einen Dienst wie HAGRID der Heidelberger Akademie der Wissenschaften automatisch auswerten. Hier wird nur ein Bruchteil der GND-IDs nachgenutzt. Wir können eine entsprechende Auswertung händisch nicht leisten und wollen aber aus Gründen der Verlässlichkeit “tote” Links vermeiden. Der BEACON-Aggregator der LMU hält jedoch genau dieses Kriterium ein. Selbst in dem Fall, dass zu einer GND-Entität kein Eintrag in einer BEACON-Datei existiert, wird eine Verbindung hergestellt, nur dass dort dann kein Eintrag vorliegt (Beispiel). Durch die über die Verknüpfung einfache Weiterverfolgung der Nutzung eines GND-Datensatzes in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen und Sammlungen kann der Nutzende des GND Explorers relativ bequem durch Verlinkung all die Ressourcen und Kontexte aufspüren, die mit einer bestimmten GND-Entität verknüpft sind. Der Identifikator zu Friedrich Schiller beispielsweise wird in fast 150 BEACON-Dateien geführt. Diese Art von multipler und dichter Vernetzung findet dann auch ihren Niederschlag in den Ergebnissen der konventionellen Suchmaschinen des Internets und erhöht damit die Sichtbarkeit der eigenen Daten. Weitere Nutzungen werden ebenfalls angezeigt. Gehen Sie auf Entdeckungsreise! (Abbildung 1)



Abbildung 1 GND Faktenblatt Berlin (screenshot)  Das Feature Partnernetzwerk ist rechts in der Navigationsleiste markiert.

GNDplus-Datensätze im GND Explorer

Manch einer hat es schon vernommen, derzeit entwickeln wir im Ausbau der integrativen Infrastruktur der GND einen partizipativen Datenraum: GNDplus. Künftig soll es möglich sein, hier kollaborativ an neuen GND-Datensätzen zu arbeiten, Korrekturen und Anreicherungen zu bestehenden Datensätzen vorzunehmen, die dann nach Übernahme der langfristigen Verantwortung durch eine GND-Agentur für die dauerhafte Pflege dieser Datensätze in das Produktivsystem der GND transferiert werden. Doch schon vorher bekommt jeder GNDplus-Datensatz einen Identifikator, eine PID, die dauerhaft auf diesen Datensatz verweist. Diese GNDplus-ID wird auch im GND Explorer angezeigt (Abbildung 2). Wir haben jetzt zunächst Testdaten für den partizipativen Datenraum GNDplus generiert. Damit wollen wir zeigen, wie die GNDplus Entitäten im GND Explorer dargestellt werden. Der Gedanke dahinter ist natürlich, offene Fragen zu beantworten. Uns ist es wichtig, Bedenken zu zerstreuen, die GND würde nun mit unvollständigen Datensätzen geflutet. Zugleich möchten wir Initiativen, Forschungsprojekte und andere Communities ermutigen, die für sich prüfen, ob sich der Aufwand, den partizipativen Datenraum GNDplus zu nutzen, lohnt. Gerade im Sinne der Sichtbarkeit und der Verfügbarkeit der persistenten IDs.


Abbildung 2 Das Fakentblatt für eine GNDplus Entität im Explorer (Screenshot)

Die Anzeige der GNDplus-Datensätze im GND-Explorer kann im Filter der Trefferliste ausgewählt werden. Ist die Anzeige ausgewählt, findet man die Datensätze als Entitätentyp “GNDplus” in der facettierten Suche und erhält eine Liste der Einträge. Diese Liste ist momentan noch überschaubar, nur einige wenige hundert Einträge, aber sie veranschaulichen das Grundsätzliche. Ein GNDplus-Datensatz wird durch ein invertiertes Icon kategorisiert (Abbildung 3). Während eine Sammlung im Produktivsystem der GND ein weißes Symbol für ein Textblatt in einem vollen violetten Punkt kennzeichnet, wird die GNDplus-Entität einer Sammlung mit einem weißen Punkt mit einem violetten Symbol markiert. 

Wissen kompakt

Zum Schluss möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein kleines Symbol in der rechten Navigationsleiste des GND Explorers lenken. Vielleicht haben Sie es auch schon gesehen: </>. Wenn Sie diesen Menüpunkt auswählen, erhalten Sie eine Kompaktansicht des Faktenblattes nach dem Bedarf Nutzender der Pica-Formate in Bibliotheken. Die vorliegenden Daten zu einer Entität erscheinen auf die wesentlichen Merkmale reduziert: rank und schlank. So wie es manche, nicht nur in Bibliotheken bevorzugen.

Persönlich freue ich mich, dass wir mit dem GND Explorer 2.2 nicht nur ein Angebot machen, das mit seinen Visualisierungen viele Nutzende anspricht und sie motiviert, nach GND-Entitäten zu recherchieren, um sie für die eigene Arbeit nachzunutzen. Arbeit soll ja auch Freude bereiten. Sondern vor allem freue ich mich, dass das Entwicklerteam rund um meine Kolleginnen Jessica Hubrich und Stephanie Glagla-Dietz nicht müde wird, mit den oft geringen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, aktuelle Bedarfe aus dem Kreis der Nutzenden aufzugreifen und in neuen Versionen der Anwendung umzusetzen. Freuen Sie sich mit mir über die Version 2.2 des GND Explorers.

Kleiner Nachsatz

Es ist eine ironische Wendung, dass gerade die Qualität und Zuverlässigkeit der GND-Normdaten sowie ihre Machinenlesbarkeit diese besonders attraktiv für Netz-Crawler, Bots und KI-Dienste macht. Deren Anfragen bringen derzeit unsere Server an ihre Kapazitätsgrenzen. Wir arbeiten an einer Lösung und bitten derweil um Nachsicht, wenn der Service nicht in jedem Moment ungehindert zur Verfügung steht.

Abbildung 3 Netzwerkansicht eines GNDplus Eintrages mit dem invertierten Icon für Sammlungen. (screenshot)


Ein Playbook zum Workshop “Demokraten und Daten” im Rahmen des Hessischen Bibliothekstages 2026 

Sehr oft, wenn ich einen Blogpost schreibe, steht die Gemeinsame Normdatei (GND) im Fokus des Beitrages. Das ist auf dem GND-Blog naheliegend. Doch heute möchte ich ein Thema in den Mittelpunkt stellen, das uns alle betrifft, egal, ob wir tagtäglich mit Normdaten zu tun haben oder diese nur aus dem Lexikon kennen: Unsere demokratische Gesellschaft. Nicht nur weil in diesem Jahr viele Landtagswahltermine anstehen, kann man derzeit viel über Demokratie, Demokratiemüdigkeit, Demokratiegefährdung und Demokratieresilienz hören oder lesen. Es herrscht zurzeit mehr als nur ein Unbehagen. Die Zivilgesellschaft kommt in Bewegung. Verbände, Gewerkschaften, NGOs, Gremien der Wissenschaft und Kultur, sie alle reagieren auf die zunehmende Polarisierung des gesellschaftlichen Diskurses, auf das Erstarken demokratiefeindlicher Parteien und auf die endemische Ausbildung von Misstrauensgemeinschaften. In diesem Kontext steht die Veröffentlichung sowohl der aktualisierten GND-Leitlinien im Januar als auch das Positionspapier des Hessischen Bibliotheksverbundes “Demokratie braucht Bibliotheken” vom 11. Mai auf dem hessischen Bibliothekstag in Gießen. Alle eint das Gefühl, dass es mehr braucht als das stille Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen, sowie die Einsicht, dass wir alle Teil dieser demokratischen Institutionen sind und wir daher selbst aktiv werden müssen, wenn uns die liberale, auf dem Grundgesetz ruhende Demokratie als sicherer Rahmen für unsere offene Gesellschaft etwas bedeutet. 

Vor diesem Hintergrund haben Jakob Frohmann von der Universitätsbibliothek Frankfurt und ich unterstützt durch die Organisatoren des hessischen Bibliothekstages, dbv Hessen und der vdb Hessen, in Gießen einen Workshop für Mitarbeitende in Bibliotheken mit dem Titel “Demokraten und Daten” durchgeführt. Da wir glauben, dass man das Konzept gut als Playbook für ähnliche Workshops im eigenen Haus nutzen kann, möchte ich es kurz vorstellen.

Das Konzept

Wir haben uns für eine induktive Methode entschieden, bestehend aus Einführung, Beispiel, Gruppenarbeit und Ergebnissicherung (Abbildung 1). 

Abbildung 1: Das Zeitschema des Workshops

Dabei diente uns die Arbeit an der Aktualisierung der GND-Leitlinien als Beispiel. Eine Lehre in dieser Arbeit war es, dass es nicht immer die schnell umzusetzende Aktion sein muss, sondern dass es wichtiger ist, den Diskurs über die Maßnahme breit zu führen und Mitstreiter*innen zu gewinnen, die einem im Gang durch die Ebenen der Umsetzung den Rücken stärken, auch wenn das Zeit kostet. Im dritten Teil haben wir die Teilnehmenden eingeladen, eigene Ideen zu entwickeln. Um es den Teilnehmenden einfacher zu machen, selbst Ideen zu skizzieren, was sie zur Demokratieresilienz in ihrer Einrichtung in den Blick  nehmen könnten, haben wir drei Aktionsfelder definiert. (Abbildung 2)

Im ersten Aktionsfeld nehmen wir die Daten der Bibliothek in den Fokus. Das können Katalog- oder Forschungsdaten sein, und wie wir diese vor aggressiven Manipulationen schützen können. Jüngstes Beispiel sind die wiederholten Manipulationen der “Bibliothek des Konservatismus” am Katalog des GBV-Bibliotheksverbundes, die nun per Gerichtsurteil unterbunden werden können. Aber ebenso Digitalisate aus den Sammlungsbeständen der Bibliothek. Sei es, dass man überlegt, welche Medien bevorzugt zur Demokratiebildung digitalisiert werden sollen. Oder untersucht, ob und wie Digitalisate und ihre Inhalte künftig vor Missbrauch geschützt werden müssen.

Das zweite Aktionsfeld wirft den Fokus auf  die Daten der Nutzenden. Was können wir tun, um deren Daten vor Missbrauch zu schützen, wie können wir sie besser über Gefährdungspotentiale informieren? Es geht um Datenschutz, Ansprache, Datenspuren und Fragen der Integration und Inklusion. 

Im dritten und letzten Aktionsfeld steht die Bibliothek selbst im Zentrum. Am digitalen Arbeitsplatz entscheidet sich die Programmgestaltung, bestimmen unterschiedliche Policies des Hauses die Arbeitsweise der Mitarbeitenden, sei es hinsichtlich der Leseförderung, oder der Auswahl der Software, KI-Anwendungen  oder Cloud-Services.

Die Teilnehmenden konnten nun frei wählen, in welchem Aktionsfeld sie ihre Handlungsoptionen identifizieren wollten. Sie entwickelten erste Ideen, die jeweils kurz vorgestellt wurden. Gemeinsam haben wir dann im dritten und vierten Teil des Workshop eine erste Roadmapskizze zu der Idee erarbeitet, die uns allen am spannendsten erschien. 

Abbildung 2: Die Aktionsfelder des Workshops

Die Ideen

Ideen gab es für jedes der Aktionsfelder. Im Feld der Bibliotheken natürlich die Idee, die Demokratiebildung und Resilienz durch entsprechende Veranstaltungen zu fördern. Zum Beispiel den US-amerikanischen Dokumentarfilm “The Librarians” zu zeigen. Im Bereich der Daten von Nutzenden kamen Vorschläge wie zu untersuchen, wie die Daten der Nutzenden bei Konsortiallizenzen besser vor ungewollter kommerzieller Nachnutzung oder Missbrauch geschützt werden könnten, oder den Diskurs über Zensur versus Meinungsfreiheit im Spannungsfeld der Demokratieresilienz zu fördern. Auch sicherzustellen, dass Anstrengungen für mehr Integration und Inklusion zum dauerhaften Selbstverständnis der Bibliothek gehören. Im Feld der Daten, die die Bibliothek bereitstellt, gab es im Wesentlichen zwei Ideen für Handlungsoptionen. Die erste Idee kreiste um das Problem der Zugangssicherung zu Information und Wissen mittels der Kataloge und Datenbestände bei exponentiell steigender Last durch Bots und Crawler. Die zweite Idee holte weiter aus. Wie sollen wir künftig unsere nach besten Wissen und Gewissen in Open Access publizierten Daten vor feindlichen, kriminellen oder vandalisierenden Datenmanipulationen schützen? Es geht um nichts weniger als um das Vertrauen der Nutzenden in die Bibliotheken, die als Garant für die Authentizität und Qualität der Daten einstehen. Diese Idee haben wir schließlich alle zusammen versucht weiter zu konkretisieren.

Open Access versus Datenmanipulation

Zunächst haben wir das Thema detaillierter beschrieben. Ein zentrales Problem schien uns fehlende Optionen, saubere Quellenkritik zu ermöglichen. In der Nachnutzung der Inhalte der digital vorliegenden Quellen, die zudem beliebig aufgesplittet, neu gemischt und manipuliert werden können, geht meist der Quellenbeleg als Garant für Qualität und Authentizität  verloren. Schnell wurde klar, dass die einzelne Bibliothek zwar nur bedingt, das Problem lösen kann, aber dass selbst für diese Maßnahmen die Zusammenarbeit von vielen Akteuren wie der EDV, den Bibliothekar*innen, dem Open-Access-Beauftragten und der Direktion unterstützt durch Pädagogen und Psychologen sowie nicht zuletzt durch Verbünde wie dem VDB und ähnlichen, erforderlich wären. Einerseits müsste der gesetzliche Rahmen in Form von KI-Gesetzen dem Missbrauch von OpenAccess publizierten Daten vorbeugen. Zum anderen könnten zum Beispiel im Rahmen von den Open Access Wochen konkrete Maßnahmen wie Workshops zur Verbesserung der Quellenkritikfähigkeit oder ein Kampagne gegen den Digitalisat-Missbrauch gestartet werden. Angedacht wurden der Ausbau von technischen Lösungen wie “digitale Wasserzeichen”, oder die Entwicklung eines entsprechenden Code of Conducts und eines Disclaimers für die OA-Portale. Auch könnten vielleicht Social Media Manager oder Social Media Player der Bibliothek geschult werden, Fakes zu erkennen und als solche zu melden. Es gab schon so viele spannende Ideen allein rund um dieses Thema, doch unsere Zeit war begrenzt. Um aus dieser Skizze heraus eine seriöse Projektplanung zu entwickeln, bliebe selbstverständlich noch viel zu tun. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Beschäftigung mit dem großen und manchmal doch als schwer empfundenen Thema Demokratieförderung Spaß machen kann und selbst bei wenig Zeitaufwand schon Denkprozesse anregt. Das sagten zumindest die Teilnehmenden.

Ich hoffe,  dass sich viele durch dieses kleine Playbook motiviert fühlen, sich selbst vor Ort umzuschauen, welche Handlungsoptionen jede und jeder von uns hat. Suchen Sie sich Mitstreiter*innen und treten Sie für eine offene Gesellschaft ein. Denn Bibliotheken brauchen Demokratie.


aus Anlass des GND-Forums Humanities@NFDI am 23. und 24. Juno in Göttingen

Am 23. und 24. Juni 2026 veranstaltet das Kleeblatt der NFDI-Konsortien mit der GND-Zentrale ein gemeinsames GND-Forum zum ersten Mal vor Ort in Göttingen. Viele Leser*innen werden sich an das online GND-Forum NFDI, FID & Co im Dezember 2024 noch erinnern. Wir erwarten gut 80 Personen zu diesem Arbeitstreffen rund um die Gemeinsame Normdatei (GND). Das Kleeblatt, das sind die vier geisteswissenschaftlichen Konsortien NFDI4Culture, NFDI4Memory, NFDI4Objects und Text+, die zusammen das Gros der Geisteswissenschaften abdecken und zugleich auch alle GLAM-Sparten ansprechen. Ziel der NFDI insgesamt ist es, eine nationale Infrastruktur für Forschungs-, Sammlungs- und Metadaten aufzubauen, die gleichermaßen für alle Forschenden zugänglich und nutzbar ist. Doch der Weg dahin ist langwierig, voller Abenteuer, komplexer und intensiver Arbeit. Es braucht sowohl technische Angebote, aber -  und wer aus der GND-Gemeinschaft würde das nicht bestätigen - natürlich auch Debatten und einen Rahmen, in dem ein konsensuales Verständnis entwickelt werden kann. Es braucht eine Organisationsstruktur, definierte Workflows, Standards und letztlich eine gemeinsame Sprache, damit das Bezeichnete auch von allen gemeint und gefunden wird. Es braucht so etwas wie eine Lingua Franca.

Vielleicht denken jetzt manche Lesende, dass das pragmatische, nicht immer kunstvolle und sich stets aus vielen Kontexten bedienende Konzept der Lingua Franca gerade das Gegenteil der geordneten, kontrollierten und regelbasierten GND ist. Das stimmt schon und dann wieder doch nicht. Denn, um miteinander handeln zu können, teilen beide Konzepte die Funktionen: Verständigung sicherstellen, Eindeutigkeit bewirken und Brücken schlagen. Auf der einen Seite zwischen Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, und auf der anderen Seite zwischen Ressourcen, die sich in unterschiedlichen Domänen und Kontexten befinden.

Die Eckdaten

Termin

Start: Dienstag, den  23. Juno 11:30 Uhr;  Registrierung

Ende: Mittwoch, den 24. Juno 2026 12:30; Veranstaltungsende

Ort

Clubräume der Zentralmensa des Studierendenwerks der Universität Göttingen

Platz der Göttinger Sieben 4, 37073 Göttingen

Anmeldung bis 16.6.2026

Eine Anmeldung ist erforderlich. Es wird keinen Stream geben können. Die Plätze sind beschränkt. Nutzen Sie zur Anmeldung diesen Link.

Diskutieren Sie in sommerlicher Runde in Göttingen

Das Konzept “lingua franca”

GND ID gnd/041677455 

Die ursprüngliche Bedeutung der lingua franca (Ital. – „fränkische Sprache“) bezieht sich auf eine bestimmte Pidgin-Sprache, die bis ins 19. Jahrhundert an der Süd- und Ostküste des Mittelmeers als Handels- und Verkehrssprache verwendet wurde. Sie basierte auf romanischen Sprachen, aber enthielt Elemente nicht-romanischer Sprachen, hauptsächlich des Arabischen. Heutzutage wird der Begriff lingua franca als Bezeichnung für eine Sprache verwendet, die von Sprechern verschiedener Muttersprachen als gemeinsame Verkehrssprache genutzt wird. Englisch ist heute eine klassische lingua franca.

Textquelle: Glossar ICUD Seminar

Das Göttinger Programm

Das Programm wendet sich an Forschende und Mitarbeitende in den Geisteswissenschaften, deren Fachinformationsdienste, in wissenschaftlichen Bibliotheken, Musik-, Kunst- und Museumsbibliotheken sowie in Einrichtungen des kulturellen Erbes und anderen Sammlungen jeweils mit Bezug zu den NFDI-Konsortien des Kleblatts und zur GND. Das Programmkonzept für dieses GND-Forum vor Ort in Göttingen sieht drei Teile vor. Neben den Inhalten liegt den Veranstaltern besonders die aktive Partizipation aller Forumgäste am Herzen. Das spiegeln die auf den ersten Blick eventuell ungewöhnlichen Bezeichnungen der drei Veranstaltungsteile wider. Am ersten Tag fokussieren wir die praktischen Fragen, um uns am zweiten Tag Zeit für den Austausch zum weiteren gemeinsamen Vorgehen zu nehmen.

Teil 1 Ein Parcours der Tools und Anwendungen

In den vergangenen Jahren sind in den vier Konsortien wie auch in der GND-Zentrale neue Tools, Anwendungen und Services rund um die GND entstanden. Zwölf davon stellen wir den Teilnehmenden in einem Drei-Runden-Parcours vor.

Teil 2 Der Entitätstypen Fishbowl

Die Ursprünge der GND sind tief in den Bedarfen der bibliothekarischen Erschließung verankert. Ihre Regeln basieren im Wesentlichen auf zwei bibliothekarischen Standards, der verbalen Inhaltserschließung (RSWK) und dem RDA-DACH. Durch die Öffnung der GND und dem Wunsch, weitere Anwendergemeinschaften zu integrieren, kommen neue Perspektiven auf die Entitätstypen ins Spiel. Vor allem die Konzepte für “Werke”, “allgemeine und Individualbegriffe”, “Geografika” und “Körperschaften” werden von Forschenden aus den Geisteswissenschaften und dem Kulturbereich gewissermaßen als Maßanfertigungen für Bibliotheken erlebt, während sie von Bibliothekar*innen eher als One-Size-Fits-All betrachtet werden. Im Fishbowl-Format bekommen alle Teilnehmenden die Chance, sich auszutauschen, die Sichtweise des jeweils anderen besser zu verstehen und vielleicht schon Lösungswege zu skizzieren. Vier 40 minütige Fishbowls stehen den Forumgästen offen zum Eintauchen. 

Teil 3 Ein Strategie Pow Wow

Pow Wows wurden ursprünglich von indigenen Gruppen in Nordamerika abgehalten, um unterstützt durch ein geregeltes Format zu Beschlüssen zu finden, die die Gemeinschaft als Ganzes betrafen. In einem metaphorischen Sinne nutzen heute auch viele andere Communities den Begriff. Wir wollen damit andeuten, dass hier nicht Top-Down eine Marschrichtung vorgegeben werden soll. Vielmehr versuchen die Veranstalter, möglichst viele der Anwesenden in einen Dialog zu zwei zentralen Fragen einzubeziehen:

  • Zwischen Minimum und Maximum: Was können GND und NFDI  für ein funktionales Datenökosystem leisten?
  • Wie können wir uns gegenseitig unterstützen, um unsere Vorstellungen umzusetzen?

Ausgangspunkte der Diskussion sind einerseits die Eindrücke und Ergebnisse des Vortages. Zum anderen wird Jürgen Kett (DNB) in einem pointierten Vortrag skizzieren, welche Chancen und Herausforderungen das Konzept der GND als Lingua Franca für die geisteswissenschaftlichen Konsortien und für die GND insgesamt bietet. Anschließend diskutiert ein Panel zusammen mit den Teilnehmenden die obigen Fragen sowie weitere auftauchende Aspekte.

Das vollständige Programm und den Link zur erforderlichen Anmeldung finden Sie auf der Veranstaltungsseite der GND-Website. Für diejenigen, die nicht vor Ort in Göttingen dabei sein können, werden wir im Anschluss an die Veranstaltung in diesem Blog die Ergebnisse dokumentieren.


 

Die Zentralmensa der Göttinger Universität ist der Veranstaltungsort des GND-Forums Humanities@NFDI




Die Veranstalter

(in alphabetischer Reihenfolge)

GND-Zentrale an der Deutschen Nationalbibliothek

NFDI4Culture

NFDI4Memory

NFDI4Objects 

Text+  an der SUB Göttingen