aus Anlass des GND-Forums Humanities@NFDI am 23. und 24. Juno in Göttingen

Am 23. und 24. Juni 2026 veranstaltet das Kleeblatt der NFDI-Konsortien mit der GND-Zentrale ein gemeinsames GND-Forum zum ersten Mal vor Ort in Göttingen. Viele Leser*innen werden sich an das online GND-Forum NFDI, FID & Co im Dezember 2024 noch erinnern. Wir erwarten gut 80 Personen zu diesem Arbeitstreffen rund um die Gemeinsame Normdatei (GND). Das Kleeblatt, das sind die vier geisteswissenschaftlichen Konsortien NFDI4Culture, NFDI4Memory, NFDI4Objects und Text+, die zusammen das Gros der Geisteswissenschaften abdecken und zugleich auch alle GLAM-Sparten ansprechen. Ziel der NFDI insgesamt ist es, eine nationale Infrastruktur für Forschungs-, Sammlungs- und Metadaten aufzubauen, die gleichermaßen für alle Forschenden zugänglich und nutzbar ist. Doch der Weg dahin ist langwierig, voller Abenteuer, komplexer und intensiver Arbeit. Es braucht sowohl technische Angebote, aber -  und wer aus der GND-Gemeinschaft würde das nicht bestätigen - natürlich auch Debatten und einen Rahmen, in dem ein konsensuales Verständnis entwickelt werden kann. Es braucht eine Organisationsstruktur, definierte Workflows, Standards und letztlich eine gemeinsame Sprache, damit das Bezeichnete auch von allen gemeint und gefunden wird. Es braucht so etwas wie eine Lingua Franca.

Vielleicht denken jetzt manche Lesende, dass das pragmatische, nicht immer kunstvolle und sich stets aus vielen Kontexten bedienende Konzept der Lingua Franca gerade das Gegenteil der geordneten, kontrollierten und regelbasierten GND ist. Das stimmt schon und dann wieder doch nicht. Denn, um miteinander handeln zu können, teilen beide Konzepte die Funktionen: Verständigung sicherstellen, Eindeutigkeit bewirken und Brücken schlagen. Auf der einen Seite zwischen Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, und auf der anderen Seite zwischen Ressourcen, die sich in unterschiedlichen Domänen und Kontexten befinden.

Die Eckdaten

Termin

Start: Dienstag, den  23. Juno 11:30 Uhr;  Registrierung

Ende: Mittwoch, den 24. Juno 2026 12:30; Veranstaltungsende

Ort

Clubräume der Zentralmensa des Studierendenwerks der Universität Göttingen

Platz der Göttinger Sieben 4, 37073 Göttingen

Anmeldung bis 16.6.2026

Eine Anmeldung ist erforderlich. Es wird keinen Stream geben können. Die Plätze sind beschränkt. Nutzen Sie zur Anmeldung diesen Link.

Diskutieren Sie in sommerlicher Runde in Göttingen

Das Konzept “lingua franca”

GND ID gnd/041677455 

Die ursprüngliche Bedeutung der lingua franca (Ital. – „fränkische Sprache“) bezieht sich auf eine bestimmte Pidgin-Sprache, die bis ins 19. Jahrhundert an der Süd- und Ostküste des Mittelmeers als Handels- und Verkehrssprache verwendet wurde. Sie basierte auf romanischen Sprachen, aber enthielt Elemente nicht-romanischer Sprachen, hauptsächlich des Arabischen. Heutzutage wird der Begriff lingua franca als Bezeichnung für eine Sprache verwendet, die von Sprechern verschiedener Muttersprachen als gemeinsame Verkehrssprache genutzt wird. Englisch ist heute eine klassische lingua franca.

Textquelle: Glossar ICUD Seminar

Das Göttinger Programm

Das Programm wendet sich an Forschende und Mitarbeitende in den Geisteswissenschaften, deren Fachinformationsdienste, in wissenschaftlichen Bibliotheken, Musik-, Kunst- und Museumsbibliotheken sowie in Einrichtungen des kulturellen Erbes und anderen Sammlungen jeweils mit Bezug zu den NFDI-Konsortien des Kleblatts und zur GND. Das Programmkonzept für dieses GND-Forum vor Ort in Göttingen sieht drei Teile vor. Neben den Inhalten liegt den Veranstaltern besonders die aktive Partizipation aller Forumgäste am Herzen. Das spiegeln die auf den ersten Blick eventuell ungewöhnlichen Bezeichnungen der drei Veranstaltungsteile wider. Am ersten Tag fokussieren wir die praktischen Fragen, um uns am zweiten Tag Zeit für den Austausch zum weiteren gemeinsamen Vorgehen zu nehmen.

Teil 1 Ein Parcours der Tools und Anwendungen

In den vergangenen Jahren sind in den vier Konsortien wie auch in der GND-Zentrale neue Tools, Anwendungen und Services rund um die GND entstanden. Zwölf davon stellen wir den Teilnehmenden in einem Drei-Runden-Parcours vor.

Teil 2 Der Entitätstypen Fishbowl

Die Ursprünge der GND sind tief in den Bedarfen der bibliothekarischen Erschließung verankert. Ihre Regeln basieren im Wesentlichen auf zwei bibliothekarischen Standards, der verbalen Inhaltserschließung (RSWK) und dem RDA-DACH. Durch die Öffnung der GND und dem Wunsch, weitere Anwendergemeinschaften zu integrieren, kommen neue Perspektiven auf die Entitätstypen ins Spiel. Vor allem die Konzepte für “Werke”, “allgemeine und Individualbegriffe”, “Geografika” und “Körperschaften” werden von Forschenden aus den Geisteswissenschaften und dem Kulturbereich gewissermaßen als Maßanfertigungen für Bibliotheken erlebt, während sie von Bibliothekar*innen eher als One-Size-Fits-All betrachtet werden. Im Fishbowl-Format bekommen alle Teilnehmenden die Chance, sich auszutauschen, die Sichtweise des jeweils anderen besser zu verstehen und vielleicht schon Lösungswege zu skizzieren. Vier halbstündige Fishbowls stehen den Forumgästen offen zum Eintauchen. 

Teil 3 Ein Strategie Pow Wow

Pow Wows wurden ursprünglich von indigenen Gruppen in Nordamerika abgehalten, um unterstützt durch ein geregeltes Format zu Beschlüssen zu finden, die die Gemeinschaft als Ganzes betrafen. In einem metaphorischen Sinne nutzen heute auch viele andere Communities den Begriff. Wir wollen damit andeuten, dass hier nicht Top-Down eine Marschrichtung vorgegeben werden soll. Vielmehr versuchen die Veranstalter, möglichst viele der Anwesenden in einen Dialog zu zwei zentralen Fragen einzubeziehen:

  • Zwischen Minimum und Maximum: Was können GND und NFDI  für ein funktionales Datenökosystem leisten?
  • Wie können wir uns gegenseitig unterstützen, um unsere Vorstellungen umzusetzen?

Ausgangspunkte der Diskussion sind einerseits die Eindrücke und Ergebnisse des Vortages. Zum anderen wird Jürgen Kett (DNB) in einem pointierten Vortrag skizzieren, welche Chancen und Herausforderungen das Konzept der GND als Lingua Franca für die geisteswissenschaftlichen Konsortien und für die GND insgesamt bietet. Anschließend diskutiert ein Panel zusammen mit den Teilnehmenden die obigen Fragen sowie weitere auftauchende Aspekte.

Das vollständige Programm und den Link zur erforderlichen Anmeldung finden Sie auf der Veranstaltungsseite der GND-Website. Für diejenigen, die nicht vor Ort in Göttingen dabei sein können, werden wir im Anschluss an die Veranstaltung in diesem Blog die Ergebnisse dokumentieren.


 

Die Zentralmensa der Göttinger Universität ist der Veranstaltungsort des GND-Forums Humanities@NFDI




Die Veranstalter

(in alphabetischer Reihenfolge)

GND-Zentrale an der Deutschen Nationalbibliothek

NFDI4Culture

NFDI4Memory

NFDI4Objects 

Text+  an der SUB Göttingen